Marco Lettner erzählt von seiner Pilgereise auf dem Jakobsweg
Die einfachen Dinge schätzen lernen

Auf seiner Reise auf dem Jakobsweg traf Marco Lettner viele ganz verschiedene Menschen. Bild: Lettner
Vermischtes
Vilseck
01.09.2017
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Bild: Lettner

Nach 370 Kilometern Fußmarsch sieht Marco Lettner endlich die Kathedrale von Le Puy-en-Velay. Nach 15 Tagen auf einem Teilstück des Jakobswegs ist der 24-Jährige am Ziel.

Wickenricht.  Marco Lettner erinnert sich noch genau an diesen Moment. „Ich war einfach nur glücklich“, erzählt er. Dabei fing eigentlich alles mit einer dahingesagten Bemerkung an. „Ich laufe mal den Jakobsweg“, hatte Lettner 2013 auf einer Wallfahrt nach Gößweinstein gesagt. „Damals wusste ich noch gar nichts darüber“, sagt er. Erst im Anschluss habe er sich mit dem Pilgerweg beschäftigt.

Als erstes Ziel setzte sich Lettner 2014 die Etappe des Jakobswegs von München an den Bodensee. Er teilte die 290 Kilometer lange Strecke auf drei Jahre auf. „Ich hatte anfangs nicht genug Urlaub für die gesamte Strecke“, erklärt er. Gelernt hat der Pilgerneuling während dieser drei kurzen Etappen viel. Zum Beispiel, dass weniger oft mehr ist – zumindest beim Gepäck. „2014 hatte ich Zelt, Schlafsack und Isomatte dabei. Das hab ich dann ganz schnell heimgeschickt“, erzählt Lettner lachend. „Es wird einem bewusst, wie wenig man eigentlich braucht.“ Zur Orientierung: Der Rucksack sollte maximal das Gewicht von einem Achtel des eigenen Körpergewichts haben. Wichtig seien Schlafsack, Wechselklamotten – und gut eingelaufene Schuhe. „Ich empfehle Blasenpflaster einzupacken“, fährt er schmunzelnd fort.

2017 pilgerte Lettner dann in 15 Tagen 370 Kilometer von Genf nach Le Puy-en-Valey in Frankreich. 40 bis 50 Euro hat Lettner am Tag für Unterkunft und Essen gebraucht. „Man bekommt in den meisten Unterkünften viergängige Pilgermenüs für zehn Euro.“ Die Unterkünfte vorher gebucht hat er nicht. „Ich wollte frei entscheiden, wie weit ich an einem Tag laufe.“ Und es hat geklappt – bis auf einmal. „Da haben wir fast kein Bett mehr bekommen, dann hat uns aber eine Frau das Zimmer ihrer Kinder angeboten“, erzählt er. „Uns“, das sind Marco Lettner und der Schweizer „Pim“, den er am ersten Tag kennengelernt hatte.


Ursprünglich war der 24-Jährige alleine losgezogen. „Man geht ganz anders auf die Menschen zu, wenn man alleine unterwegs ist “, erklärt er. Die Gespräche auf dem Jakobsweg seien sehr intim. „Da redet man über Dinge, die man sonst auf offener Straße nicht besprechen würde.“ Die Menschen, die er auf seinem Weg getroffen hatte, seien größtenteils älter als er, aber sehr offen und nett gewesen – wenn auch manchmal skurril. „Ein Botaniker zum Beispiel war barfuß unterwegs, hat immer draußen geschlafen und Kräuter vom Wegrand gesammelt und daraus Tee gekocht.“

„Es war bisher die schönste Strecke“, schwärmt Lettner von der Tour nach Le Puy-en-Valey. Trotz eines Problems: „Ich spreche kein Französisch und habe nichts verstanden.“ Mit Händen und Füßen habe die Kommunikation aber einigermaßen funktioniert. Bis auf einmal: „Wir hatten wahnsinnig Hunger, aber nicht verstanden, was auf der Karte steht. Deswegen haben wir auf gut Glück das Pilgermenü bestellt.“ Schließlich sei das bisher immer recht gut gewesen. Nicht dieses Mal: „Wir bekamen einen undefinierbaren Fleischklumpen, der schrecklich geschmeckt hat.“ Lettner weiß bis heute nicht, was er da probiert hat. „Ente, Huhn, Schwein – ich glaube, da war alles drin.“

Ob er sich nächstes Jahr wieder auf den Jakobsweg macht, weiß Marco Lettner noch nicht. Aber er hat auf seinen bisherigen Pilgerreisen auf jeden Fall die einfachen Dinge zu schätzen gelernt: eine warme Dusche, ein bequemes Bett oder eine schöne Aussicht. „Das sind Dinge, die im Alltag oft untergehen.“
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