Christian Felber erläutert die Gemeinwohl-Ökonomie
Ziel: Gutes Leben für alle

Christian Felber im Kubus. Bild: exb
Wirtschaft
Ursensollen
04.07.2017
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Er wurde schon als "Robin Hood einer gerechten Ökonomie" bezeichnet. Christian Felber ist ein Verfechter der Gemeinwohl-Ökonomie: Die Grundsätze dieses Wirtschaftsmodells präsentierte er auf Einladung der ÖDP im Kubus.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen hatten sich mehr als 100 Zuhörer versammelt, als der ÖDP-Landes- und Kreisvorsitzende Klaus Mrasek gemeinsam mit dem Sprecher der ÖDP-Kreistagsfraktion, Michael Birner, den Referenten des Abends, Christian Felber, vorstellte: Die Wochenzeitung Die Zeit hatte ihn vor zwei Monaten bei einer Preisverleihung als "Robin Hood einer gerechten Ökonomie" bezeichnet.

"Gemeinwohl-Ökonomie - Die Chance auf ein gutes Leben für alle" - unter diesem Motto stellte Christian Felber das von ihm mitentworfene neue Wirtschaftsmodell vor. Es biete einen Ausweg aus der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung, die weltweit die Armen ärmer und die Reichen reicher mache, sagte Felber. In aktuellen Umfragen werde deutlich, dass die Menschen mit der herrschenden neoliberalen Wirtschaftsordnung unzufrieden sind. So wünschen sich in Deutschland 78 Prozent der Befragten ein Wirtschaftssystem, das den Menschen stärker in den Mittelpunkt stellt.

Teil der Verfassung

Felber führte aus, dass dies nichts mit einem utopischen Sozialismus zu tun habe. Es entspreche vielmehr einem Grundsatz, der in vielen Verfassungen enthalten sei, so auch im Artikel 151 der Bayerischen. Darin heißt es: "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl." In der Praxis aber hätten die meisten Ökonomen dieses Ziel völlig aus den Augen verloren und sähen ausschließlich die Kapitalvermehrung als obersten Zweck jeglicher unternehmerischer Tätigkeit.

Die Auswüchse dieser Ideologie zeigen sich laut Felber auch in Deutschland täglich: extreme Einkommensunterschiede (Manager-Gehälter bis zum 6000-Fachen eines Durchschnittlohns), Steuervermeidungsstrategien transnationaler Konzerne und zunehmende Machtkonzentration, insbesondere bei internationalen Bank- und Finanzgesellschaften.

Die Gemeinwohl-Ökonomie stelle dagegen den ursprünglichen Zweck des Wirtschaftens wieder in den Mittelpunkt - das Gemeinwohl, also das gute Leben für alle. In einer Gemeinwohl-Bilanz, die in diesem System für alle Unternehmen verpflichtend sei, würden die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die Mitarbeiter, die Kunden, die Umwelt und die Gesellschaft erfasst und messbar gemacht. Das Ergebnis der Gemeinwohlbilanz ist dann die Basis für die Besteuerung: je besser diese Bilanz, desto geringer der Steuersatz.

Auch für die Gewährung von Förderungen aus Steuermitteln und für die Berücksichtigung bei öffentlichen Aufträgen sei die Gemeinwohlbilanz ausschlaggebend, erläuterte Felber. Eine funktionierende Gemeinwohlökonomie erfordere auch die Begrenzung der Einkommensunterschiede.

Intensive Diskussion

In der letzten Finanzkrise hätten insbesondere Banken mit Steuergeldern gerettet werden müssen, weil diese für systemrelevant erklärt wurden. Das widerspricht laut Felber aber einer freien Marktwirtschaft. Solche Konzernstrukturen müssten über die Kartellkontrolle in Unternehmenseinheiten aufgespalten werden, die nicht systemrelevant sind, so dass sie bei mangelndem Erfolg auch in die Insolvenz gehen können.

An den Vortrag von Christian Felber schloss sich eine intensive, von Klaus Mrasek moderierte Diskussion an. Michael Birner unterstrich dabei, dass die Förderung des Gemeinwohls bei der ÖDP nicht nur im Programm stehe: Sie sei ihr Anliegen schlechthin. Nicht überhörbar war Felbers Appell an die regionalen Betriebe, eine Gemeinwohlbilanz für ihr Unternehmen zu erstellen. Anschließend stellte sich ÖDP-Direktkandidat Norbert Peter dem Publikum vor. Er ließ mit folgender Aussage aufhorchen: "Parteien zu wählen, die seit Jahrzehnten regieren, ist eine verschenkte Stimme, denn dann ändert sich garantiert gar nichts."
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