Vilsecker Geistlicher Johannes Kiefmann schildert die Auseinandersetzung um seine Person
Beurlaubter Pfarrer fühlt sich bedroht

Schwester Apollonia Buchinger und Ruhestandspfarrer Lothar Kittelberger (rechts) sind Freunde von Pfarrer Johannes Kiefmann (links), die ihm in den Auseinandersetzungen zur Seite stehen. Bild: Steinbacher
Vermischtes
Vilseck
13.02.2018
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Seit Pfarrer Johannes Kiefmann am Sonntag niedergeschlagen wurde, sieht er die Schmiererei, die vergangene Woche am Pfarrheim auftauchte, mit anderen Augen. Dass er seit Anfang Februar beurlaubt ist, fügt der Geschichte eine weitere Facette hinzu.

 Die Faustschläge und Fußtritte kassierte der 37-Jährige am Sonntag, kurz nach 21 Uhr, im Pfarrhof. Schon vorher hatten Gewalttaten nach dem Faschingszug die Polizei auf den Plan gerufen. Die nahm auch die Attacke auf den Geistlichen auf. Genau wie einige Tage vorher die Schmierereien an der alten Schule, etwa 100 Meter weiter. In dem Gebäude sind Pfarrheim und Schützenheim untergebracht, um die Ecke ist der Jugendtreff.

Auf der Wand zur Kirche St. Ägidius hin prangen am Montag noch - etwa einen halben Meter groß - die aufgesprühten Buchstaben "KUKU BRA" sowie die Zahl "187". Die steht in Rapper-Kreisen für Mord und als eine Drohung, hat Kiefmann recherchiert: 187 ist im kalifornischen Strafgesetzbuch der Paragraf, der sich mit Mord befasst, sowie im US-Polizeifunk der Code für solche Fälle. Dass es tatsächlich als "Zahl des Todes" gemeint war, will Kiefmann nach der Attacke nicht mehr ausschließen.

"Pass auf, Bruder"

Der Auerbacher Polizeichef Manfred Weiß, dessen Dienststelle in beiden Fällen ermittelt, stellt hier keinen Zusammenhang her: "Ich sehe das als Einzeltaten." Was die Beamten herausgefunden haben: "Kukubra" ist ein Album des Rappers Capital Bra von 2016, auf dem es ein Lied mit dem Titel 187 gibt ("wo der Text aber auch in die Richtung geht"). "Kukubra" stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie "Pass auf, Bruder". Woraus einige Vilsecker schließen, dass es eher zum Jugendtreff als zur Auseinandersetzung um Pfarrer Kiefmann passt, weil es solche Graffiti in der Stadt schon seit einigen Wochen geben soll.

Dass der Streit in der Pfarrgemeinde um seine Person Hintergrund der Attacke war, kann Kiefmann sich dagegen sehr gut vorstellen: "Normalerweise werden Pfarrer nicht so angegriffen." Zu den Hintergründen der Auseinandersetzung sagt der Geistliche, er habe im Sommer eine ehemalige Hausangestellte entlassen und sehe sich seitdem Anfeindungen ausgesetzt. Bei einem als klärendes Gespräch angesetzten Treffen habe er sich provozieren lassen und sei laut geworden. Davon kursiere in Vilseck auch eine Aufnahme. Er habe sich im Pfarrbrief für sein Verhalten entschuldigt, "aber danach wurden die unmöglichsten Sachen verbreitet". Dass er eine Urkundenfälschung begangen haben solle ebenso wie der Vorwurf, er habe Geld unterschlagen.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt Kiefmann dazu. "Da ist nichts vorgefallen, die Vorwürfe stehen alle im luftleeren Raum." Doch in der Pfarrei kam es zu Rücktritten von Ehrenamtlichen, etwa in der Kirchenverwaltung. "Sie haben dem Pfarrer nicht einmal die Gründe dafür genannt." Norbert Riha ist Mitglied im Pfarrgemeinderat und empört darüber, wie Kiefmanns Gegner mit dem Geistlichen umgehen. Auch das Verhalten des Generalvikars findet er unmöglich: Der habe Kiefmanns Kritiker empfangen, aber bei ihm, Riha, nicht einmal einen Brief beantwortet, geschweige denn mit ihm gesprochen. Einige Leute wünschten sich wohl die Schlagzeile "Pfarrer in die Nervenheilanstalt abgeschoben". Ja, auch psychische Probleme habe man ihm vorgeworfen, sagt Kiefmann. Er habe deshalb einen Nervenarzt konsultiert, der aber eine Therapie nicht für notwendig halte. Zu den Vorwürfen zähle ferner, dass Schwester Apollonia seit einem Jahr in der Pfarrei zu Gast sei. Die "persönliche Freundin" Kiefmanns wehrte sich einst gegen die Schließung des Klosters Altomünster und gelte einigen Vilseckern als "rebellische Nonne". Ebenso würden die persönliche und private Freundschaft mit dem umstrittenen Ex-Bischof Walter Mixa sowie dessen Besuche in Vilseck gegen ihn ins Feld geführt, sagt Kiefmann. "Er war aber seit dem April 2017 nicht mehr hier." Zudem sei Mixa im Auftrag des Vatikans für Pflegeberufe zuständig gewesen und sei in dieser Funktion vom Phönix-Seniorenzentrum später auch unabhängig von Kiefmann eingeladen worden.

