09.05.2018 - 17:22 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Gut besuchte Podiumsdiskussion von EBW und KEB im Kubus Abend mit großen Themen

Es sind drei große Themen, die bei dieser politischen Podiumsdiskussion erörtert werden. Die hochkarätigen Gäste, überwiegend Parlamentarier, sprechen über Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und Gerechtigkeit. Moderator Siegfried Kratzer vom Evangelischen Bildungswerk gießt immer wieder einmal Öl ins Feuer des Disputs, um ihn richtig brennen zu lassen.

Das hochkarätig besetzte Podium mit (von links) Linken-Landesvorsitzender Uschi Maxim, SPD-Bundestagsabgeordneter Marianne Schieder, CSU-Landtagsabgeordnetem Dr. Harald Schwartz, den beiden Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) und Ulrich Lechte (FDP) sowie dem AfD-Kreisvorsitzende Werner Meier. Bilder: Dobler (3)
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die gut besuchte Veranstaltung im Kubus eröffnete Kratzer im Namen der beiden kirchlichen Bildungswerke EBW und KEB sowie der Gemeinde Ursensollen mit Auszügen aus Äußerungen Dietrich Bonhoeffers und den "Grundüberzeugungen" der Ökumenischen Weltversammlung. Jeder der Teilnehmer auf dem Podium hatte sich einen Satz aus einer der beiden Vorlagen auszusuchen und seine Wahl zu begründen.

"Ich würde vieles aus den Texten nicht unterschreiben", gab Harald Schwartz gleich anfangs Kontra. Der CSU-Landtagsabgeordnete aus dem Stimmkreis Amberg-Sulzbach legte sich aber dann auf die Sentenz "der Begriff der Menschenrechte bezieht sich auch auf kollektive soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte der Menschen" aus den "Grundüberzeugungen" fest. Für Kratzer war das eine Gelegenheit, ihn zur Ablehnung des Familiennachzugs von Flüchtlingen zu befragen. "Was ist denn mit dem C in ihrem Parteinamen", wollte er wissen. "Ein Familiennachzug für subsidiär Geschützte ist für niemanden vorteilhaft", zeigte sich Schwartz sicher.

"Die Welt starrt in Waffen"

Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (Wahlkreis Schwandorf) hielt es mit Bonhoeffer: "Die Stunde eilt - die Welt starrt in Waffen". Jeder Euro, der für Waffen ausgegeben werde, könne für nichts anderes genommen werden, klagte sie. Kratzers Nachfrage bezog sich auf die SPD, Schieders Partei, die keine guten Wahlergebnisse aufweist: "Was würden Sie der Parteivorsitzenden Nahles raten, wo liegt der Fehler?" Schieder gab zu, "ich kenne keinen einfachen Tipp".

Auf diese Weise äußerten sich in der Folge auch die Bundestagsabgeordneten Ulrich Lechte (FDP) und Stefan Schmidt (Bündnis90/Die Grünen; beide Wahlkreis Regensburg), die Landessprecherin der Linken Uschi Maxim (Landkreis Regensburg) und der AfD-Kreisvorsitzende Werner Meier (Landkreis Neumarkt). Sie alle konfrontierte Kratzer nach einem Blick auf die hohen Militärausgaben vor allem der USA und Nato mit der Frage "fühlen wir uns wirklich so bedroht von Russland, dass wir diese wahnsinnigen Summen ausgeben müssen?" Ulrich Lechte antwortete mit der spitzigen Bemerkung, "ich möchte nicht, dass unsere Wehrhaftigkeit die Schützenvereine sind". Aber auch die anderen Parlamentarier und der AfD-Mann zeigten Verständnis für die Ausgaben des Westens. Linken-Vertreterin Maxim hingegen verwies auf die 161 Millionen Euro an Rüstungsgütern für die Saudis, die heuer schon geliefert wurden, und urteilte: "Damit werden Fluchtursachen geschaffen."

"Viel Unsinn"

Die Themen Ökologie und soziale Gerechtigkeit standen bei der zweieinhalbstündigen Veranstaltung ebenfalls auf der Agenda, wobei sich nicht nur die Diskutanten auf der Bühne, sondern auch Zuhörer von der gewagten AfD-These distanzierten, es gebe eigentlich keinen Klimawandel. "Von dieser Partei kommt im Bundestag viel Unsinn und Wahnsinn", polemisierte FDP-Abgeordneter Lechte.

Unstrittig war hingegen, dass der Ausstieg aus der Braunkohle in Ostdeutschland nicht so schnell gehe. Das sorge sonst für soziale Unruhe, die den Extremen in die Hände spiele. Marianne Schieder bat, beim Thema Klima "der Politik nicht nur Schlechtes zu unterstellen, denn da ist schon vieles in Bewegung gekommen". Schwartz hielt auch den Zuhörern den Spiegel vor, gerade mit Blick auf den Individualverkehr: "Jeder will zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß."

Dass das Thema Umwelt beim letzten Wahlkampf so gut wie keine Rolle gespielt habe und beim bevorstehenden es wohl auch nicht tun werde, darüber klagte Hans-Jürgen Frey vom Solarenergie-Förderverein Amberg, nachdem Moderator Siegfried Kratzer die Zuhörer zu Stellungnahmen aufgefordert hatte. Dem konterte Schwartz und macht überdies deutlich: "Die Welt steht nicht vor dem Untergang." Grünen-Parlamentarier Stefan Schmidt konstatierte dringenden Handlungsbedarf. "Wir tun was, aber wir machen zu wenig und leben deutlich über unseren Verhältnissen", lautete seine bittere Erkenntnis.

Schließlich arbeitete sich das Podium noch am Thema "Gerechtigkeit" ab, wobei es nicht leicht zu entscheiden war, ob man sich mehr mit der auseinander klaffenden Schere von Arm und Reich in Deutschland, mit Altersarmut und Steuerungerechtigkeit beschäftigen, oder ob man das Thema lieber gleich im globalen Maßstab behandeln sollte. Etwa im Sinne von Uschi Maxim: "Wir machen die Wirtschaft in Afrika kaputt und wundern uns, wenn die Menschen zu uns kommen."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp