23.02.2018 - 11:52 Uhr
Ursensollen

Alter Verkehrswacht-Film begeistert Heimatkundler Als Ambergs Marktplatz noch Parkplatz war

Als er damals vor die Kamera gebeten wurde, wusste der zwölfjährige Hans-Georg Schrüfer gar nicht, worum es in dem Film ging. Das erfuhr er erst jetzt, 52 Jahre später. Nicht nur im Internet, auch beim heimatkundlichen Stammtisch in Erlheim ist der alte Verkehrswacht-Streifen ein echter Renner.

Parken auf dem Amberger Marktplatz: In den 1970er-Jahren war das noch so. Aktuell prallen die Meinungen über Autos in der Innenstadt von Amberg hart aufeinander. Archivbild: Heider
von Josef SchmaußerProfil

 
Der Erfolg übertraf alle Erwartungen: Über 65 Gäste, darunter Ursensollens Bürgermeister Franz Mädler, waren von diesem besonderen Heimatabend begeistert. Beim heimatkundlichen Stammtisch der Gemeinde Ursensollen in Erlheim wurde ein 52 Jahre alter Farbfilm der Verkehrswacht Amberg gezeigt. Er gibt interessante Einblicke in die verkehrstechnische, städtebauliche und gewerbliche Entwicklung Ambergs.

Geschäftswelt von einst

Viele Amberger, darunter eine Tochter aus der ehemaligen Konditorei Gierl in der Herrenstraße, heute Trachten Pöllinger, beim Eingang ins spätere Lichtspielhaus, freuten sich über diesen Rückblick in die damals sehr reichhaltige Geschäftswelt in der Amberger Innenstadt.

Im Vorfeld zeigte Maria Hummel anhand von Werbeanzeigen in alten Vereinschroniken einen interessanten Fundus ehemaliger Geschäfte.

Viele Gäste brachten sich mit Beiträgen ein: Dafür wurde der Film auf Wunsch angehalten. So erzählte Hans-Georg Schrüfer, dass er als Statist bei dem Film mitgewirkt hat. Der damals Zwölfjährige war an einem Samstagmittag mit zwei Freunden gerade auf dem Heimweg von der Schule. Ja, auch das gab es bis in die 1970er- Jahre: Schule an Samstagen.

Die drei Erasmus-Gymnasiasten wurden bei der Kreuzung am Wingershofer Tor angehalten und gebeten, als Statisten den Zebrastreifen zu überqueren.

Mehrmals mussten die Buben über die Straße marschieren, bis der Kameramann mit der Einstellung zufrieden war. Die Buben fragten nicht einmal, was hier gedreht wurde. Jetzt, nach 52 Jahren erfuhr Schrüfer den Grund für seinen Einsatz. Seine Mutter jedenfalls wollte ihm damals die Entschuldigung für sein Zuspätkommen von der Schule nicht recht glauben.

Umstrittener Bahnhof

Fragen der Stadtentwicklung wurden durchaus auch kontrovers diskutiert. Baudirektor a. D. Alfons Swaczyna, der einst in Regensburg und jetzt wieder in seiner Heimatstadt Amberg wohnt, gab ein Plädoyer für den "modernen" Amberger Bahnhof ab. Damals, bei seiner Entstehung in den frühen 1960er-Jahren, sei er deutschlandweit als "gelungenes Beispiel" der Architektur des Bauhaus-Stils angesehen worden. Heimatpfleger Josef Schmaußer konnte sich damit nicht ganz anfreunden. Er verwies auf die Altstadtnähe, wo der Bau im Vergleich mit dem Bahnhofsgebäude von 1859 lange als Fremdkörper gewirkt habe.

Der nächste "Heimatkundliche Stammtisch" findet am Donnerstag, 5. April, wieder um 19 Uhr im Gasthof Erlhof in Erlheim statt. Das Ehepaar Karin und Wolfgang Eger stellt dann die Bulldog-Geschichte der 1950er-Jahre vor.

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