20.08.2012 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Sehenswerte Ausstellung in der Friedrichsburg - "Als das böhmische Glas nach Vohenstrauß kam" Sogar Service für persischen Schah

"In jedem Glas ist der Hauch einer Glasmacherseele." Dass dieses Zitat stimmt, davon können sich die Besucher bei einer sehenswerten Ausstellung im ersten Stock der Friedrichsburg zum Thema "Als das böhmische Glas nach 1946 nach Vohenstrauß kam" überzeugen. Gleichzeitig präsentiert der Vohenstraußer Künstler Klaus Bäuml "Alte un(d) bekannte Arbeiten" in einer Werkschau.

Auf den Spuren der Glasindustrie können die Besucher bei der Ausstellung "Als das Böhmische Glas 1946 nach Vohenstrauß kam" wandeln. Von links: Hanns Meltzer, Karl Voitenleitner, Doris Kunze, Martin Voitenleitner, Ingrid Voitenleitner, Lutz Umlauf, Anneliese und Walter Rösler und Norbert Schwartz. Bild: dob
von Elisabeth DobmayerProfil

"Warum sollen Bilder eines weitgehend unbekannten Künstlers nur ein einziges Mal in seinem Leben ausgestellt werden?", hinterfragte Bäuml im Beisein zahlreicher Ehrengäste am Freitagabend. Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK), Peter Staniczek, ging zuvor auf das doppelte Ereignis zum Jubiläum "100 Jahre Wiedererhebung zur Stadt" ein. Im Zuge des Kunst- und Kultursommers werde das Jubiläum auch im Schloss Friedrichsburg mit einem vielfältigen Angebot gefeiert.

Viele Helfer

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Vohenstrauß zum Zentrum der Hohlglasveredelung, denn aus den böhmischen Glaszentren vertriebene Facharbeiter siedelten sich an. Hauptsächlich wurden Glasprodukte nach böhmischer Art kunstvoll geschliffen oder bemalt. Bereits eine im Sommer 2011 im Heimatmuseum gezeigte Glasausstellung, die hauptsächlich die Füger-Glasveredelung in den Fokus gestellt hatte, stieß auf großes Interesse. Deswegen konzipierte Karl Ochantel vom HAK nun eine weitere Ausstellung im Schloss.
In Heiner Aichinger, Reiner Claußen und Rudi Großmann fand er fleißige Helfer, die tagelang die Präsentation formten. Die Ausstellung wäre aber nicht möglich geworden, hätten nicht sieben aktive und ehemalige Firmenvertreter Objekte zur Verfügung gestellt, dankte Staniczek. Karl und Ingrid Voitenleitner von "Mehr & Co.", Lutz Umlauf von der Firma Taube, Rudolf und Doris Kunze sowie Walter Rösler waren von den noch bestehenden Betrieben vertreten. Nicht mehr aktiv sind dagegen die Firmen Karl Schwartz, deren Leihgaben Sohn Norbert zur Verfügung stellte. Von der Firma Ludwig Meltzer & Co. überließ Hanns Meltzer leihweise Ausstellungsstücke genauso wie von Füger & Taube, deren Werke aus dem Heimatmuseum stammen, und die Leihgaben von den Familien Zahn und Ochantel kommen von der Firma Steiner & Vogel.

Zwei Farbthemen für jeden

Die Firmen bemühten sich, auch Anschauungsmaterial zu liefern, die zur Herstellung der Gläser nötig waren, wie Glasmacherpfeife, Kupferrädchen, große Schleifscheiben und Holzmodel (Firma Mehr), Reifelmaschine (Firma Rösler), den Werdegang vom geblasenen Haubenglas zum säurepolierten Fertigprodukt (Heimatmuseum und Firma Kunze) oder Gravurrädchen und Politurscheiben von der ehemaligen Firma Schwartz.
"Jeder Firma wurden zwei Farbthemen zugeordnet", erläuterte der Vorsitzende. Die Firma Rösler zeigt klares Bleikristall im Parisschliff und Überfang smaragdgrün in der Vitrine. "Mehr & Co". präsentiert Kobaltblau und Rotätze, Kunze dagegen bietet Überfang in Goldrubin und Bernstein, Füger & Taube stellt Rohglas, Craquele und Eisglas aus und Meltzer die Themen Trinkgläser und Maler der 50er Jahre. Steiner & Vogel steuerte Malereien in Gold auf Kupferrubin und auf Weiß bei, und Schwartz nennt die Namen der Verkaufsserien des Bleikristalls zum Beispiel Milano, Mosel und Iris.

Drei Wochen geöffnet

Ergänzt wird die Schau um eine Vitrine mit Malutensilien des Glasmalers Friedrich Zahn und eine Vitrine mit den Rohstoffen des Glases (Quarz, Flussmittel wie Pottasche/Soda und Kalk; zum früheren Geheimrezept der Glasherstellung gehörten auch Schneckenhäuschen).

Den Gästen bot sich beim Rundgang ein interessanter Einblick ins Thema "Als das böhmische Glas 1946 nach Vohenstrauß kam". Zu sehen ist unter anderem auch ein Service in Kupferrubin für den Schah von Persien anlässlich der Krönung von Farah Diba (26. Oktober 1967) des Malers Friedrich Zahn in einer Barockmalerei der Firma Steiner & Vogel.

Stadtrat Hans Gösl überbrachte die Glückwünsche der Stadt. HAK-Vertreter, Künstler und Glasfirmen hätten viel Zeit für die Ausstellung aufgewendet, anerkannte Gösl. Drei Wochen lang können sich die Besucher von der in der Stadt damals wichtigen Glasindustrie gefangen nehmen lassen. Geöffnet ist die Schau täglich außer Montag von 14 bis 17 Uhr.

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