31.01.2018 - 20:00 Uhr
TrausnitzOberpfalz

Erika Eichenseer liest auf der Burg Schaurig-schöne Geschichten

In die geheimnisvolle Welt der Märchen und Sagen des bekanntesten Oberpfälzer Volkskundlers, Franz Xaver von Schönwerth, entführt Erika Eichenseer die Zuhörer der ersten Trausnitzer Burggeschichten. Im Ambiente des Rittersaales erzählt sie schaurige Geschichten, zu denen es sich wohlig gruseln lässt.

Mit ihrer Gestik und Mimik zog Erika Eichenseer die Zuhörer im Rittersaal der Burg in ihren Bann. Bild: bnr
von Richard BraunProfil

Der Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth gehört zu jenen Oberpfälzer Berühmtheiten, deren Werk nur wenigen bekannt ist. Dabei hat er 500 Sagen, Märchen und Schwänke gesammelt und aufgeschrieben, die einen tiefen Einblick in das Brauchtum erlauben.

Der Autorin und Märchenforscherin Erika Eichenseer haben es die Märchen von Franz Xaver von Schönwerth besonders angetan. Gerne ist sie deshalb der Einladung zu den Trausnitzer Burggeschichten gefolgt und von Regensburg nach Trausnitz "gebraust", wie sie selbst erzählt, um "missionarisch für das Bekanntwerden von Franz Xaver von Schönwerth zu wirken". Der bekannte Volkskundler war 1810 in Amberg geboren und lebte als Staatsbediensteter bis 1856 in München. Seine Sammelleidenschaft von Oberpfälzer Märchen und Sagen fiel in die Zeit der Gebrüder Grimm, zu deren Märchen eine gewisse Ähnlichkeit immer wieder zu finden ist. Auch seine Märchen handeln von Rittern, Tod und Teufel, von schrecklich starken Männern, feuerspeienden Drachen und zarten Ritterfräulein.

Bei ihrem Vortrag im Rittersaal der Burg schlüpft Erika Eichenseer ganz in die Rolle der Märchenerzählerin am Kamin, welche die Geschichte frei vorträgt. Dabei kann sie ihre oberbayerische Abstammung nicht leugnen. Der Oberpfälzer Dialekt hat dann doch seine Tücken. Eine Kröte heißt nun mal im Dialekt "Kroderer". Aber dies sind Nebensächlichkeiten, die dem Vortrag nicht schaden und beim Zuhörer ein Schmunzeln hervorrufen. In der ersten Geschichte von "Hans Dudldee" geht es um drei Brüder, die von ihrem Vater in die Welt geschickt werden, um ihr Glück zu finden. Dabei führt nicht Forschheit zum Ziel, sondern Schlauheit.

Die Gestik, mit der Erika Eichenseer den Inhalt der Geschichte unterstützt, ist einmalig. Auch die Grausamkeiten in der zweiten Geschichte "Ein Riese lügt nie" haben für Erika Eichenseer einen tiefen Sinn. Für sie sind Märchen keine Kindergeschichten, sondern sie regen zum Nachdenken und Entspannen an. "Gerade den Heranwachsenden wird in unserer Leistungsgesellschaft der Stuhl genommen, in dem sie sich auch einmal zurücklehnen können", geht Erika Eichenseer mit den Gepflogenheiten der "modernen Zeit" ins Gericht.

Ein Märchen anderer Art ist "Die goldene Bramasche". Hier bekommt die böse Stiefmutter ihr Fett weg. Das Mädchen, das losgeschickt wird, die goldene Bramasche zu finden, kommt nach vielen Abenteuern ans Ziel. Doch hier hört die Geschichte plötzlich auf. Was eine Bramasche ist, bleibt das große Geheimnis, das jeder Zuhörer für sich lösen muss.

Die erste Trausnitzer Burggeschichte war ein Vorgeschmack auf die nächste Märchenwoche auf der Burg, die vom 23. bis 25 März stattfindet. Hier wird nicht nur erzählt, sondern die Märchen werden gespielt und der Inhalt erarbeitet.

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