16.05.2018 - 11:38 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Demokratie immer verteidigen

200 Jahre bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat Bayern: Für Bürgermeister Uli Münchmeier ein Jubiläum, das verpflichtet

Stellvertretender HAK-Vorsitzender Peter Staniczek (rechts) und Bürgermeister Uli Münchmeier (Zweiter von links) freuen sich über den lokalen Bezug der Ausstellung zum Thema "200 Jahre bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat Bayern" im Heimatmuseum.
von Elisabeth DobmayerProfil

Peter Staniczek hat die wohl kürzeste Rede seines Lebens gehalten. „Wir feiern Bayern“, sagte er bei der Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum. Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) und Kreisheimatpfleger erntete für seine Worte viel Beifall: Er verwies damit auf die erstmals einem kleinen Kreis ausgewählter Gäste präsentierte Ausstellung und das Doppeljubiläum „200 Jahre bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat Bayern“.

Zuvor war HAK-Vorsitzender Heiner Aichinger auf diese Anlässe eingegangen: Ausnahmsweise denke man beim Wort „Bayern“ einmal nicht an den erfolgreichen Fußballclub oder an König Ludwig II. Gern habe der Arbeitskreis die Anregung des Verbands der Bayerischen Geschichtsvereine aus dem Jahr 2016 angenommen und diese Ausstellung umgesetzt. Die Verantwortlichen hoffen auf den Besuch vieler Schulklassen in den kommenden Wochen.

Bayern ist vor 200 Jahren ein moderner Verfassungsstaat geworden. Die Verfassung vom 26. Mai 1818 war nach der Konstitution des Königreichs Bayern von 1806 eigentlich schon die zweite Verfassung und bestätigte nur die Grundrechte der Bevölkerung. "Bayern war damit das achte Land im Deutschen Bund, das sich eine Verfassung gönnte“, sagte Aichinger. Zwar hatte König Max I. Joseph beide Statute
einseitig erlassen, aber er legte einen Eid darauf ab, sich an die darin verankerten Freiheits- und Gleichheitsrechte der Bürger gebunden zu fühlen. „Das war das Neue daran“, betonte der Vorsitzende. "Es gibt Regeln, an die sich auch der König halten muss. Die Verfassung gewährt auch die Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit, erweiterte Meinungsfreiheit und Zugang zu den Staatsämtern nach Befähigung statt nach gesellschaftlichem Stand." König Max I. Joseph gelte zusammen mit seinem Minister Graf Maximilian von Montgelas zurecht auch als Schöpfer des modernen bayerischen Staates.

Anschließend ging es noch um die Gründung des Freistaats vor hundert Jahren. „Eine neue Zeit hebt an! Bayern will Deutschland für den Völkerbund rüsten", zitierte Aichinger. "Die demokratische und soziale Republik Bayern hat die moralische Kraft, für Deutschland einen Frieden zu erwirken, der es vor dem Schlimmsten bewahrt. Es lebe die bayerische Republik! Es lebe der Frieden! Es lebe die schaffende Arbeit aller Werktätigen!“ Diese Zeilen stammen nicht etwa aus Ministerpräsident Markus Söders Regierungserklärung sondern aus der Proklamation des Freistaates vom 7./8. November 1918 durch Kurt Eisner von der Unabhängigen SPD.

Leider ist nicht alles so in Erfüllung gegangen, wie man sich das damals erträumt hatte. Der Versailler Vertrag wurde härter als befürchtet, Eisner bald ermordet und es kam nach dem Kieler Matrosenaufstand auch in Bayern zu schweren Unruhen und die Regierung floh samt Landtag nach Bamberg. Ab 31. März 1933 nach dem sogenannten Gleichschaltungsgesetz ohnehin obsolet, wurde sie durch die Nationalsozialisten mit dem Reichsneuaufbaugesetz vom 30. Januar 1934 auch formell aufgehoben, informierte Aichinger. Eine demokratische Fortsetzung gab es erst wieder 1949. Details können Besucher im Heimatmuseum voraussichtlich bis Dezember erfahren und nachlesen. Bürgermeister Uli Münchmeier begrüßte die Entscheidung zu dieser Ausstellung. Er appellierte an alle, Demokratie zu erneuern und dafür fest einzustehen. Darüber müssten auch Schüler immer wieder aufgeklärt werden. „Wir dürfen nicht vergessen, was sich Generationen vor uns hart erarbeitet haben.“ Der Populismus greife heute wieder in allen Parteien um sich, warnte der Bürgermeister. Bei einem Glas Wein und Snacks sahen sich die Besucher anschließend in aller Ruhe um.

Wir dürfen nicht vergessen und aus dem Blick verlieren, was sich Generationen vor uns hart erarbeitet haben.

Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier

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