30.06.2017 - 16:44 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Ursensollen plant 880000-Euro-Projekt Aus Sternwarte soll Planetarium werden

Oben regnet es rein und unten haben die Mäuse freien Zutritt. Dass die Sternwarte in Ursensollen einer gründlichen Renovierung bedarf, ist unbestritten. Doch die Ursensollener gehen einen Schritt weiter: Sie bauen gleich ein Planetarium.

Schnitt durch das geplante Planetarium in Ursensollen. Die Gemeinde holt mit diesem ehrgeizigen Projekt die Planeten und Sterne ein Stückchen näher her zu uns. Grafik: evh_architekten
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Von Andreas Ascherl

Vor einigen Jahren zog die Amberger Sternwarte von der Panzerplatte im ehemaligen Übungsplatz Fuchsstein weg nach Ursensollen. "Wir haben ihnen hier drei mögliche Standorte angeboten, sie haben den jetzigen ausgesucht", sagt Bürgermeister Franz Mädler. Der ehemalige Elektroingenieur hat sich während seines Studiums auch mit der Sternenguckerei beschäftigt und von daher ein großes Interesse an der Materie.

Seither sind die Sternwarte und ihr Verein kräftig gewachsen. Dank der Leader-Förderung konnte ein neues Fernrohr angeschafft werden. Eine hochwertige fotografische Einheit macht es möglich, die Bilder aus dem Weltall einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Mit dem aktuellen Vorsitzenden, dem OTH-Professor Matthias Mändl, sei noch einmal zusätzlicher Schwung in den Verein gekommen, sagt Mädler. Es wäre also alles gut und schön, wenn da nicht die Gebäude wären. "Wir haben damals beim Umzug auch zwei alte Container übernommen", so Mädler, "aber die sind inzwischen oben und unten undicht." Es musste also etwas getan werden, wenn es für die Sternenjünger eine Zukunft geben sollte. "Ein Neubau würde rund 300 000 Euro kosten", legt der Ursensollener Bürgermeister die Größenordnung dar. Eine staatliche Förderung aber für eine Sternwarte existiere nicht. Damit würden die Kosten zum größten Teil am Verein hängenbleiben.

Rund 75 Prozent Förderung

"Es gibt aber eine Förderung für Planetarien", hat Mädler herausgefunden. Damit war für den Rat der kleinen Gemeinde klar: Das machen wir. Denn die Förderquote liegt aktuell zwischen 70 und 80 Prozent. "Wir gehen von rund 75 Prozent aus." Bei dann anfallenden Gesamtkosten von rund 880 000 Euro würde sich der Aufwand für alle Beteiligten in überschaubaren Größenordnungen halten. "Mein Gemeinderat steht da voll dahinter, das ist mir wichtig", signalisiert der Bürgermeister die Zustimmung des Gremiums.

Was Mädler nicht so gut gefällt, ist die Reaktion der Stadt Amberg auf sein Angebot, als Partner in das Projekt einzusteigen. "Immerhin sollte die Anlage Planetarium Amberg-Ursensollen heißen", so argumentiert er. Der finanzielle Aufwand für die Amberger sei nicht sehr groß gewesen, zudem habe er ein Modell entwickelt, mit dem sich die Investition schon in wenigen Jahren amortisiert hätte. "Doch der Hauptausschuss der Stadt hat beschlossen, dass er das nicht will", erzählt Mädler. "Dabei ging es mir mit Sicherheit nicht um das Geld, sondern um die vielbeschworene Interkommunalität."

Damit wird es jetzt wohl nichts. Auf den neuen Plänen, die das Amberger Büro "evh_architekten" ausgearbeitet hat, steht nun: Planetarium Naturpark Hirschwald Ursensollen. Eine verpasste Chance für Amberg, wie Mädler meint. Er hätte es eigenen Aussagen zufolge sehr gerne gesehen, hier die Stadt Amberg als Partner an seiner Seite zu sehen.

Doch wie schaut das nagelneue Planetarium aus? Neben dem Beobachtungsplatz, in dem die Teleskope ihren Platz finden werden, bietet es zusätzlich eine große Kuppel, in der Projektionen von Planeten und Sternen gezeigt werden können - ähnlich wie das im Nürnberger Planetarium geschieht. "Aber wir hängen im Gegensatz dazu unsere Kuppel etwas schräg in den Raum, um so eine Art Kino-Erlebnis zu schaffen."

Platz für 30 Menschen

Platz ist in der Kuppel für etwa 30 Menschen, größere Gruppen können aber problemlos geteilt werden. "Das Planetarium wäre also auch ideal für Schulklassen", spekuliert der Ursensollener Bürgermeister. Draußen wird das Gebäude, das am alten Standort der Sternwarte seinen Platz finden wird, mit Holz verkleidet. Ein kleines Biotop rundet die Naturnähe des Bauwerks noch ab. Der Gemeinderat hat der Planung bereits im Grundsatz zugestimmt, am Dienstag,18. Juli entscheidet er noch einmal über die endgültige Version - hoffentlich wieder einstimmig, sagt Franz Mädler, dem sehr viel daran liegt, das Projekt einmütig über die Bühne zu bringen.

Stimmt der Ursensollener Gemeinderat zu, kann anschließend sofort der Förderungsantrag an die Regierung der Oberpfalz gestellt werden. Dann könnte die Anlage sogar heuer noch ausgeschrieben werden. Baubeginn wäre im nächsten Jahr. "Und spätestens in der Adventszeit 2018 muss das Ding dann laufen."

Mir ging es nicht um das Geld, sondern um die Interkommunalität.Ursensollens Bürgermeister Franz Mädler zum vergeblichen Angebot an die Stadt Amberg, beim Planetarium mitzumachen

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