09.06.2017 - 12:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Geschichte des Färberhandwerks in Vohenstrauß Schluss mit der Schönfärberei

Das Färben hat in Vohenstrauß eine jahrhundertelange Tradition. Es gibt sogar ein Museum, das momentan aber im Dornröschenschlaf vor sich hin schlummert.

Das Blaufärbermuseum an der Pleysteiner Straße ist seit dem Tod von Besitzerin Jetty Schmucker Ende März geschlossen. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Bild: tss
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Ende März war Jetty Schmucker gestorben. Ihr gehörte das Blaufärbermuseum an der Pleysteiner Straße. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Die Stadt hat kein Interesse, es zu kaufen, sagt Geschäftsleiter Alfons Sier. Er ist aber in dem Haus aufgewachsen und wäre sogar bereit, Führungen zu übernehmen. Aber es komme darauf an, was die Erben vorhaben. Der Heimatkundliche Arbeitskreis will das Gebäude jedenfalls auch nicht übernehmen, erklärt Heiner Aichinger.

Der Vorsitzende hatte im Band 37 der "Streifzüge" die Geschichte der Färber in der ehemaligen Pfalzgrafenstadt beleuchtet. Neben dem Blaufärbern gab es unter anderem auch das Schwarzfärbern, das als besondere Kunst angesehen war, oder das Schönfärbern. Bei Letzterem wurden ausländische Farben bei feinen Stoffen verwendet.

"Das Färben galt im Mittelalter als schmutziges Gewerbe. Die Färber waren ,unrein', weil sie mit übelriechenden Substanzen umgingen, zum Beispiel auch mit Urin", weiß Aichinger. "Färber waren zunächst Lohnarbeiter für Tuchmacher, Gerber, Leinenweber und ähnliche, anerkannte Handwerker. Erst später entstanden eigene Zünfte."

Folgende Färber in Vohenstrauß hat Aichinger nachgewiesen:

Veit Dobmeier erwarb 1668 am Unteren Markt das Anwesen mit der heutigen Nummer 37 und übte darin das Handwerk aus. Nach seinem Tod war seine Witwe Haus- und Gewerbeinhaberin. Das Färben wurde dort bis 1990 betrieben, bis 2006 war darin noch eine chemische Reinigung.

Von 1675 bis 1700 wird im "Kürschner"-Haus, Friedrichstraße 9, die Färberfamilie Hutzler genannt.

1714/1715 gab es Georg Dobmeier als Schwarzfärber. Er kaufte 1735 das Haus an der Bahnhofstraße 5 und siedelte 1749 in die Pfarrgasse um.

Von 1714 bis 1859 war die Familie Bibel als Schwarz- und Schönfärber im Haus am Marktplatz 22.

Franz Stephan Dobmeier war 1759 als Färber am Unteren Markt 37 tätig.

Johann Leonhard Dobmeyer übernahm das "Kürschner"-Haus und arbeitet dort bis 1785.

Um 1793 ist Joseph Dobmeyer als Nachfolger am Unteren Markt ansässig. Die Familie übt dort das Färberhandwerk bis 1837 aus.

1861 arbeitet Georg Graf als Färber im Haus an der Pleysteiner Straße 5, dem heutigen Museum.

Ausführlicher beschäftigt sich Aichinger mit der Färberfamilie Ries. 1848 zog Johann Ries aus Roding nach Vohenstrauß und führte im Haus am Marktplatz 37 die Leinenfärberei und -druckerei der Familie Dobmayer weiter. Ihm folgte sein Sohn Karl Ries nach. Er war auch Bürgermeister. Dessen Sohn Otto Ries kam am 10. Februar 1902 zur Welt und leitete ab 1928 das Geschäft der Eltern. 1937 übernahm er es. Ab 1952 gehörte er auch dem Stadtrat an. Von 1956 bis 1966 war er zweiter und danach bis 1972 erster Bürgermeister. 1971 übergab er den Betrieb an seinen am 21. Oktober 1939 geborenen Sohn Hans Ries . 2006 war dann Schluss, das Färben wurde schon 1990 eingestellt,

"Es waren die inzwischen sehr streng gewordenen Umweltauflagen sowie die industrielle Fertigung moderner Stoffe, die ihn zur Berufsaufgabe zwangen. Über 300 Jahre hatte aber das Handwerk dort eine Heimat", schließt Aichinger.

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