"Ich will bleiben"

Und wie reagierte die Diözese? Sie habe eine Versetzung des Pfarrers abgelehnt, erzählt Kiefmann, ihn aber gefragt, ob er nicht von sich aus zurücktreten möchte. Er wollte nicht. "Sonst ist man fürs Leben beschädigt." Sein Credo: "Ich will bleiben. Es geht aber nicht um das Wohl des Pfarrers, sondern um das Wohl der Pfarrei." Seine Befürchtung: Die Bistumsleitung geht den Weg des geringsten Widerstands und versetzt ihn. "Aber dann hat sie das selbe Problem mit neuen Leuten." Und vielleicht schmissen dann viele, die sich noch in der Pfarrei engagierten, den Krempel hin. Doch die Entscheidungen fallen jetzt nicht mehr in Vilseck; Regensburg ist am Zug.

Die Gründe für die BeurlaubungMan stößt auf wenig Auskunftsfreude, wenn man Fragen zur Beurlaubung von Pfarrer Kiefmann stellt. Dekan Walter Hellauer sagt immerhin, dass er selbst seit Montag als Pfarradministrator für Vilseck und Schlicht eingesetzt sei. Um die Seelsorge vor Ort werde sich Pfarrvikar Hruday Madanu kümmern. Mit den beiden Kirchenpflegern habe er am Dienstag gesprochen, wie es weitergehe. In den Gottesdiensten am Wochenende solle den Gläubigen die Beurlaubung offiziell mitgeteilt werden. Zu deren Gründen allerdings mag Hellauer nichts sagen. Er verweist auf die Pressestelle des Bistums Regensburg.

Deren Leiter Clemens Neck tut sich am Faschingsdienstag aber auch schwer, eine mit den Verantwortlichen abgestimmte Erklärung dazu abzugeben. Schließlich habe das Bistum auch eine Fürsorgepflicht für Pfarrer Kiefmann. Erst am Mittwoch könne er weitere Erläuterungen liefern.

Von den Katholiken aus der Pfarrgemeinde, die gegen Pfarrer Kiefmann sind, ist einer aus der Kirchenverwaltung bereit zu sprechen, falls sein Name nicht genannt wird. Er war in Regensburg bei dem Gespräch mit dem Generalvikar dabei. "Insgesamt waren wir zu elft."

Auch ein Vertreter von Kiefmann sei dabei gehört worden. Dabei sei es einhellige Meinung gewesen, dass es schwerwiegende Gründe gebe, Pfarrer Kiefmann bis zur Aufklärung der Vorwürfe zu beurlauben. "Es liegt an seiner Person."

Am Anfang habe Kiefmann in Vilseck ja gute Arbeit geleistet, aber inzwischen hätten sich rund 70 Prozent der früheren Kirchgänger von ihm distanziert. Eigentlich habe man das Thema nicht so breittreten wollen, aber jetzt gehe es wohl nicht mehr anders. Man wolle in der Pfarrei wieder ordentliche Verhältnisse.

Dass die Pfarrhaushälterin "einen schweren Stand hatte", spricht der Gewährsmann noch an und, ja, dass es auch vielen in der Pfarrgemeinde sowie der Bistumsleitung nicht gepasst habe, dass der umstrittene Ex-Bischof Walter Mixa oft in Vilseck zu Gast war. "Der Generalvikar sieht das sehr kritisch." (ll)
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