23.02.2018 - 14:20 Uhr
Trabitz

Serie: Erinnerung an Trabitzer "Memory" "Memory" macht's möglich

Selbst mal Platten auflegen, Ü-18-Filme schauen und in der Küche einen Automotor zerlegen: In der Disco "Memory" ist alles möglich. Wenn der Wirt der einstigen Trabitzer Kultkneipe den Schraubschlüssel auspackt, bleibt der Pizzaofen kalt.

Früher "Memory", heute steht das Gebäude leer. Die "Kulturbanausen" hauchten dem Gebäude wieder Leben ein, aber die Gemeinde zog damals die Notbremse: Einsturzgefahr. Archivbild: bjp
von Marion Espach Kontakt Profil

Besitzer Wolfgang Schmidt war nämlich ein leidenschaftlicher Autoschrauber, wie Jürgen Schreglmann weiß. "Und manchmal war er ein Chaot." Trotzdem - oder vielleicht auch deshalb - war das Memory sowohl bei Einheimischen als auch Auswärtigen beliebt. "Die Disco war immer voll", erinnert sich der 42-Jährige, der als Jugendlicher selbst zu den Gästen gehörte. Gemeinsam mit den "Kulturbanausen" richtete er das einstige Gasthaus 2010 wieder her und nutzte es einige Jahre für Geburtstagsfeiern oder Partys.

120 Personen hätten im "Memory" Platz gehabt, meistens waren doppelt so viele da. Darunter auch Jürgen Schreglmann: Als 14-Jähriger hat ihn die Neugier immer mal wieder in die Dorfdisco getrieben. "Das Alter war damals kein Problem. Früher war das alles lockerer." Es waren aber nicht die Erwachsenen-Filmchen oder der Alkohol, die ihn ins Memory zogen, sondern die Musik.

Magie der Musik

Er habe sich schon immer dafür interessiert und wenn er Glück hatte, durfte er in der Kneipe die neuesten Schallplatten durchstöbern. "Und manchmal habe ich selbst welche auflegen können", erzählt Schreglmann. Für den jungen Burschen sei das damals das Größte gewesen. "Ich kannte einen der damaligen DJs, der hat mich manchmal ans Mischpult gelassen."

Wer keine Lust hatte zu tanzen, war im Kaminstüberl gut aufgehoben. Die Kneipe befand sich im gleichen Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite. "Dort stand ein offener Kamin, daher rührt der Name", weiß Schreglmann. Wer es spannender haben wollte, musste eine Etage höher in den "illegalen" Club. "Da hat man sich Ü-18-Filme anschauen können." Lange gehalten hat sich der Bereich allerdings nicht, nach etwa einem Jahr wurde er geschlossen.

Dass das Lokal 1977 überhaupt eröffnet hatte, war dem Zufall zu verdanken. Damals war die Straße zwischen Troglau und Grünbach gesperrt, die Umleitung führte über Trabitz. "Dabei hat Wolfgang Schmidt das Haus gesehen und gekauft", erzählt ein früherer Disco-Besucher.

Der damals 19-Jährige war bei der Eröffnung dabei, danach sei er aber nur ab und zu im "Memory" gewesen. Meistens, um in der "Absteige" einen Absacker zu trinken. "Wir sind viel in Bayreuth weggegangen, auf dem Heimweg haben wir manchmal im 'Memory' vorbeigeschaut. Da hat man auch zu späterer Stunde noch ein Bier bekommen, weil die Sperrstunde keinen interessiert hat."

Tanzverbot? Egal!

Auch wenn der heute 59-jährige Trabitzer ein paar Jahre früher als Schreglmann die Dorfdisco besuchte und kein Stammgast war, weiß er, warum sie immer voll war: "Das Publikum war bunt gemischt und der Wirt hat sich immer angepasst." Unter den Gästen seien Amerikaner, Trabitzer, Kulmainer, Kastler, Jung und Alt gewesen. Der Spruch "Wo gehma hin? - Ins 'Memory'" sei ja auch in aller Munde gewesen - bis der Besitzer starb und das Lokal 2001 schließen musste.

Für die "Kulturbanausen" war das historische Bauwerk aber zu schade, um es leerstehen zu lassen. Sie renovierten und werkelten, brachten es auf Vordermann und dadurch wieder Leben in das marode Bauwerk. "Das haben wir alles aus eigener Tasche finanziert", erklärt "Kulturbanausen"-Mitglied Schreglmann. Bis die Gemeinde als Eigentümerin die Notbremse zieht: Das "Memory" gilt als einsturzgefährdet, geplante Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Was bleibt, sind die Erinnerungen an früher. Oder zumindest an manche Abende: "Die besten waren immer die, an denen eigentlich Tanzverbot herrschte", erklärt der 59-jährige Trabitzer. An Allerheiligen oder am Volkstrauertag habe der Besitzer immer die beste Musik gespielt. Und Verbot hin oder her, ein Tanz war trotzdem drin. Denn im "Memory" war schließlich alles möglich.

Memory in Zahlen

1977 : Wolfgang Schmidt hat das leerstehende Gebäude gesehen, gekauft und kurz darauf eröffnet.

2001 : Nach dem Tod des Bestizers schließt das Memory.

2010: Die "Kulturbanausen"-Gruppe renoviert das historische Gebäude, um darin Geburtstage und Partys zu feiern.

2016 : Ein Gutachten des Amberger Büros ALS warnt vor einer Einsturzgefahr des Bauwerks, die Gemeinde zieht die Notbremse.

120 Gäste hätten in der Disco Platz gehabt, meistens waren es doppelt so viele. (esm)

Manchmal durfte ich sogar selbst Platten auflegen.

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