12.03.2017 - 20:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Ehemaliges Modehaus Hölzl bietet als Brache eine ausgezeichnete Kunstkulisse Ulrich Wirner stellt Werke aus

Viele Besucher beschreiten am Samstag ein Marschland und machen es noch fruchtbarer als bisher. Sie erleben Bilder eines politischen Menschen, die viele Geschichten erzählen.

von Elisabeth DobmayerProfil

Mit der Uraufführung der "Syrischen Fuge", einem Stück, das viel mit Geld, Grenze und vielleicht auch mit Gott zu tun hat, eröffnete im ehemaligen Modehaus Hölzl Martin Reber mit dem Cello die Vernissage "Marschland". Es ist ein Stück über einen jungen Flüchtling aus Syrien, dem der Weidener im vergangenen Jahr begegnet war und der als Einziger seines Bootes die Passage über das Mittelmeer überlebt hat. Reber schrieb das Stück extra für diese Ausstellungseröffnung, informierte sein Bruder Heiner, der diese Kunstausstellung mit seinem Schulfreund Ulrich Wirner organisiert hat.

Marschland ist das Land unmittelbar an der Küste. Schwemmland, das durch harte Arbeit über Jahrzehnte zu fruchtbarem Boden gemacht wurde. Durch gemeinsame Entwässerung, durch die gemeinsame Arbeit der Bauern an der Nordsee, wird aus einer unwirtlichen Umgebung neue Heimat. Ein Land voller Möglichkeiten. "Deshalb ein gutes Motto für die Ausstellung", fand Heiner Reber, der sich über die vielen Besucher freute, unter ihnen auch Hausherr Georg Wolf.

Verteilt auf beide Stockwerke, zeigt Wirner 100 Bilder, die sich mit den vorhandenen Tapeten und Teppichen aus den 60er Jahren einen imposanten Wettstreit liefern. "Marschland - Gott. Das Geld. Die Grenze und Gulasch", betitelte der Künstler seine Schau. "Im besten Fall glaube ich, vermögen Kunst, Bilder, Gedichte, Lieder und Liebe uns etwas über die Welt zu erzählen, etwas von der Welt zu erklären, in der wir leben."

Grenzen und Gulasch

Viele Exponate entstanden während seines Stipendiums im ungarischen Szolnok als "Art in Residence". Während dieser Zeit im vergangenen Jahr "wollte oder musste" er als Fremder in einem fremden Land mit den wunderbaren Menschen in der Künstlerkolonie über Werte, Nation und Identität, über Gott und die Welt, Geld, Grenzen und Gulasch reden, diskutieren, streiten. Anhänger oder Verkünder von Gott, Geld und Grenzen seien überall und immer zu finden, meinte Wirner.

Im schönen Ungarn konnte es der gebürtige Weidener deutlich sehen: den protzenden Reichtum, die Straßen verstopft von sinnfreien, tonnenschweren Geländewagen. Und in der Dämmerung: die Bewohner aus dem Schatten, die ihr Essen in den Mülltonnen suchen müssen, die aus den öffentlichen Aschenbechern Zigarettenkippen sammeln oder Pfandflaschen, die drei Cent bringen. Den damit verbundenen Zwiespalt fühlte der Künstler wie eine dunkle Ahnung. "Eine dunkle Ahnung der Schizophrenie und Ironie, die zwischen dem tatsächlichen Zustand der Welt liegt."

Zwei Konzerte

Die Ausstellung "Marschland - Gott. Das Geld. Die Grenze und Gulasch" ist bis Sonntag, 19. März von 18 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Am Freitag, 17. März, um 19.30 Uhr, findet ein Kurzkonzert von "Granny Is Back" und am Samstag, 18. März, um 19 Uhr, von "Strompost" statt. Der Eintritt ist ebenfalls kostenlos. Am Sonntag, 19. März, ist von 19 bis 21 Uhr Finissage. (dob)

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