12.03.2018 - 20:00 Uhr
Ursensollen

Erzeugergemeinschaft: Landwirte halten Boden intakt Stickstoff von der Skipiste

Weil der Bauer tagsüber seine Felder bestellt, stehe er kritisch im Fokus. Die wirklichen Umweltsünden aber würden öffentlich gar nicht wahr- und deshalb einfach hingenommen. Skipisten und menschliche Ausscheidungen nannte Georg Straller, der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Qualitätsgetreide, als Beispiele.

Auch ein Weg, Kritik aufzugreifen: Die Erzeugergemeinschaft zeigt Sinn für Humor. Bilder: wec (2)
von Christine Wendl - wecProfil

Oberleinsiedl. Straller sprach das Thema bei der Frühjahrsversammlung der Erzeugergemeinschaft im Gasthof Michl in Oberleinsiedl an. Er fand lobende Worte für die Landwirtschaft, die sich enorm fortentwickelt habe.

Aber er warf auch kritische Blicke auf Aussagen von Leuten, die meinten, "die gute alte Zeit" sei so schön gewesen und "der Bauer" würde heute viel falsch machen: "Es würde aber von denen sicher keiner mehr aufs Plumpsklo vor dem Haus gehen oder sich am Winterabend in ein kaltes Haus setzen, wo nur vielleicht mal ein einziges Zimmer mit Holz beheizt ist. Und genauso wird auch der Bauer nicht mehr die Pferde anspannen und übers Feld ziehen."

Immerhin gebe es in fast keinem Dorf mehr eine Landwirtschaft, die allen Auflagen gerecht werden könne, die "von oben" auf die Landwirte einprasselten. Man dürfe nicht mit zweierlei Maß messen, forderte Georg Straller.

Der momentan wassergesättigte Boden sei ein Lebewesen, in dem bis zu 6000 Kilo Stickstoff aktiv seien, betonte der Vorsitzende. Er sei die lebendige Haut, die die Erde schütze vor dem Eintrag von Schwermetallen, die sonst ins Grundwasser gelangten. Dies wiederum schaffe nur ein intakter Boden, der voll bewirtschaftet werde und einen pH-Wert von 6,5 bis 7 habe. Im Wald beispielsweise funktioniere dies nicht. Dort werde Aluminium direkt ins Grundwasser geleitet, was in Zukunft noch zum Problem werden könne.

Straller wies ferner darauf hin, dass die Gülle aus den Ställen durchschnittlich 120 Tage gelagert werde und sich in dieser Zeit zersetze. Kläranlagen hätten eine wesentlich kürzere Lagerzeit - und müssten noch dazu täglich wahre Chemie-Bomben aus tabletten- und hormonverseuchten menschlichen Ausscheidungen verarbeiten. Auch mit dem "Schneezement", der mit bis zu 2400 Kilo Stickstoff pro Hektar auf jeder Skipiste ausgebracht werde, um den Kunstschnee haltbarer zu machen, habe niemand ein Problem. Dabei laufe auch dieser Stickstoff mit der Schneeschmelze ungefiltert in die Gewässer. Es gelte also immer, beide Seiten einer Medaille zu sehen.Über den Getreidemarkt berichtete Norbert Rausch (Bayernhof GmbH). Er zeigte Gründe für die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt, resümierte zur Weizenernte und gab Tipps zur besseren Getreide-Vermarktung.

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