30.11.2017 - 20:10 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Maria Reiser rockt die Kultur- und Begegnungsstätte Ursensollen Mundakrobatik und rollendes R

Energiegeladen und gleichzeitig besinnlich. Neu, und trotzdem nicht fremd. Mundart, Zungenbrecher und das rollende R: Maria Reiser bleibt der Heimat treu und kommt so modern daher, wie es nur eine Urbayerin in veganer Lederhosen in diesem Jahrhundert schaffen kann.

Barfuß auf der Bühne mit Ehemann Stephan Ebn am Schlagzeug, der jahrelang mit Gianna Nannini die Welt betourte. (Bild: dwi)
von Dagmar WilliamsonProfil

Klar wird den Bayern nachgesagt, dass sie nicht über den Tellerrand schauen können. Warum sollten sie auch? Die Haxn, des Knödl und die Soß san einfach so groß. Aber aus der Mitte, dem größten Hopfenanbaugebiet - der Holledau, ist die Mare entsprungen. Und sie hatte den nötigen Weitblick. Maria Reiser bereiste die Welt und bringt auf die Bühne, was wir alle wissen, aber selten im Alltag nutzen: Musik verbindet. "Und da ist des wurscht, ob dich die Afrikaner oder Amerikaner verstehen, verstehst? Host mi?" Reiser tourt selektiv und zieht alle in ihren Bann. Lange braune Haare wie eine Indianerin, Rhythmus im Blut wie eine Brasilianerin, das Herz der Heimat am richtigen Fleck und stimmlich ein einwandfreier breitgefächerter Gesang zwischen Cyndi Lauper und Alanis Morisette. Wow.

Jodel-Pop nennen es die Berliner. Und ja, die Reiser kann jodeln, aber es Pop zu nennen, wäre zu einfach, zu schlicht. Geschickt gelingt es der Band, in einem Stück Metal und Schunkelmusi zu vereinen. Und ab und an hört man ein bekanntes kurzes Riff durch die eigens komponierten Lieder. Das "whoop-whoop" von KRS "One sound of da police" gefolgt von Reisers niederbayerischen Dialekt "Ja, was is da los, bei mia dahoam?". In ihrer Ode an die Holledau klingt ein "Killing in the name" von Rage against the machine durch. Aber nur kurz. Für diejenigen, die es kennen, eine erfreuliche Überraschung und für jene, die es nicht wissen, passt's einfach.

Ein sitzendes Publikum ist bei soviel Energie eine große Herausforderung, aber die Reiser zieht es durch, zieht alle mit und zieht hüpfend durch die Gästereihen - zumindest schläft keiner ein. Und ja, des fesche Deandl in der veganen Lederhosen erfreut auch die Männerwelt im Kubus. Ein paar wenige Ursensollener behaupten auf Reisers Frage, dass sie nicht aus Bayern kämen - sie seien Oberpfälzer. Ein kurzer Moment der Perplexität wird gekonnt überspielt: "Naja, des derf ma sich scho eingestehen, dass'd ihr no dazukehrt". Schließlich will die Mare, dass alle zusammenkommen und sich nicht abgrenzen. "Des funktioniert auf der ganzen Welt", erzählte sie. Ganz offen für alles seien die Menschen in den Truckstops am Highway in den USA, aber auch die Takte der afrikanischen Trommeln aus Namibia und Südafrika passen zu ihrer Mundakrobatik mit dem hervorgehobenen rollendem R.

Wenn Maria Reiser mit Band, die übrigens zuvor vereinzelt mit namhaften europäischen Stars tourten, sich entschließt, auf der Bühne zu stehen, dann sollte das Ereignis nicht verpasst werden. Ob in München oder Hamburg, Stockholm oder Sydney - ein Muss für jeden Musikliebhaber. Dabei braucht man nicht mal weit über den Tellerrand zu schauen, bis zum Besteck reicht vollkommen.

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