06.03.2018 - 20:00 Uhr
Vilseck

Veranstaltungsreihe für Senioren "Seelische Gesundheit im Alter" startet in Vilseck Depression eine Volkskrankheit

"Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - Depressionen im Alter", so lautete das Thema des ersten von vier Vorträgen für Senioren und deren Angehörige. Die Veranstaltungsreihe richtet der Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter (Sega) in den nächsten Wochen in der Burg Dagestein in Vilseck aus.

Dr. Lutz Kiefer (links) referiert in der Burg Dagestein. Mit dabei (von links): Bürgermeister Hans-Martin Schertl, Seniorenbeauftragte Hildegard Ringer und Johann Bauer von der Katholischen Erwachsenenbildung. Bild: zip
von Autor ZIPProfil

Referent war Dr. med. Lutz Kiefer aus Sulzbach-Rosenberg. Er stellte fest, dass Depressionen schwer zu erkennen seien, weil sich ihre Symptome sehr unterschieden. Depressive Menschen träfen oft Aussagen wie: "Ich fühle mich immer müde", oder: "Mich braucht ja niemand mehr". Sie könnten sich zu nichts mehr aufraffen, hätten Angstzustände, seien müde oder litten an Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen, Schwindel, Druckgefühl in der Brust, Appetitverlust, Erschöpfung, Kraftlosigkeit und innerer Unruhe. Fünf Prozent der Gesamtbevölkerung leidet laut Kiefer an Depressionen, bei älteren Leuten sind es gar 20 Prozent. "Jeder vierte bis fünfte Mensch hat im Laufe seines Lebens eine depressive Phase. Man kann die Depression deshalb als Volkskrankheit bezeichnen", informierte der Mediziner. Unbehandelt nehme sie meist einen chronischen Verlauf.

Die Ursachen für eine Depression liegen nach Angaben des Referenten zum Teil in der Vererbung, in strukturellen Hirnveränderungen, äußeren Belastungen wie chronischen körperlichen Erkrankungen, in anhaltenden Schmerzen, fortdauernden Konflikten, Verlustereignissen und vor allem Einsamkeit. "Besonders die Angehörigen sollten Depressive beobachten und ihnen beistehen, sterben doch zehn Prozent der depressiven Menschen durch Suizid, wobei es hier eine hohe Dunkelziffer gibt", appellierte er.

Als Therapie bei Depressionen erscheint Kiefer eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie am sinnvollsten. Die Angehörigen sollten auf jeden Fall mit eingebunden werden. Eine ambulante Behandlung sei meistens ausreichend. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen müssten stationär in einer psychiatrischen Fachklinik behandelt werden. Vor den Medikamenten brauche man keine Angst zu haben, weil sie nicht abhängig machten. Zur Vorbeugung sollte man bis ins Alter aktiv bleiben, soziale Kontakte pflegen und regelmäßig das Seh- und Hörvermögen untersuchen lassen. "Denn wer schlecht sieht oder hört, fühlt sich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, was wiederum zu Depressionen führen kann", warnte der Mediziner.

Was ist Demenz?

Beim zweiten der vier Vorträge für Senioren unter dem Motto "Seelische Gesundheit im Alter" referiert heute um 15.30 Uhr Dr. med. Klaus Gebel aus Sulzbach-Rosenberg in der Burg Dagestein zum Thema "Das Gedächtnis lässt nach - habe ich Alzheimer? Was ist Demenz?". Er geht auch auf die Möglichkeiten der Früherkennung, die Unterschiede zwischen den beiden Demenzformen, deren Verlauf und die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten ein. Veranstalter sind der Verein Sega und die Katholische Erwachsenenbildung Amberg unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Hans-Martin Schertl. Der Eintritt ist frei. Der Zehentkasten ist barrierefrei zugänglich. Auskünfte erteilt Georg Pilhofer vom Sozialpsychiatrischen Zentrum Amberg (09621/3 72 40). (zip)

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