Autor Jörg Maurer stellt seinen neuesten Alpenkrimi "Unterholz" bei Lesung vor
"Knöcherlputzer" auf der Alm

Mit "musikkabarettistischer Lesung" ist nur unzureichend beschrieben, was Autor Jörg Maurer rund 190 Zuhörern in der Buchhandlung Rupprecht bot. Die Vorstellung seines neuesten Alpenkrimis "Unterholz" garnierte er am E-Piano mit teils aberwitzigen musikalischen Fingerübungen. Bild: rt
Lokales
Vohenstrauß
16.04.2013
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Jörg Maurer aus Garmisch-Partenkirchen ("gefährlich nah an der Grenze zu Österreich") hat zwar schon fünf Regionalkrimis geschrieben, Erfinder des Genres ist er aber nicht. Das Werk "Tod in Davos" von Thomas Mann warf der Verlag 1924 wegen des etwas umständlichen Titels als "Zauberberg" auf den Markt. Schon 1866 kam "Tod in St. Petersburg" von Dostojewski heraus, besser als "Schuld und Sühne" bekannt. Noch früher, im Jahr 1856, schrieb Gustave Flaubert "Tod in Rouen", also "Madame Bovary".

Mit diesen schrägen und kuriosen Einfällen stellte sich Maurer bei einer Lesung in der Buchhandlung Rupprecht rund 190 Literaturfreunden vor. Sein neuestes Buch "Unterholz" mit Kult-Ermittler Hubertus Jennerwein handelt im Kern von Abgründen einer Ehe und einem Fortbildungsseminar für Auftragskiller auf der Wolzmüller-Alm. Aber auch vom Werdenfelser Land, seiner Heimat und dem Schauplatz seiner Bücher.

Berge und Gehölz

Zwischen Bergen und Gehölz im Loisachtal" jodelt und schmettert er dann voller Inbrunst und begleitet sich selbst am E-Piano. Für den Vollblutkabarettisten und genialen Musiker hat das alles aber eher weniger mit Alpenromantik und Murmeltier-Idylle zu tun, sondern mit der Lust am tiefschwarzen und durchaus skurrilen Humor. Und so schafft er mühelos den Spagat zwischen Chopin, einem Trauermarsch und der Beerdigung von Hans Albers. Oder er widmet ein Lied ganz allein blutigen Tatwerkzeugen aus dem Baumarkt.
"Der dünne Stahldraht um seinen Hals zog sich ruckartig zusammen." So atemberaubend beginnt der nach "Föhnlage", "Hochsaison", "Niedertracht" und "Oberwasser" fünfte Krimi Maurers. Ein etwas anderer Einstieg hätte aber durchaus so lauten können: "Mitten im grünen Wald, liegt ein Mann, tot und kalt, Juchhe."

Kaum einer der begeisterten Zuhörer dürfte wohl auch gewusst haben, dass es 50 verschiedene Bedeutungen von Unterholz gibt. "Ein Gut Unterholz", wie in Keglerkreisen üblich, ist nur eine davon.

Schon schafft Maurer wieder den Sprung zurück in eine bedrohliche Stimmung, wenn da droben auf der Alm eine Leiche gefunden, wird, an deren Gesicht als "Knöcherlputzer" bekannte Käfer schon ganze Arbeit geleistet haben. Und noch etwas ganz Außergewöhliches leistet sich Maurer zum Abschluss. Ohne eine Miene zu verziehen, verrät er den Schluss seines Buches, der da lautet: " Oh je, das hätte ich nicht gedacht."

Von Rumba bis Ragtime

Nach diesem Kalauer musste Maurer unbedingt eins draufsetzen und spielte das Pink-Panther-Thema rauf und runter in den verschiedensten Stilen von Rumba bis Ragtime.
Als Geschenk für Buchhändlerin Maria Rupprecht erzählte er noch die Weihnachtsgeschichte. Allerdings so, wie sie der legendäre Autor der schwarzen Serie im amerikanischen Kriminalroman, Raymond Chandler, verfasst hätte: knallhart und eben zum Schreien komisch.

Wen wundert's da noch, dass laut Maurer das bekannte "Love me Tender" von Elvis Presley eigentlich aus dem Werdenfelser Land stammt. Was er dann auch spielerisch beweist.
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