Wolfgang Prechtl, einer der wichtigsten bayerischen Verfassungsgeber, hat seine Wurzeln in ...
Die Verfassung mitgeschrieben

Wolfgang Prechtl, ein gebürtiger Trausnitzer, hat als Theologe und Politiker in der jüngeren, bayerischen Geschichte seine Spuren hinterlassen.
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Trausnitz
06.12.2016
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Eine schlichte Steintafel erinnert an den bedeutenden Sohn der Pfreimdtalgemeinde. Bild: bnr

Der 70. Jahrestag der Bayerischen Verfassung, die vor 70 Jahren, am 8. Dezember 1946 in Kraft getreten ist, weckt die Erinnerung an einen der wichtigsten bayerischen Verfassungsgeber, der seine Wurzeln in Trausnitz hat.

Wolfgang Prechtl, Theologe und Politiker, dessen Geburtshaus in Trausnitz steht, hat ein bedeutendes Stück bayerische Geschichte mitgeschrieben. Eine schlichte Steintafel in der Friedhofmauer erinnert an den bedeutenden Sohn der Gemeinde. Wolfgang Prechtl war am 10. September 1883 als Sohn eines Bauern von Trausnitz zur Welt gekommen. Der wache Geist des Buben und seine besonderen Begabungen fielen schon bald den Lehrkräften und der Geistlichkeit auf. Auf deren Anraten wurde Wolfgang Prechtl auf das humanistische Gymnasium in Metten geschickt. Nach dem Abitur trat Prechtl 1902 in das Regensburger Seminar ein und wurde 1907 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe war er in Kulmain, Pemfling und Deggendorf eingesetzt, dann von 1913 bis 1934 in Regensburg. Bis zu seinem Tode am 15. August 1964 war er als Pfarrer von Pattendorf tätig.

In Haft genommen

1919 wurde Prechtl als Studienprofessor für katholische Religionslehre an das Gymnasium in Regensburg berufen. Erstmals wurde Wolfgang Prechtl 1924 als Stadtrat von Regensburg politisch tätig. Von 1928 bis 1933 gehörte er als Vertreter der Bayerischen Volkspartei dem Bayerischen Landtag an. Schon 1930 lieferte er sich mit dem NSDAP-Abgeordneten Julius Streicher ein hitziges Wortgefecht, dessen Weltanschauung völlig konträr zu Prechtls Empfinden für Demokratie stand. Wolfgang Prechtl gehörte zu den Spitzen des politischen Katholizismus im Freistaat. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er kurz in Schutzhaft genommen und verlor seine Wirkungsmöglichkeit am Neuen Gymnasium in Regensburg. Auch als Priester in Pattendorf und Verwalter des dortigen Spitals und der Ökonomie blieb er im Blickfeld der Nazis.

Nach Kriegsende nahm Wolfgang Prechtl die politische Arbeit wieder auf. Von den einmarschierenden amerikanischen Truppen wurde er am 4. Mai 1945 zum Landrat von Rottenburg an der Laaber bestellt. Im Jahre 1945 hatte die neu gegründete CSU in den Landkreisen Rottenburg und Mallersdorf Wolfgang Prechtl für die verfassungsgebende Landesversammlung benannt. Er wurde Mitglied im beratenden Landesausschuss. Bis 1950 gehörte Prechtl dem Bayerischen Landtag an. Die Verfassungsräte waren bemüht, die neue Demokratiegründung auf einen breiten, parteiübergreifenden Konsens zu stellen. Wolfgang Prechtl engagierte sich vor allem in den Fragen des Grundrechteschutzes, der schulischen Bildungsziele und des Schutzes der Religionsgemeinschaften.

Widerspruch ausgelöst

In den Beratungen wurde vom damaligen Vorsitzenden Alois Hundhammer eine Präambel für die Bayerische Verfassung vorgeschlagen. Diese sollte dem ganzen Vertragswerk eine Art Rahmen geben. Die Idee, in der Präambel auf die Geschichte des Landes zu verweisen, brachte das Ausschussmitglied Wolfgang Prechtl ein. Sein Vorschlag lautete: "Gibt sich das bayerische Volk in einer mehr als tausendjährigen Geschichte geeint in seinen Stämmen nachstehende Verfassung." Damit wollte er der Verfassung ihre besondere geschichtliche Bedeutung geben. Dies löste anfänglich heftigen Widerspruch aus, da es geschichtlich nicht ganz korrekt war. Schließlich einigten sich die Verfassungsräte auf den Satz: "Eingedenk seiner mehr als tausendjährigen Geschichte." Der Verweis auf die geeinten Stämme wurde fallen gelassen, da über das Territorium des künftigen Bayern noch nicht entschieden war. Letztlich sollte dies dazu beitragen, der erweiterten, demokratischen Staatlichkeit Bayerns Stabilität und Beständigkeit zu ermöglichen.

Die Ausführungen zur Verfassung von Professor Dr. Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte werden demnächst in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte publiziert.
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