Vilsecker Hobby-Archäologe Karl Platzer denkt nicht ans Aufhören
"Wir waren sicher keine Franken"

Der "Kelten-Schatz" von Karl Platzer besteht überwiegend aus Bruchstücken von verschiedenen Behältern und Gefäßen des Alltagslebens. Vor allem im westlichen Landkreis ist der Hobby-Archäologe aus Vilseck fündig geworden.
Kultur
Vilseck
10.12.2016
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Das Grabungswerkzeug lehnt an den Vitrinen im Keller. Bald folgt sein nächster Einsatz.

Sie gelten als das "Volk aus dem Dunkel". Viele Rätsel umranken die Geschichte der Kelten. Mit der Schrift standen sie auf Kriegsfuß, im Kampf sammelten sie die Köpfe der Gegner, und dennoch prägten sie unsere Kultur. Die Forschung hatte lange Zeit nichts Verlässliches über die Kelten in der Hand - außer Fundstücke. Das Auffinden dieser Zeugnisse ist die große Leidenschaft von Karl Platzer aus Vilseck.

Sein Revier erstreckt sich auf das ganze Gebiet unseres Landkreises. Daran hält er sich nach eigenen Angaben strikt. "In anderen Gegenden gibt es auch Leute mit den gleichen Interessen, die brauchen ja auch Möglichkeiten, um etwas zu finden", erklärt der pensionierte Signalmechaniker. Seit er in der Rente ist, das ist nun 20 Jahre her, betreibt er die Suche nach im Boden verborgenen Altertümern intensiv.

Seinen Forschergeist weckte aber in jungen Jahren sein Vater. Mit ihm ging es oft hinaus in die Natur, wo der junge Karl seine Sinne für bestimmte landschaftliche Gegebenheiten schärfte und so auch schon immer wieder mal fündig wurde. Heute lässt es der 82-jährige Schatzgräber zwar etwas ruhiger angehen, seine Leidenschaft ist aber ungebrochen groß.

Mit dem Denkmalamt

"Es ist egal, was man findet, die Hälfte des Fundes darf man auf jeden Fall behalten", erklärt Karl Platzer, der dabei auf seine ausgelegten Stücke und die Vitrinen im Keller verweist. Einen Großteil seiner "Beute" hat er der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg zur Verfügung gestellt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt den Vilsecker mittlerweile als ehrenamtlichen Mitarbeiter, da die Behörde von seiner Klasse im Aufspüren altertümlicher Zeugnisse begeistert ist.

Wer glaubt, dass der rüstige Hobby-Archäologe einfach aufs Geratewohl durch die Botanik streift, der irrt. In aller Regel nutzt er Literatur der Provinzialbibliothek oder verschiedene Fachpublikationen, um auf die Orte aufmerksam zu werden, an denen sich eine Grabung oder zumindest eine Nachschau lohnen könnte. Den entdeckten Hinweisen geht er dann mit seiner rund 30 Kilogramm schweren Grabungsausrüstung nach. Und meist zahlte sich die Vorbereitung aus.

Vor allem Funde aus der Keltenzeit - hier grenzt er den Zeitraum von 450 bis 40 vor Christus ein - füllen seine Schränke. Aber auch bronzezeitliche Relikte oder Fundstücke aus dem Mittelalter hat Karl Platzer schon entdeckt. Sein Schwerpunkt aber sind die Hinterlassenschaften der Kelten, die wir als unsere direkten Vorfahren betrachten dürfen. "Meine Fundstücke belegen eindeutig, dass wir hier keine Germanen oder gar Franken waren", ist der Vilsecker überzeugt.

Platzer ordnet seine keltischen Funde überwiegend in die Mittel- und Spätlatènezeit ein. Als Beleg dafür zeigt er beim Pressegespräch verschiedene Graphitton-Keramik, die oftmals Kammstrich-Verzierungen trägt. Dabei handelt es sich um einen relativ widerstandsfähigen Ton, der sich lange hält sowie gut identifiziert und datiert werden kann. "Die Funde stammen eigentlich von Wegwerf-Material wie Töpfen, Schüsseln, Tellern oder verschiedenen Vorratsgefäßen", merkt der Hobby-Forscher an.

Wie er weiter angibt, hätten viele Fachleute bereits den Wert seiner Sammlung, zu der auch metallische Funde gehören, wie etwa eine vermutlich mongolische Pfeilspitze, bestätigt. Und ganz stolz zeigt er einen keltischen Hakenschlüssel aus Eisen, den es nach seinem Kenntnisstand nur noch einmal, und zwar im Keltenmuseum in Manching, gibt. "Man könnte wirklich glauben, die Schlüssel stammen vom gleichen Schmied", sinniert Platzer. Als weitere Seltenheit zeigt der Hobby-Archäologe die Reste eines Gefäßes mit Schrägstrich-Verzierungen. Ähnliches finde sich nur noch je einmal in Cham und in Weltenburg. Wie er weiter ergänzt, bezögen sich sein Funde auf die ganze Latènezeit. Das sei belegt und wissenschaftlich anerkannt.

Neues Ziel gesetzt

Karl Platzer spürte seine Schätze vor allem im westlichen Landkreis in der Nähe des Maximiliansfelsens, am Steinberg, beim Kühloch oder am Hagfelsen auf. "Man bekommt einfach einen Blick für die Gegebenheiten in der Natur. Da bin ich zum Beispiel auf einer zufälligen Rast auf einen bedeutenden Fund aus der frühen Bronzezeit gestoßen."

Und wenn die Gesundheit mitmacht, wird er sich noch lange nicht zur Ruhe setzen. Als neues Ziel hat er das sogenannte "Schlößl" (Rest einer früheren Burg) bei Schnaittenbach ins Visier genommen.

Es ist egal, was man findet, die Hälfte des Fundes darf man auf jeden Fall behalten.Karl Platzer
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