Marion Stiegler füllt leere Räume mit Leben
Pop-up-Läden als Chance für den Einzelhandel

Marion Stiegler präsentiert ihr Lable „Provintzstück“ im Studioladen „Unterm Pult“ in Ursensollen. (Foto: Andreas Brückmann)
Vermischtes
Ursensollen
12.01.2018
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Mit einfachen Mitteln richtet Marion Stiegler ihre Pop-up-Läden ein. Hölzerne Kabelrollen dienen als Präsentations-Tische. (Foto: Marion Stiegler)

Ein neuer Laden öffnet. Eine Woche später: Geschäftsaufgabe. Mit dieser Idee stieß Marion Stiegler aus Ursensollen zunächst auf Widerstand. Doch die Unternehmerin sieht in den „Pop-up-Läden“ eine Chance für den örtlichen Einzelhandel.

Ein leeres Schaufenster, verstaubte Auslagen. Plakativ ist nur noch das Schild mit der Aufschrift „Zu vermieten“ an der Fensterscheibe. Ein Albtraum für Stadtplaner und Kommunalpolitiker, die um den Einzelhandel fürchten. Ein Traum für Marion Stiegler, die ein neues Ladenkonzept in der Oberpfalz etablieren möchte: Pop-up. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Düsseldorf gibt es diese Läden längst. Die Geschäfte „ploppen“ – wie der Name sagt – in leerstehenden Gewerberäumen auf. Nach einer gewissen Zeit verschwinden sie so schnell, wie sie gekommen sind.

Ein großartiges Marketing-Konzept für Jungunternehmer und Start-ups. Das dachte sich die gelernte Textilmustergestalterin und Grafikdesignerin Stiegler, die sich vor sieben Jahren den Traum von der Selbstständigkeit erfüllt hat. Neben dem Grafikdesign für Privat- und Geschäftskunden ist Textildesign ihr zweites Standbein. Unter dem Label „Provintzstück“ entwirft sie moderne Muster für Kissenbezüge oder Tischläufer aus biologischen Materialien.

"Das wäre doch toll"

Um die hippen Öko-Wohntextilien bestmöglich vermarkten zu können, suchte die Unternehmerin nach einer verkaufsfördernden Strategie. Denn: „Die Produkte nur ins Netz zu setzten, funktioniert nicht, weil dich am Anfang niemand findet“, sagt die gebürtige Oberfränkin. Als sie die vielen leerstehenden Geschäftsräume in der Amberger Innenstadt sah, dachte sie: „Das wäre doch toll, wenn ich dort meine Kissen ins Fenster lege, das Ganze hübsch gestalte und so einen Leerstand wiederbelebe.“

Die Idee nahm Formen an. Am 16. Juli 2014 feierte ihr erster Pop-up-Store in der Unteren Nabburger Straße in Amberg Premiere. „Ich kann frei entscheiden, in welchem Zeitraum ich den Laden führe. Wenn ich sage, ich mache das nur eine Woche, dann kann ich das wunderbar organisieren“, sagt sie. Ihre Euphorie stieß in Amberg zunächst auf wenig Gegenliebe. Es war schwierig, einen geeigneten Raum zu finden. Eine häufige Reaktion der Vermieter: „Ein Laden für eine Woche? Ja, so ein Schmarrn.“ Der Gegenwind schürte ihren Ehrgeiz. Schließlich wollte sie auch auf die Leerstand-Situation in vielen Städten aufmerksam machen.

Mit der Gewerbebau Amberg holte sie sich einen starken Partner ins Boot. Die Verantwortlichen traten als Vermittler an potenzielle Vermieter heran. „Dass dann eine offizielle Institution hinter mir stand, hat sehr geholfen“, erzählt die 40-Jährige. Schließlich war die Räumlichkeit gesichert. Ein umständlicher Verwaltungsakt folgte. „Es gibt kein Formular, um ein Pop-up anzumelden“, sagt Stiegler. Sie musste folglich eine Filiale anmelden und nach der Öffnungsdauer wieder abmelden.

Kreativität aus der Region fördern

Beim ersten Mal war sie noch im Alleingang unterwegs. Für die Nachfolge-Läden suchte sich Stiegler kreative Partner, die den Store gemeinsam mit ihr betreiben. In der Zwischenzeit greift sie auf ein weites Netzwerk zurück. Ihr Ziel ist es, nicht nur die Leerstände wieder zu füllen, sondern auch Kreative aus der Region zu fördern. Die Künstler reichen von der Glasmacherin über die Seifensiederin, Mode- oder Schmuckdesignerin bis zum Fotografen. Inzwischen gilt sie als Pop-up-Pionierin Ambergs. Im Dezember führte sie gemeinsam mit der Künstlerin Nicole Matschiner ihren vierten Pop-up-Store – diesmal in Schwandorf. Unter dem Titel „Winterwunderland“ verkauften Designer, kleine Labels, Manufakturen und Künstler aus ganz Deutschland ihre Ware.

Mit einfachen Mitteln wie Stoffen, Euro-Paletten oder Kabelrollen aus Holz dekoriert Stiegler liebevoll ihre Pop-up-Läden. Sie erntet viel Lob von ihren Kunden. Nicht nur für ihre Produkte, sondern auch für die Gestaltung und außergewöhnliche Warenpräsentation. Sie ist davon überzeugt: „Du musst den Leuten eine Überraschung, etwas Besonderes bieten, damit sie wieder gern im Laden kaufen – und nicht nur mit einem Klick im Internet. Nur mit solchen innovativen Ideen kann ich den Einzelhandel aufrecht erhalten.“ Einen Laden für kurze Zeit zu eröffnen, assoziieren viele Menschen mit Scheitern. Marion Stiegler sieht in Pop-ups ihren persönlichen Erfolg.
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