18.11.2004 - 00:00 Uhr
VilseckOberpfalz

Oberst Pittard und US-Gemeinde trauert um vier in Falludscha gefallene Soldaten In Vilseck steht die ganze Welt still

"Ich habe niemals erwartet, bei einer Gedenkfeier in Vilseck zu sein", sagt Oberst Dana J.H. Pittard. "In Irak, während des Einsatzes ja, aber niemals hier". Und doch steht der Kommandeur der 3. US-Brigade vor der Trauergemeinde in Vilseck. Er spricht über den Verlust, den der Tod der vier Soldaten seines Verbandes bedeutet. Sie starben in Falludscha.

Tränenreicher Abschied: Diesen Soldaten übermannten seine Gefühle bei der Trauerfeier für seine Kameraden. (Bilder: Unger)
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Oberstabsfeldwebel Steven Wayne Faulkenburg wurde 45 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Tonya und die Töchter April sowie Jenna Clifton und Katherine Clifton. Oberleutnant Edward D. Iwan und Feldwebel James C. Matteson starben im Alter von 28 und 23 Jahren. Hauptmann Sean P. Sims fiel im Alter von 32 Jahren. Er lebte mit seiner Frau Heidi und seinem erst zehn Monate alten Sohn Colin Patrick in Kaltenbrunn (Kreis Neustadt/WN).

Die kleine Kirche in den "Rose Barracks", dem Südlager ist brechend voll. Per Video wird die Feier in einen benachbarten Saal übertragen, damit all die Freunde, Kameraden und die Mitglieder der amerikanischen Militärgemeinde an der Zeremonie teilhaben können. Sie allen wollen den trauernden Angehörigen in diesen Stunden beistehen. Ein Mädchen ist eigens aus Mannheim angereist. Sie will ihrer Lieblingslehrerin Heidi Sims, die ihren Mann verloren hat, Trost spenden.

"Wenn der Tod zu schlägt, trifft es einen immer hart", sagt Pittard. 26 Soldaten seiner Einsatz-Brigade, der Task Force "Duke" sind in Irak bereits gefallen, 16 davon waren in Vilseck stationiert. Im Irak helfe die Arbeit über den Schmerz hinweg. Der Einsatz müsse schließlich weiter gehen. "Hier zu Hause ist es anders", betont der Oberst. "Die ganze Welt scheint still zu stehen. Hier zu Hause sehen wir erst, wie schmerzlich der Verlust für die Familien ist." Dann erzählt Pittard von den Gefallenen und seinen Begegnungen mit ihnen - etwa von Sean P. Sims als dieser in Irak während der Patroullie in Mugdadiyah von seiner Frau und seinem Sohn erzählt habe: "Seine Augen leuchteten heller als der Mond" in jener Nacht. "Sims kam mit jedem aus", lobt der Oberst den Gefallenen: "Wer nicht mit ihm auskam, mit dem stimmte etwas nicht."

Die Soldaten starben zwischen dem 9. und 13. November, bei den blutigen Kämpfen in der irakischen Rebellenhochburg Falludscha westlich von Bagdad. Alle vier gehörten zum 2. Bataillon des 2. Infanterieregiments. Sie waren für die US-Offensive den Marines an die Seite gestellt. Eines von zwei Bataillonen, das den Ort Haus für Haus auf der Suche nach Aufständischen durchkämmte.

Die Tatsache, dass es vier Männer eines Bataillons binnen weniger Tage getroffen hat, veranlasste auch den Kommandeur der US-Armee in Europa, General B.B. Bell, nach Vilseck zu reisen. Er wollte den Familien Trost zu sprechen, erklärt der Offizier. Zugleich nutzt der europäische Armeechef die Gelegenheit einen jungen Soldaten aufzumuntern, der verwundet worden ist. Unter den Trauergästen ist auch der US-Generalkonsul aus München Matt Rooney und der Kommandeur des V. US-Korps, General Ricardo Sanchez, der bis vor kurzem die US-Truppen in Irak kommandiert hatte.

Von deutscher Seite sind zahlreiche Gemeindevertreter gekommen: Bürgermeister Hans-Martin Schertl (Vilseck), die 3. Bürgermeisterin Eleonora Widmann (Grafenwöhr) und der 2. Bürgermeister Herbert Wölfl (Weiherhammer-Kaltenbrunn). Die 12. Panzerbrigade "Oberpfalz" aus Amberg, die Partnereinheit der 3. US-Brigade, sandte eine Abordnung.

Auch andere Soldaten erzählen von ihren Begegnungen mit den Gefallenen. Etwa vom hoch aufgeschossenen Edward D. Iwan mit seinen leuchtend roten Haaren. Viele übermannt dabei die Rührung. Doch für alle gilt auch das Motto der 1. Infanteriedivision, der "Big Red One (Große Rote Eins)", zu der auch die 3. Brigade gehört. "Duty First - zuerst die Pflicht", zitiert er Pittard zum Ende seiner Ansprache.

Nach der Feier steht der Brigadekommandeur am Ausgang der Kapelle. Den meisten schüttelt der Oberst die Hand. Pittard spendet Trost und klopft dem einen oder anderen aufmunternd auf die Schulter.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.