13.11.2017 - 17:04 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Das Arte Ensemble Hannover trotzt Schnee und Sturm mit Haydn, Mozart, Spohr und Schubert: Die Sommers bringen den Winter

Von Peter Donhauser

Von links nach recht: Kathrin Rabus, Maria Graf, Albert Sommer, Ute Sommer, Theresia Stadlhofer, Christian Pohl, Christoph Renz
von Peter K. DonhauserProfil

Vohenstrauß . Zum 29. Mal musiziert das Ensemble vor Ort. Ungewohnt: Der hier gebürtige Albert Sommer (Organisator) und seine Frau Ute haben den ersten Wintereinbruch im Schlepptau, er kostet ein paar rutschunsichere Zuhörer. Wegen Umbauten wird das Konzert vom Rathaussaal in die Realschul-Aula verlegt, ein Glücksgriff: Man kommt, parkt, sieht und hört bestens, das größere Raumvolumen mit seiner guten Akustik rückt das Ensemble ins mildes Klanglicht. Für 2018 zum 30. der Wunsch: "Doubleibm!"

Harfenzauber

Interessante Programme haben hier Tradition: Diesmal trägt Maria Graf erwartungsvolle Spannung auf die Bühne. Prima: Mit Charme und Liebe stellt sie die Klang- und Spielmöglichkeiten der Harfe vor und garniert ihre Rede locker vom Hocker mit Beispielen aus der Musikgeschichte. Mit Dramatik, Leidenschaft aber auch Innigkeit zaubert die "Harfengräfin" dann bei der Fantasie c-Moll op. 35 von Louis Spohr staunenswerte Farben in die Aula.

Als weiteres Solo nach der Pause die Clavier-Sonate D-Dur Hob XVI von Haydn. Verblüffend, wie direkt, wie bewegend sie gerät, wenn sie "handmade" gespielt wird, Finger an Saite, ohne die Maschinerie der Klaviermechanik dazwischen, als würde ein direkter Draht zwischen Emotion und Klang geflochten.

Zu Beginn dürfen aber erst einmal die fünf Streicher alleine an die Pulte, beim Jugend-Geniestreich des 16-jährigen Mozart, dem Divertimento KV 136. Sie spielen es locker pulsierend, zwischen den Stimmen herrscht lebendige Kommunikation ohne pubertäre Ausfälle. Wie Wolfgang Amadeus da zwischen Licht und Schatten, Freude und Beklommenheit wechselt, das lässt aufhorchen. Primaria Kathrin Rabus führt mit luftigem, nie klebrigem Bogenstrich, Theresia Stadlhofer steuert souverän die nicht immer dankbaren schnellen Sechzehntel bei. Zuverlässige Sicherheit strahlt Bratschist Christian Pohl aus, Ute und Albert Sommer liefern schlanke Bässe in 8'- und 16'-Lage.

Haydns Uhrenkunst

Bei den Schubert-Impromptus und "Moments Musiceaux" (original für Hammerklavier) in der Bearbeitung von Jean Françaix treten der virtuos und klanglich homogen integrierte Flötist Christoph Renz und die Harfe hinzu. Drei statt fünf Sätze wären genug gewesen, die Arrangements rücken die Stücke überraschenderweise in Richtung eines Biedermeier-Stilllebens wie bei Musik von Joseph Lanner.

Zum Ereignis wird die finale Haydn-Sinfonie D-Dur mit dem Beinamen "Die Uhr", sie darf im Andante gut geölt fast auf den Punkt mit 60 Achteln pro Minute ticken. Wir erleben das Opus faszinierend transparent: Schier kann man die Muskeln, Sehnen und Adern unter der Haydn-Haut erahnen, das Arte Ensemble spielt inspiriert, mit Wärme ebenso wie mit feinem Humor und Geist.

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