13.08.2017 - 19:28 Uhr
VilseckOberpfalz

US-Truppen üben im Kaukasus Von Vilseck nach Georgien

Georgien will in die Nato. Seit Jahren kämpfen deshalb Soldaten des Landes an der Seite der Allianz. Nun waren US-Truppen aus der Oberpfalz im Kaukasus zum Üben - und es gibt ein Beistandsversprechen für das Land im russischen Hinterhof.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Vilseck/Vaziani. Hinter den amerikanischen Soldaten aus Vilseck (Kreis Amberg Sulzbach) liegen mehr als 2500 Kilometer in ihren Fahrzeugen und Radpanzern vom Typ "Stryker" mit Flussüberquerungen unter Manöverbedingungen, mit Übungen in Ungarn, Rumänien und Bulgarien, sowie eine Seereise über das Schwarze Meer und schließlich noch einmal gut 14 Tage Manöver im Kaukasus.

An diesem Wochenende ist die vom europäischen Oberkommando geleitete Übung "Noble Partner 2017" mit rund 2800 Soldaten in Georgien zu Ende gegangen. An der Übung nahmen mit den Amerikanern acht Nationen teil. Ein Ziel: eine leichte Infanteriekompanie der georgischen Streitkräfte für ihre Einbindung in die schnellen Reaktionskräfte der Nato (Nato Response Force, NRF) vorzubereiten. Dabei ist Georgien noch nicht Mitglied der Nato, will es aber gern werden. Deshalb sendet Georgien seit mehr als einem Jahrzehnt seine Soldaten in Einsätze der USA und der Nato. In Prizren im Kosovo bewachten sie das deutsche Feldlager, im Irak kämpften sie an der Seite der USA und vor wenigen Tagen fiel ein Soldat aus der Kaukasusrepublik in Afghanistan. Einer von 900, die am Hindukusch im Einsatz sind. Doch obwohl sich die Georgier als Fußsoldaten für den Westen opfern und obwohl ihr Beitrittswunsch im Jahr 2008 auch vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush unterstützt wurde, bleiben sie vor der Tür der Allianz.

Merkel gegen Nato-Beitritt

Das liegt auch an Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte vor neun Jahren eine Nato-Erweiterung ab. Damals war die russische Invasion in Georgien gerade einige Monaten alt. Seither gehören die einstmals georgischen Regionen Abchasien und Südossetien wieder zu Russland. Es wäre nicht klug gewesen, die Nato zum damaligen Zeitpunkt bis an die russische Grenze auszudehnen. Das gilt in den Augen vieler bis heute. Denn den Kaukasus betrachtet die Führung in Moskau als ihren Hinterhof. Dennoch sind diesmal auch deutsche Soldaten bei der US-Übung in Georgien mit von der Partie. Eine Kompanie Infanteriesoldaten mit einigen Radpanzern vom Typ "Boxer".

Neben den Deutschen nehmen Soldaten des russischen Verbündeten Armenien, aus Großbritannien, aus Slowenien, aus der Türkei und aus der Ukraine sowie aus den Vereinigten Staaten teil - und natürlich die georgischen Gastgeber. Der Großteil der US-Truppen kommt aus Standorten in der Oberpfalz: aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) eine Pioniereinheit, die 500th Engineer Company, und aus Vilseck eine Schwadron des 2. US-Kavallerieregiments. Der Kommandeur des Regiments, Oberst Patrick Ellis, nannte die Übung eine Demonstration der Verbundenheit der Vereinigten Staaten und der transatlantischen Allianz mit dem Partner Georgien.

Teil des Säbelrasselns

US-Vizepräsident Mike Pence nahm bei seinem Besuch der amerikanischen Truppen in der georgischen Hauptstadt Tiflis das Thema auf. Er bekräftigte, dass die Vereinigten Staaten auch unter Präsident Donald Trump weiter für ein freies Georgien eintreten würden. Dabei ließ er anklingen, dass aus US-Sicht dazu auch die abgespaltenen Regionen zählen. Zugleich bekräftigte Pence neun Jahre nach dem russisch-georgisch Krieg die US-Unterstützung für einen Nato-Beitritt Georgiens. Eine Kampfansage an Moskau. Zugleich ist sein Besuch ebenso wie die Übung "Noble Partner", die zum dritten Mal und mit so vielen Soldaten wie nie zuvor stattfand, Teil des Säbelrasselns in West und Ost. Entsprechende russischen Übungen sind im September geplant - allerdings in Weißrussland.

Ein Video des georgischen Militärs zur Übung Noble Partner

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