12.02.2018 - 21:42 Uhr
Vilseck

Alkohol- und Gewaltexzesse nach dem Faschingszug in Vilseck Faustschläge gegen Pfarrer Kiefmann

Der Großteil der Faschingsfans in Vilseck feiert am Sonntag friedlich. Einige allerdings übertreiben es - zunächst mit dem Alkohol, dann mit der vermeintlichen Narrenfreiheit: Gewalt ruft mehrfach die Polizei auf den Plan. Am Abend sogar wegen einer Attacke auf Pfarrer Johannes Kiefmann.

Pfarrer Johannes Kiefmann zeigt, wo ihn die Faustschläge trafen: einer unter dem Auge, einer am Hinterkopf. Am Montag litt er noch unter Kopfschmerzen und einer Beeinträchtigung der Sehkraft. Bild: Steinbacher
von Heike Unger Kontakt Profil

(ll/eik) Der katholische Geistliche hatte kurz nach 21 Uhr seinen Wagen in die Garage im Pfarrhof gefahren und wollte gerade ins Pfarrhaus gehen, als ihn ein dunkel gekleideter, größerer und sehr hagerer Mann von der Seite angriff, ihn mit zwei Faustschlägen an den Kopf zu Boden schickte und ihm noch einen Fußtritt verpasste. "Ich habe vor Schmerz geschrien", erinnerte sich Kiefmann am Montagabend im Gespräch mit der AZ. Das Ganze habe sich innerhalb von Sekunden abgespielt. Der Täter sei dann sofort durch das offene Tor in der Pfarrhof-Mauer verschwunden.

Noch unter Schock

Kiefmann verständigte die Polizei und einige Helfer, unter anderem Schwester Apollonia, die seine Prellungen mit Eis behandelten. Am Montag klagte er noch über Kopfschmerzen und ein teilweise getrübtes Sehvermögen. Der Arzt habe ihm Ruhe empfohlen, da bei einer möglichen Gehirnerschütterung auch nach Tagen noch gesundheitliche Folgen möglich seien. "Der Schock sitzt schon noch tief", beschrieb Kiefmann seinen Zustand. "Allein würde ich derzeit ungern im Pfarrhaus wohnen wollen." Ruhestandspfarrer Lothar Kittelberger ist deshalb am Montag nach Vilseck zurückgekehrt.

Schon zuvor hatte es rund um den Faschingszug viel Unruhe und Gewalt gegeben: Für einiges Aufsehen sorgte gegen 16.30 Uhr eine Frau auf der Schlichter Straße. Die Polizei spricht davon, dass sie offenbar nach dem Genuss von Alkohol in eine Depression verfallen war. In diesem Zustand versuchte die Frau, sich mitten auf der Straße mit einem Messer selbst zu verletzen. In Begleitung der Polizei wurde sie vom BRK in ein Krankenhaus eingeliefert. Kurz darauf gerieten sich im Hinterhof eines Lokals, ebenfalls in der Schlichter Straße, zwei Burschen in die Haare: Bierzeltgarnituren flogen, die Polizei wurde zu Hilfe gerufen. Auch in diesem Fall war Alkohol im Spiel.

Die Beamten konnten die beiden Streithähne trennen. Einer der beiden war ihnen gegenüber aber sehr aggressiv und widersetzte sich ihren Anordnungen. Er beleidigte die Polizisten nicht nur, sondern griff sie auch an: Daraufhin wurde er in Gewahrsam genommen und musste die Nacht in einer Arrestzelle verbringen.

"Im Nachgang wird er sich wohl wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten müssen", teilt die Polizei zu diesem Vorfall mit.

Noch während dieses Einsatzes gab es am gleichen Ort eine weitere Schlägerei. Hier gingen zwei Männer gemeinsam auf einen Dritten los und schlugen diesen ins Gesicht, bis er stark blutend und bewusstlos umfiel. Als die Polizei dazwischenging, flüchteten die beiden aus dem Hinterhof, der zu diesem Zeitpunkt voller Menschen war. Einer der beiden Schläger war etwas älter, der andere jünger und mit einer schwarzen Gesichtsmaske verkleidet. Beide waren dunkel angezogen. Das verletzte Opfer wurde vom Rettungsdienst nach Sulzbach-Rosenberg ins Krankenhaus gebracht.

Frau vertreibt den Täter

Gegen 20.20 Uhr ging es in der Vorstadt von Vilseck zur Sache: Ein Unbekannter geriet dort mit zwei jungen Männern in Streit. Einen schlug er ins Gesicht und drückte ihn gegen die Rückwand des Zollhauses. Als ein weiterer junger Mann dem Opfer zu Hilfe kam, ließ der Gewalttäter von diesem ab - schlug dann aber dem Helfer mit der Faust mehrmals ins Gesicht, so dass dieser zu Boden ging. Erst als eine Frau hinzukam und schrie, dass sie die Polizei verständigen werde, flüchtete der Täter. Vermutlich führte sein Weg in Richtung Bahnhofstraße. Der Unbekannte wird als sehr groß und kräftig beschrieben, mit dunklen, kurzen Haaren und dunklem Vollbart. Er trug normale Straßenkleidung, war also nicht faschingsmäßig angezogen.

Zur Ermittlung der Täter setzt die Polizeiinspektion Auerbach auf Zeugen. Sie fragt: "Wer hat Beobachtungen zu diesen Schlägereien gemacht? Wer kann Hinweise auf die Täter geben?" Zeugen sollen sich bei der Auerbacher Inspektion unter 09643/9 20 40 melden.

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