Faurecia in Trabitz
Es hört einfach auf

Der Turm mit dem Firmenschild. Nur eines der beiden Wahrzeichen am Faurecia-Werk in Trabitz werden bleiben. Bild: wüw
Wirtschaft
Trabitz
16.12.2016
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Zur Faurecia-Schließung am 30. Dezember gibt es keine Veranstaltung mehr, den Betriebsrat beschäftigen derzeit andere Dinge.

(bjp/wüw) Der Faurecia-Betriebsrat verzichtet auf eine Aktion oder Veranstaltung zur Schließung des Standorts am 30. Dezember. Das habe der Betriebsrat am Donnerstag beschlossen. "Wir haben lange diskutiert. Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass eine Aktion die Kollegen nur belasten würde", begründet Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel.

So endet die Geschichte des Industriestandorts Trabitz nach 75 Jahren lautlos. Der Gemeinde ist derzeit nichts von einer neuen Nutzung bekannt. "Es wurden jahrelang Gespräche mit dem Konzern geführt, an denen auch unsere Gemeinde mitwirkte, doch war es nicht möglich, diesen Schritt abzuwenden", erklärte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk bei der Bürgerversammlung. Die Gemeinde wünsche sich, dass das Faurecia-Gelände wieder mit Leben erfüllt werde. Konkretes konnte Pepiuk aber nicht vermelden. Anfragen von Miet- und Kaufinteressenten übermittele sie der Konzernleitung: "Aber die letzte Entscheidung trifft allein das Unternehmen."

Von der künftigen Nutzung weiß auch Boemmel nichts, er hat andere Probleme. Die Vermittlung der rund 200 schon freigestellten Kollegen laufe schleppend, berichte er aus der Transfergesellschaft. Der Arbeitsmarkt biete Stellen für Ingenieure oder Hilfskräfte. Die Facharbeiter aus dem Trabitzer Werk stehen dazwischen und fallen durchs Raster. "Kollegen erhalten Angebote mit der Hälfte des bisherigen Stundenlohns." Dazu warte ein weiterer Schock - bei der Rentenerwartung. "200 bis 400 Euro" an monatlicher Einbuße bei der Rente komme leicht zusammen, rechnet Boemmel vor. Die Abfindungen können die nicht ansatzweise aufwiegen, wenn die Beträge zunächst auch üppig klingen. "Die Hälfte geht für die Steuer darauf", rechnet Boemmel vor. Laut des Betriebsrats haben sich Kollegen an die Kirchen gewandt und darum gebeten, den Härtefall anzuerkennen und die Steuer zu erlassen oder zu kürzen. Dies sei von den Kirchen abgelehnt worden. "Es gab deswegen auch Kirchenaustritte".

Wenigstens für ältere Kollegen habe der Betriebsrat eine kleine Unterstützung ausgehandelt. Was Ende 2018 im Weiterbildungsfonds der Transfergesellschaft übrig ist, fließt nicht wie üblich an den Faurecia-Konzern zurück. Es wird unter den Kollegen über 54 Jahre ausgeschüttet, genau wie die sogenannten Remanenzkosten, Geld das der Betrieb zahlen muss, um die Kündigungsschutzzeit mancher Mitarbeiter abzukürzen.
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