28.02.2018 - 11:16 Uhr
Vilseck

150. Todestag König Ludwig I. Schillernd und widersprüchlich

Kunstmäzen, Beschützer der katholischen Kirche, Frauenheld: Der bayerische König Ludwig I. war eine widersprüchliche Figur. Seine Mätresse Lola Montez löste eine innenpolitische Krise aus - und kostete ihn schließlich den Thron.

Zeitgenössische Darstellung des bayerischen Königs Ludwig I., der vor 150 Jahren am 29. Februar 1868 in Nizza starb. Der Thron des bayrischen Königs begann 1848 zu wackeln: Die Februarrevolution von 1848 in Frankreich hatte ihre Gewitterwolken mit Blitz und Donner bis nach Bayern getragen und dort zur Märzrevolution geführt. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

München. König Ludwig I. (1786-1868) gehört zu den verwirrendsten und schillerndsten Figuren der bayerischen Geschichte: ein liberaler Schöngeist, der kritische Denker aus ganz Deutschland nach München holt - und gleichzeitig politische Gegner auf Festungen verbannt. Ein tief frommer Freund der katholischen Kirche und der Klöster, der zahllose Affären mit Schauspielerinnen, Sängerinnen, Tänzerinnen hatte. Am 29. Februar 1868 - vor 150 Jahren - starb Ludwig I.

Als der elegante, kunstliebende Kronprinz Ludwig 1825 an die Macht kam, strömten Professoren und Künstler aus allen deutschen Gebieten nach München, magisch angezogen von seinem Ruf als aufgeschlossener Geist und toleranter Mäzen. Kaum hatte Ludwig den Wittelsbacher-Thron bestiegen, hob er die Pressezensur für Angelegenheiten der Innenpolitik auf. Neue Zeitungen schossen aus dem Boden, 25 waren es nach einigen Jahren allein in München.

Verhältnis zur Kirche

Doch der liberale Elan verflog schnell, als in Frankreich der König vertrieben wurde und die von der Zensur befreite Münchner Presse Beifall klatschte. Bald warf Ludwig kritische Journalisten aus dem Land, ließ Studenten verhaften, bestellte bei Richtern per Handschreiben die gewünschten Urteile und erinnerte seine Minister daran, dass sie ihre Gewalt nur "Kraft erhaltenen Auftrags von Mir" ausübten. Untertanen, die sich einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht hatten, mussten kniend vor des Königs Bild Abbitte leisten.

Ähnlich schillernd wirkt Ludwigs Verhältnis zur Kirche: Auf der einen Seite hielt er mit voller Überzeugung an den Toleranzedikten seines Vorgängers Maximilian I. Joseph fest, die aus Bayern einen aufgeklärten Staat gemacht hatten. Einmischungsversuche der römischen Kurie lehnte er strikt ab. In der Münchner Universität erklärte er zwar: "Religion muss die Grundlage sein", fügte jedoch sogleich hinzu: "Keine Bigotten mag ich, keine Kopfhänger, die Jugend soll sich des Lebens freuen."

Derselbe Ludwig I. gilt aber bis heute als Restaurator des katholisch-kirchlichen Lebens in Bayern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte es in Bayern noch rund 250 Klöster gegeben, nach der Säkularisation war lediglich eine in ihrer Verfassung unveränderte Ordensniederlassung übrig geblieben: das Schottenkloster St. Jakob in Regensburg. Aufklärer, Publizisten, Staatsbeamte hatten jahrzehntelang Kritik an der "Möncherei" geübt und auch die Fronleichnamsprozession und die Christmette verboten.

Jetzt regierte plötzlich wieder ein König, dem die "Aufklärung mit Wahrung der Religiosität, des positiven christlichen Glaubens" ein Herzensanliegen war. In engem Zusammenwirken mit seinem Lehrer Johann Michael Sailer, dem späteren Bischof von Regensburg, sorgte der Monarch durch entsprechende Lehrstuhlbesetzungen für ein stärkeres Gewicht der Kirche an den bayerischen Universitäten. Ludwig ließ neue Priesterseminare und Pfarrkirchen errichten. Papst Gregor XVI. nannte ihn "den größten Beschützer" der Kirche.

Allein in München gehen fünf Gotteshäuser auf ihn zurück, darunter die durch kulturelle und soziale Aktivitäten bekannte Benediktinerkirche St. Bonifaz, wo er begraben liegt. Durch königliches Dekret nahm der Mönch, oft fälschlich als "Münchner Kindl" gedeutet, seinen angestammten Platz im Stadtwappen wieder ein. Am wichtigsten wurde für die bayerischen Katholiken aber die von Ludwig mit Vehemenz betriebene Wiederherstellung der Klöster. Den verjagten Ordensleuten traute er am ehesten eine Erneuerung des religiösen Lebens im Lande zu. Besondere Hoffnungen setzte Ludwig I. auf den Benediktinerorden, der seiner Sehnsucht nach einer Harmonie von Religion, Wissenschaft und Kunst entgegen kam. Sein Steckenpferd wurde die Wiedergründung des niederbayerischen Klosters Metten.

Kunstsammler und Bauherr

Ludwig war außerdem Kunstsammler und Bauherr von Rang. Der Bewunderer des antiken Griechenlands wollte München mit seinen Architektur- und Straßenbauprojekten in eine mediterrane Metropole verwandeln. Mit der Glyptothek für die Sammlung antiker Skulpturen schuf er den ersten eigenständigen Museumsneubau in Europa.

Zum Verhängnis wurde dem zunehmend autokratisch regierenden König am Ende dann eine irische Tänzerin von zweifelhaftem Ruf: Lola Montez, 35 Jahre jünger, Ex-Geliebte von Franz Liszt und Alexandre Dumas. Ludwig verfiel ihr bedingungslos, machte sie zur Gräfin, schenkte ihr ein Palais; die Femme fatale zog mit einer studentischen Leibgarde und einer gewaltigen Dogge durch München, Zigarre rauchend und Widersacher mit der Reitpeitsche traktierend.

Als sich Ludwigs Mätresse auch in die Politik einmischte, trat das gesamte Kabinett zurück, Tausende demonstrierten auf dem Odeonsplatz. Am Ende musste Montez nach Amerika fliehen. Es geht das Gerücht, dass sie sich für einige Zeit in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) versteckt hat. Ein Kleid aus dieser Zeit blieb in der Stadt zurück. Der gebrochene Monarch gab den Kampf gegen die allgemein geforderte demokratische Verfassung auf und dankte am 19. März 1848 zugunsten seines Sohnes Maximilian ab. Er starb 20 Jahre später mit 81 Jahren in Nizza.

Festspiel

Vilseck. In Vilseck erinnert in der Burg Dagestein das Festspiel "Lola Montez - Die falsche Spanierin" (Regie Christian Höllerer, Autor Bernhard Setzwein) an die Liaison zwischen König Ludwig I. und Lola Montez.

Freitag, 29. Juni (Premiere)

Samstag, 30. Juni

Sonntag, 1. Juli

Donnerstag, 12. Juli

Freitag, 13. Juli

Samstag, 14. Juli

Sonntag, 15. Juli

Freitag, 20. Juli

Samstag, 21. Juli

Sonntag, 22. Juli

Die Aufführungen finden jeweils um 20 Uhr statt

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 www.nt-ticket.de und Abendkasse.

Keine Bigotten mag ich, keine Kopfhänger, die Jugend soll sich des Lebens freuen.König Ludwig I.

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