29.07.2006 - 00:00 Uhr
VilseckOberpfalz

Neuer Verband in US-Kaserne Vilseck erhält Ausrüstung - Wetter erinnert Neuankömmlinge an Fort ... Bushs "Geistersoldaten" laden Stryker ab

Major Bryan Denny.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Als es leicht zu nieseln beginnt, scherzt Major Bryan Denny: "Das kennen wir von zu Hause, das ist wie in Fort Lewis." Denn die Region im pazifischen Nordwesten der Vereinigten Staaten ist berüchtigt für ihre vielen Regen- und wenigen Sonnentage. Von dort, aus der US-Garnison in der Nähe von Seattle, kommt der neue US-Heeresverband der künftig in der Kaserne Rose Barracks in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) am Südrand des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr stationiert ist.

Am Freitagmittag laden die Männer und Frauen des 2. US-Kavallerieregiments im Bahnhof des Südlagers ihre Fahrzeuge ab. Die Radpanzer vom Typ Stryker und die Humvees kommen per Bahn aus Bremerhaven. Dort waren sie am Samstag vor einer Woche eingetroffen und am Montag vom Schiff gefahren worden. Eingeschifft wurden die Fahrzeuge in Tacoma an der Westküste der Vereinigten Staaten.

Es ist das erste Mal, dass ein Verband der US-Armee, der mit dem vierachsigen Radpanzer ausgerüstet ist, in Europa stationiert wird. Das 2. Kavallerieregiment in Vilseck und die 173. Luftlandebrigade im italienischen Viacenza sind künftig die einzigen dauerhaft in Europa stationierten Kampfverbände des US-Heeres. Die 1. Infanteriedivision ist bereits abgezogen und in die USA zurückgekehrt. Die 1. Panzerdivision soll nächstes Jahr folgen. Noch ist aber der Vilsecker Verband der 1. Panzerdivision zugeordnet. Später wird die Stryker-Brigade dann wohl direkt dem US-Heereskommando in Europa zugeordnet.

Das Wetter beeinträchtigt die Laune von Major Denny nicht. Der 39-jährige Offizier freut sich wieder in Deutschland zu sein. Er war bereits vier Jahre in Würzburg und Schweinfurt stationiert. Seither habe er Freunde in Ingolstadt, erzählt der verheiratete Vater eines Buben. "Ich mag die warmherzige Art der Menschen hier." Als er gefragt worden sei, ob er nach Deutschland wolle, habe er mit einem langen "Jaaaa" geantwortet, sagt Denny. "Dabei habe ich noch nicht einmal gewusst in welcher Funktion."

Vom Stryker ist der Panzeroffizier, der im Golfkrieg 1990 mit dem Kampfpanzer Abrahms und dem Schützenpanzer Bradley gekämpft hat und 2004 mit dem Radpanzer im Irakeinsatz war begeistert. "Ein großartiges Waffensystem", sagt Denny. "Es erfordert eine ganz andere Mentalität." Vor allem die Mobilität des Verbandes, die hohe Geschwindigkeit die der Radpanzer erreicht und die Informationssysteme überzeugen die Soldaten. Sie könnten dank ihrer Mobilität schnell Schwerpunkte bilden und sich weitgehend unbemerkt dem Feind nähern. Ein Stryker-Verband könne einen größeren Teil des Schlachtfeldes abdecken als ein Panzerverband, erklärt Denny.

US-Präsident George W. Bush nannte die Stryker-Brigade "Geistersoldaten", als es dem Verband im Jahr 2004 gelungen war unbemerkt in Samarra im Westirak einzudringen und dank des Überraschungsmoments ein Nest von Aufständischen auszuheben, berichtet Major Jon Pendell, der ebenfalls mit der Brigade für ein Jahr im Zweistromland war.

Noch ist das 2. Kavallerieregiment damit beschäftigt, sich selbst zu organisieren und wieder einsatzbereit zu werden. Nächstes Jahr stehen dann Trainingsmissionen an. Aus dem Heeres-Hauptquartier in Heidelberg heißt es, dass es zu Übungen nach Osteuropa geht. Auch die Bundeswehr hat bereits angeklopft. Die Deutschen könnten "gar nicht erwarten die Stryker hierher zu bekommen", sagte Generalmajor Mark P. Hertling vor kurzem. Ohnehin pflegen die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg und Stryker-Brigade in Vilseck eine Partnerschaft. Richtig ausgebaut werden kann diese aber erst, wenn die "Zwölfer" von ihrem Einsatz in Bosnien und im Kosovo zurück sind.

"Typisch deutsches Regenwetter", tröstet Pendell zum Abschied. Auch der frisch gebackene Vater eines Buben freut sich wieder hier zu sein. Es ist das dritte Mal in seiner Laufbahn.

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