14.03.2018 - 20:00 Uhr
Ursensollen

Online-Auktions-Plattform "CarsOnTheWeb" freut sich über starkes Wachstum Gebrauchte Diesel im Ausland begehrt

Diesel stehen wie Blei: Auto-Händler und Leasing-Gesellschaften wollen die Selbstzünder so schnell wie möglich vom Hof bekommen. Die Online-Auktions-Plattform "CarsOnTheWeb" freut sich über "exorbitantes Wachstum". Die Diesel-Krise ist aber nicht der alleinige Grund für die Steigerung.

Im Gewerbepark von Ursensollen unterhält die Auktions-Plattform "CarsOnTheWeb" seit zwei Jahren einen bedeutenden Standort. Der direkte künftige Nachbar ist übrigens die Grammer AG mit dem neuen Firmensitz.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Rund 35 000 Autos verkaufte die Auktions-Plattform im Web 2016: In diesem Jahr wird mit 68 000 Exemplaren nahezu eine Verdopplung angestrebt. Die für 2021 geplante Zielmarke von 100 000 scheint viel früher in greifbare Nähe zu rücken. "Seit Spätherbst 2017 verzeichnen wir bei Diesel-Fahrzeugen einen Zulauf ohne Ende", sagt Patrick Schröder, Geschäftsführer von "CarsOnTheWeb". Der 30-Jährige verantwortet bei der Internet-Firma mit belgischen Wurzeln auch den Standort Ursensollen bei Amberg. Die Diesel-Fahrzeuge mit einem Anteil von etwa 85 Prozent bescheren "CarsOnTheWeb"eine Art Sonderkonjunktur. "Bei den Flotten- und Firmenfahrzeugen der Vielfahrer gibt es nach wie vor keine Alternative zum Diesel", sagt Schröder, der jede Bewegung am Markt intensivst beobachtet. Er rechnet 2018 vermehrt mit der Insolvenz von Autohändlern, "da sie allein das volle Restwert-Risiko für die Leasing-Rückläufer tragen, nicht der Hersteller". Bei den Diesel-Autos stellt Schröder einen Preisrückgang von 10 bis 20 Prozent seit Ende 2017 fest.

Erst Anfang dieses Jahres übernahm "CarsOnTheWeb" das deutsche Fahrzeughandelsnetz Gwliste.de (wir berichteten). Durch den Einstieg des niederländischen Investmentfonds Vortex Capital Partners und der Großbank ABN Amro als Mehrheitsgesellschafter vor zwei Jahren verfügt "CarsOnTheWeb" über eine enorm hohe Eigenkapitalquote. Sie erlaubt dem Unternehmen die Bezahlung innerhalb von nur zwei Tagen nach der Auktion der mehr als 250 "Lieferanten" (ausschließlich Händler, Leasing-Gesellschaften oder große Unternehmen mit Fahrzeugflotten). Bis dann das Geld der Käufer auf dem Konto von "CarsOnTheWeb" eingeht, vergehen im Schnitt bis zu acht Tage. Diese Vorfinanzierung gilt als Alleinstellungsmerkmal in der internationalen Gebrauchtwagen-Branche.

Stets 3000 Autos zur Wahl

Die verkauften Autos sind ausnahmslos für den Export vorgesehen: nach Osteuropa ebenso wie nach Portugal oder Spanien, die gerne noch Diesel der Euronorm 4 abnehmen. In der 160-köpfigen Belegschaft von "CarsOnTheWeb" sind 23 Sprachen - inklusive diverser Dialekte - gegenwärtig. Nach Auskunft von Geschäftsführer Schröder liegt der Durchschnittspreis je versteigertem Fahrzeug bei 12 000 Euro, die gängige Bandbreite reicht von 3000 bis 35 000 Euro. "Es sind aber auch Exoten wie Porsche oder Bentley für über 100 000 Euro im Angebot." Über 48 Stunden stehen im Schnitt bis zu 3000 Autos zur Wahl - an 365 Tagen.

Bei der Ermittlung der Marktpreise stützt sich "CarsOnTheWeb" nicht auf irgendwelche Buchwerte oder einschlägige Bewertungs-Listen, sondern allein auf "aktuelle und intensive Marktbeobachtung" - neben Datenblatt und Bildern. "Eine Augenscheinnahme vor Ort erfolgt nicht", betont Patrick Schröder. Die zur Versteigerung vorgesehenen Autos stehen bei Sub-Unternehmen an sechs zentralen Standorten in Deutschland, u. a. in Schmidgaden (Kreis Schwandorf). Inzwischen machen etwa zwei Drittel der Kunden von einer Überführungs-Pauschale Gebrauch, so kostet der Transport von Schmidgaden nach Rumänien 200 Euro. Schröder: "Wir nutzen die Leerfahrten von Autotransportern ..."

Gewinn-Beteiligung

In dem 2004 gegründeten Online-Unternehmen herrschen flache Hierarchien - und das vertrauliche "Du" zwischen allen Mitarbeitern. Schröder lacht: "Wir sind zwar ein junges Team, aber erwachsen." Zum familiären, aber nichtsdestoweniger leistungsbezogenen Klima gehört auch die grundsätzliche Option für alle Mitarbeiter auf Heimarbeitsplätze (Home-Office). Als Gewinn-Beteiligung haben die Beschäftigten einen Bonus in Höhe von bis zu eineinhalb Monatsgehältern zu erwarten.

Seit Spätherbst 2017 verzeichnen wir bei Diesel-Fahrzeugen einen Zulauf ohne Ende.Patrick Schröder, Geschäftsführer CarsOnTheWeb
Der komplette Auto-Markt ist im Umbruch.Patrick Schröder

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