Der "Mayor of Trausnitz"

Es gibt Familien wie Yvonne und Armin Kiener, die nach Trausnitz zurückkehrten.
Vermischtes
Trausnitz
01.09.2017
514
0
 
Florian Müller aus Köttlitz.

Die Wochenzeitung "Politico" publiziert auch auf einer Online-Plattform, hat Büros in Brüssel und Washington. Sie berichtet über EU und Trump - und über Trausnitz, eine der kleinsten Gemeinden im Landkreis Schwandorf.

Autor ist Florian Müller aus dem 60-Seelen-Ortsteil Köttlitz. Der 22-Jährige hat sein Abi in Nabburg gebaut, absolvierte ein Praktikum beim "Neuen Tag" in Weiden und studierte an der Journalistenschule in Köln. Es folgten Praktika bei "Politico" in Brüssel und bei der ARD in Hamburg. Müller wird als Finanzkorrespondent für die Nachrichtenagentur AFP in Frankfurt tätig sein. Bei "Politico" in Brüssel hatte er Chefs und Kollegen aus Amerika, aus Indien. Sie wuchsen in Metropolen auf. Für sie war es Neuland, als Florian Müller von seinem Zuhause in der kleinen Gemeinde Trausnitz und von den Anstrengungen des neuen Bürgermeisters Martin Schwandner erzählte, der den Willen hat, das Dorf neu zu erfinden, um nicht im demografischen Wandel unterzugehen. Für die Kollegen waren diese Schilderungen der Gemeinde "in der Pampa, nah der tschechischen Grenze spannend". Müller wurde "ermuntert, ja fast gedrängt, diese Geschichte aufzuschreiben, denn da bewegt sich was". Und die Probleme, mit denen die Dörfer zu kämpfen haben, sind in anderen europäischen Ländern oder in Amerika nicht anders.

"Gerne mitgemacht"

Der Autor hatte einen großen Vorteil: "Ich spreche den Dialekt, ich kenne die Menschen. Alle waren kooperativ und haben gerne mitgemacht." Es entstand das Bild eines Dorfes und seinem "Mayor", dem Bürgermeister. Florian Müller bringt es in seinem englischen Beitrag auf den Punkt: "Der deutsche Bürgermeister hält sein Dorf am Leben und stemmt sich gegen den demografischen Wandel." In den Bildern darf es dann schon etwas Klischee sein: Neben Ortsansicht und veränderter Wohnsituation gibt es auch Bilder vom Bürgermeister mit Trachtenhut und eine Familie in Tracht - so wie man sich eben Bayern vorstellt.

Müller zeichnet ein Bild von Deutschland: "Ein Gesicht, das immer faltiger wird". In Trausnitz, wo 1000 Menschen am östlichen Rand des Landes leben, etwa 35 Kilometer von der tschechischen Staatsgrenze entfernt, sagen die offiziellen Statistiken, dass jeder fünfte Einwohner entweder bis 2028 gestorben oder weggezogen ist. Trausnitz steuert gegen: Es gab einen Babyboom. 2016 kamen 15 Kinder auf die Welt, und es gibt einen Bürgermeister, der Bürger halten und neue gewinnen will. Müller interviewt den "Mayor". Als er 2014 das Amt übernahm, war das Pumpspeicherwerk verkauft worden. Dem Ort fehlten 98 Prozent seiner Gewerbesteuer. Schwandner ging in die Offensive. Ein Dorfladen entsteht, da es keine Metzgerei, keinen Supermarkt gibt. Er wird von Einheimischen gebaut und finanziert. Außerdem entsteht ein Landkindergarten. Alles Herausforderungen, "damit die Leute bleiben".

Wege finden

Es gehe nicht nur um Breitbandversorgung. Trausnitz könne den demografischen Wandel nicht verhindern, "wir können nur Wege finden, gut damit zu leben." Mehrere Familien, wie Yvonne und Armin Kiener und ihre drei kleinen Kinder, seien zurückgekehrt. Schwandner führt nicht nur "Gemeinschaft, Geschichte und Landschaft" an, sondern auch die geringeren Lebenshaltungskosten. Florian Müller baut zum Schluss ein Interview mit der 82-jährigen Maria Hampl ein. Sie hat Verständnis für Studenten und Pendler, "doch es ist schlecht für die Älteren." Deshalb ist ein Nachbarschafts-Freiwilligenprogramm entstanden. Schwandner ist die Gemeinschaftbeteiligung wichtig. Regelmäßige Bürgerversammlungen, eine Facebook-Gruppe mit Updates zum Gemeindeleben, gehören dazu. Der "Mayor" weiß um die Risiken der Investitionen. Es kann einen leeren Landkindergarten, einen Dorfladen in der Verlustzone geben. Doch er sieht keine andere Chance, als es zu probieren. Martin Schwandner hat nach dem Beitrag viele positive Reaktionen erhalten. Ein Bürger postete: "Trausnitz in der Weltpresse, besser geht's nicht."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.