02.08.2013 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vor zehn Jahren starb Josef Pausch Motor der Burgfestspiele Leuchtenberg und der Stadtbühne Vohenstrauß

Als Schauspieler brillierte Josef Pausch in etlichen Rollen, hier als Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug". Bild: LTO
von Redaktion OnetzProfil

The Show must go on - die Show muss weitergehen. Selten hat jemand die Bedeutung des Satzes so auf die Spitze getrieben wie Josef Pausch: Am 2. August 2003, mitten in den Schlussproben des Musicals "Linie 1" auf Burg Leuchtenberg, brach der leidenschaftliche Schauspieler, Regisseur und Intendant plötzlich zusammen. Am Tag darauf, im Regensburger Klinikum, beharrte er darauf, dass die Premiere um jeden Preis stattfinden solle. Dann starb er, gerade einmal 48 Jahre alt. Seine letzte Anweisung wurde befolgt: Die "Linie 1" fuhr planmäßig ab. Auch seine Tochter Gabi und sein Sohn Johannes spielten damals tapfer ihre Rollen im Ensemble. Alle gaben ihr bestes, gaben ein letztes Mal alles - für Josef Pausch.

Theater als Mittelpunkt

Nun kann man den Verlust eines Menschen noch am ehesten verkraften, wenn man auf das blickt, was er hinterlassen hat, und feststellt: Es hat Bestand. Und Pausch hat offenbar ein kostbares Erbe hinterlassen: "Er hat Theater in der Region in einem großen Radius bekanntgemacht", sagt sein langjähriger Weggefährte Christian Höllerer. "Die Zuschauer kamen plötzlich von sehr weit her - das hat es vorher nicht gegeben."
Höllerer und Pausch kannten sich seit ihren Realschultagen 1972, spielten später in der Stadthalle Vohenstrauß Theater unter der Federführung des Lehrers Jürgen Weichselbaum. Nach etlichen Schwänken kam mit "Arsen und Spitzenhäubchen" das erste anspruchsvollere Stück auf die Bretter - und die Ambitionen wuchsen. Beim Bier im Vohenstraußer Wirtshaus Behringer wurde man sich 1981 mit dem Leuchtenberger Bürgermeister Hermann Lindner schnell einig: Festspiele auf der Burg mussten her. "Josef und ich haben das aus eigener Tasche vorfinanziert", erinnert sich Höllerer, "mit dem Rest der Einnahmen als Grundstock haben wir die Stadtbühne Vohenstrauß gegründet."

Der gelernte Fernsehtechniker Pausch arbeitete einige Jahre in der Arbeitsvorbereitung bei Grundig in Vohenstrauß, später bei Kennametal in Nabburg. Anfang der 90er Jahre entschied er sich, für das Laientheater seinen Job aufzugeben. "Ich bin mir sicher, er hätte eine große berufliche Zukunft gehabt", sagt Höllerer, "aber für ihn war das Theater der Mittelpunkt seines Lebens." Und als Theatermacher sei Pausch nicht zu bremsen gewesen: "Er blickte nicht nach links und nicht nach rechts, immer nach vorn."
Genau so lernte ihn auch Matthias Winter kennen: "Ich war fasziniert von der Tatkraft und der unglaublichen Energie, die von Josef ausging", sagt er. "Kompromisslos ging er eingeschlagene Wege zu Ende." Winter beerbte Pausch 2003 als Intendant der Stadtbühne, aus der 2010 das Landestheater Oberpfalz hervorging. Winter, der 1991 im Volksstück "Der Geisterbräu" bei den Burgfestspielen Leuchtenberg anfing, erinnert sich an eine von Pauschs Devisen: "'Probleme sind zum Lösen da!' - so hat er sich immer verhalten und das zur Maxime seines Handelns gemacht." Er habe allen gezeigt, was mit Leidenschaft möglich ist. "Josef war ein großer Oberpfälzer und Visionär. Seine Lebensleistung ist es, Theater aus der Oberpfalz in der Oberpfalz salonfähig gemacht zu haben."

"Ein großes Vorbild"

Winter glaubt, dass Pausch heute auf die Entwicklung seiner Theatertruppe durchaus stolz wäre. "Er hat mir nachts nach einer Probe mal gesagt, die Blüte der Stadtbühne komme erst nach ihm, er könne nur die Basis schaffen. Das hat er getan - und wie." Kritischer sieht das der heute 27-jährige Sohn von Josef Pausch: "Ich denke, er wäre nicht stolz auf das, was aus seiner Stadtbühne geworden ist", meint Johannes Pausch. Aus dem Laienspielverein sei ein Unternehmen geworden, die Menschlichkeit sei dabei mehr und mehr auf der Strecke geblieben. "Das ist auch der Grund warum sich meine Familie inzwischen ganz aus dem Verein zurückgezogen hat."
Was Johannes Pausch bleibt, sind die Erinnerungen an den Vater. "Das Besondere an ihm war für mich sein herzlicher Umgang mit seinen Mitmenschen. Er konnte sie für seine Ideen begeistern." Auch Johannes, der mit neun Jahren in "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" erstmals in Leuchtenberg spielte, glaubt, dass von Josef Pauschs Vermächtnis heute die gesamte Region profitiert. Zusammen mit den Mitbegründern der Stadtbühne habe er maßgeblich zur Entwicklung eines reichhaltigen Laienspielangebots beigetragen. Was aber noch viel wichtiger ist: "Als Regisseur und Vater war er für mich immer ein großes Vorbild."

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