02.05.2018 - 20:10 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Der Weiherer erklärt im Kubus, warum Brunsbüttel in Werbung ertrinkt: Einfach 25541 sagen - und wir haben unsere Ruhe

Ein bequemer Mensch ist der Weiherer nicht. Schon gar nicht mag er es, wenn er in eine Schublade wie "Protest-Sänger" oder "Brutal-Poet" gesteckt wird. Er sei einfach der Weiherer, sagt er. Unter diesem Namen steht er seit 16 Jahren auf der Bühne - gerade eben im Kubus in Ursensollen. Was er hier vorfinde, da sei er fast platt, gesteht er bei seinem Auftritt dort: Ursensollen habe er noch nie gesehen, ja überhaupt nicht gewusst, dass es diesen Ort gibt.

Der Weiherer hat es mit Brunsbüttel. Er hat an der Supermarktkasse nicht nur immer die Postleitzahl der norddeutschen Gemeinde parat. In seinem Fan-Sortiment verkauft er auch Bruns-Beutel und Bruns-Karten - alles mit dem Aufdruck 25 541 und auch dem richten Strichcode. Bild: gf
von Autor GFRProfil

Hier erzählt Christoph Weiherer "a bisserl" aus seinem Leben. Bei seinen Auftritten will er auf keinen Fall mit den Amigos oder der Helene Fischer verwechselt werden. In all den Jahren schlage er sich mit dem gleichen Programm durch - leichter sei es, das Publikum auszuwechseln, dann merke keiner, dass er nur fast drei Lieder drauf habe. Die Zuschauer im Kubus beobachtet er genau, damit er beim nächsten Auftritt in Sachsen erzählen kann, wie sich die Oberpfälzer aufgeführt haben.

Hauptsache, es ist bezahlt

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor Jahren waren nur zwei Zuhörer da, beim zweiten vier - darunter seine Eltern, die aber in der Pause heimgingen. Ihm seien die Zuhörer egal, meint der Weiherer: Wem's nicht gefällt, der muss nicht zuhören. Hauptsache sei, der Eintritt wurde bezahlt. Ein neues Lied hat er komponiert, das aber vorn und hinten nicht hinhaut. In der Oberpfalz hatte er ein Erlebnis, das er nie vergessen kann: Es ging um eine Minarett, das tatsächlich einer für ein Zupfinstrument gehalten habe.

Brutal hat es ihn getroffen, als er als "Helene Fischer des Kabaretts" bezeichnet wurde. Der Saal sei voll gewesen, aber für ihn sei das der schlimmste Auftritt seines Lebens gewesen, auch für die Zuschauer. Schlimmer könnte es nur kommen, wenn man ihm 50 Euro dafür bietet, dass er sofort aufhört und geht.

Freiheit ist das, was der Weiherer braucht. Freiheit und gute Ideen, Wahrheit und Heimat. Dann geht er auf das norddeutsche Brunsbüttel los. Als der Weiherer nach der Postleitzahl fragt, brüllt der gesamte Kubus "25 541". Er macht sich den Spaß, die Postleitzahl-Frage an jeder Supermarktkasse immer mit "25 541" zu beantworten: Wenn das alle machen, werde nur noch Brunsbüttel mit Werbung zugeschissen "und wir haben unsere Ruhe". Früher habe ein "Neger" 3,50 Mark gekostet. Heute sei das Wort "Neger" out, dafür kostet ein Cola-Weizen 3,50 Euro. Cola-Weizen gebe es auch in Brunsbüttel. Nur heiße es dort "Gülle". Der Weiherer kann sich gut vorstellen, dass ein Preuße in Bayern ein Glas Gülle bestellt. "Und ich kenn mindestens vier bayerische Gastwirte, die diesem Gast tatsächlich ein Glas Gülle hinstellen."

Der Opa und die Heimat

Im Heimatlied geht es um die komische bayerische Sprache, Weißwürste und die Autobahn mitten durch ein Naherholungsgebiet, um Mobilfunkmast neben Mobilfunkmast, um Gebiete, flächenmäßig vergleichbar mit Nürnberg, die zubetoniert werden. Dann zweifelt der Weiherer, ob Nürnberg zu Bayern gehört. Dann ist da noch die Geschichte mit dem Opa, der auf nasser Hühnerscheiße ausgerutscht ist. Es sei schon erstaunlich, in wie viele Richtungen ein Mann mit Krücken stürzen kann. Der Opa sei auch mit 72 Jahren noch Auto gefahren: Ins Wirtshaus gehen, das hätte er noch geschafft, aber nach etlichen Bieren heimgehen, das war ihm nicht zuzumuten.

Trotz oder wegen seiner deftigen sozial- und gesellschaftskritischen Sprüche erhielt der Weiherer im Kubus kräftigen Beifall und kam natürlich auch nicht ohne Zugabe davon.

 

 

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