01.03.2018 - 13:46 Uhr
Ursensollen

Michael Lerchenberg liest im Kubus Ursensollen Die Sache mit dem schwierigen Bayern

Perfektes Timing. Deutschland steckt in der moralischen Krise zwischen GroKo und dem anderen Übel - da erscheint Michael Lerchenberg mit seinem Buch "Von Scheinheiligen und Heiligen", basierend auf den Arbeiten von Ludwig Thoma. Im Kubus Ursensollen stellte er den schwierigen Bayern vor.

Michael Lerchenberg liest aus seinem Buch "Von Scheinheiligen und Heiligen", während ihm Florian Burgmayr zwischendurch den Bayerischen Defiliermarsch auf der Tuba bläst. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

"Wer ist frömmer als die Taube? Als die milchgefüllte Kuh? Als der Kapuzinerglaube und das fromme Lamm dazu? Frömmer ist das Regiment - in dem neuen Parlament." An einem Abend mit Ludwig Thoma darf die Eröffnungshymne des schwierigen Bayerns nicht fehlen. Obwohl dieser Text 113 Jahre alt ist, verliert er nicht an Bedeutung. Michael Lerchenberg wählt, wahrscheinlich sogar unbewusst, einen perfekten Augenblick, um Thoma in Erinnerung zu bringen.

"Ich vermisse diese Art von Satire, diesen rücksichtslosen Journalismus", sagt der Schauspieler und Regisseur. Thoma war ein Menschen-Erreger und ein Aufreger. "Ich denke, er suchte das Heil im Angriff, auch weil er ein hochsensibler Genosse war", so beschreibt Lerchenberg den wichtigsten Autor beim Simplicissimus. Die Zeitschrift zielte auf die wilhelminische Politik, die bürgerliche Moral, die Kirchen und Beamten; somit wurde das Blatt regelmäßig staatlich zensiert.

Leider sei Thoma der Mehrheit nur noch bekannt für seine Lausbubengeschichten. "Ludwig Thoma war aber so viel mehr." Deshalb widmete Michael Lerchenberg sein Buch ganz den Pfaffen, Pfarrern und Pastoren und versuchte in einer Kurzfassung, dem Ärger des Ludwig Thoma über die größten scheinheiligen Machthaber Luft zu machen. In seiner Lesung beschreibt er den berühmtesten Scheinheiligen, der Thoma wohl auch im echten Leben schikanierte: den Kindlein. "Wenn er was Heiliges redet, zwickt er die Augen zu und macht seinen Mund spitzig. Er faltet immer die Hände und ist recht sanft und sagt zu uns: ,Ihr Kindlein'. Deswegen haben wir ihn den Kindlein geheißen." In Wahrheit beschreibt er den Professor Faltermeier aus Burghausen, der auch die Vorlage für die Lausbubengeschichten liefert.

Kurz nachdem der Roman "Andreas Vöst" erschienen war, änderte das Bistum Regensburg die Bestattungsregeln für ungetaufte Kinder. Die Geschichte schildert, wie ein bayerischer Bauer durch Verleumdung durch den örtlichen Pfarrer zugrunde geht. Auch der Seelenfrieden wird ihm genommen, als er sein verstorbenes Neugeborenes nicht auf geweihtem Grund beerdigen darf. "Das ist reiner Zynismus", sagt Lerchenberg. Auch dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die Ludwig Thoma seinerzeit als Rechtsanwalt miterlebt hat. Der Ärger über Ungerechtigkeiten der Scheinheiligen sei deshalb gut zu verstehen, davon ist Michael Lerchenberg überzeugt.

Ob er und Thoma Gemeinsamkeiten teilen? Der Schauspieler lacht und hofft, dass dem nicht so sei. "Außer die Liebe für Dialekt - ich möchte kein schwieriger Bayer sein."

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