21.12.2017 - 16:10 Uhr
TrabitzOberpfalz

Transfergesellschaft läuft aus Noch ein Ende bei Faurecia

Unspektakulär geht gestern die Faurecia-Ära in der Region endgültig zu Ende. Das Werk in Trabitz hatte der französische Automobilzulieferer Ende 2016 geschlossen - nun gibt es auch das Büro der Auffanggesellschaft für die Mitarbeiter nicht mehr. Zeit für eine Bilanz.

"Für zehn Euro Gabelstapler fahren, könnte ich jederzeit." Zitat: Karl Boemmel, früherer Betriebsrat bei Faurecia
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Trabitz/Grafenwöhr. "Unsere Mitarbeiter haben heute die Büros im Gründerzentrum Grafenwöhr geräumt", erklärt Bernd Nickolay am Donnerstag telefonisch. Er ist der Augsburger Projekt- und Transfergesellschaft (PTG), die die Auffanggesellschaft geleitet hat. Bis Silvester sind PTG-Mitarbeiter in Augsburg telefonisch erreichbar, zum neuen Jahr läuft der Projekt aus.

Nickolays Bilanz fällt durchwachsen aus. 212 Faurecia-Mitarbeiter sind ab dem 1. August in die Transfergesellschaft eingetreten, die letzten zum 1. Januar 2017. Die Vermittlungsquote liege bei 55 Prozent. "Wir hätten gerne 60 Prozent erreicht", erklärt Nickolay, der aber auch sagt: "Wir wussten natürlich, dass es nicht leicht wird." Zwei Punkte haben die Vermittlung erschwert: Lohnniveau und Alter bei Faurecia. "Viele Kollegen waren über 55 Jahre alt", rechnet Nickolay vor. Bei eben diesen liege die Vermittlungsquote bei 25, bei unter 55-Jährigen bei 79 Prozent.

Dabei habe sich gezeigt, dass oft nicht fehlende Arbeitsplätze die Jobsuche erschwerten, vielmehr scheiterten Vermittlungen oft an de Lohnfrage. Was Faurecia bezahlte, gibt es bei kaum einem Betrieb der nördlichen Oberpfalz. Obwohl es in der Transfergesellschaft nur zwischen 80 und 87 Prozent des letzten Nettolohns gab, hätten viele Mitarbeiter bei manchen Stellen Abstriche machen müssen.

Der letzte Trabitzer Faurecia-Betriebsrat Karl Boemmel bringt dies so auf den Punkt: "Für zehn Euro Gabelstapler fahren könnte ich jederzeit." Weil er damit aber deutlich weniger verdienen würde, als er in der Transfergesellschaft erhielt, ist Boemmel weiter auf der Suche. Obwohl es mit einer neuen Stelle bisher nicht funktioniert hat, ist Boemmel von der Arbeit der PTG-Spezialisten überzeugt. "Ich bin froh, dass unserer Kollegen so hervorragend betreut wurden." Dabei ging es beim Eintritt zunächst oft nicht um Vermittlung. "Wir konnten nach der schweren Zeit durchatmen. Die Vermittler haben uns auch zugehört." Besonders für die Psyche sei dies wichtig gewesen. Die PTG bot zudem Orientierung. Viele Faurecia-Kollegen haben sich seit der Ausbildung nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt umsehen müssen.

Vor allem hat sich die PTG aber um die Fortbildung der Faurecia-Kollegen gekümmert. 343 Maßnahmen seien gelaufen. "Manche Kollegen haben also mehrere Angebote angenommen", sagt Nickolay. Schweißen, SPS-Steuerung oder CNC-Programmierung waren am meisten gefragt. Karl Boemmel sagt, er habe sich auf Computeranwendungen wie Excel, Word und Powerpoint konzentriert. "Nach zehn Jahren als freigestellter Betriebsrat bin ich kein Metall-Facharbeiter mehr." Ab Januar muss sich Boemmel selbst um eine neue Stelle kümmern. Nur einmal wird er noch für die Faurecia-Kollegen sprechen. Ende Januar, Anfang Februar geht es darum, die verbliebenen Mittel der Transfergesellschaft zu verteilen. Diese werden wohl an Härtefälle der Faurecia-Belegschaft ausgeschüttet.

Für zehn Euro Gabelstapler fahren, könnte ich jederzeit.Karl Boemmel, früherer Betriebsrat bei Faurecia

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