01.09.2014 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Der Sachverständige Stefan Hartwig erklärt im NT-Interview, was beim Suchen zu beachten ist "Nur Pilze nehmen, die man kennt"

Ein Waldspaziergang mit Stefan Hartwig kann durchaus etwas länger dauern. Er entdeckt nämlich viele Dinge, die einem normalerweise verborgen bleiben. Denn der Vohenstraußer ist geprüfter Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM). Im NT-Interview erklärt er uns, was er von der bisherigen Schwammerlsaison hält und was beim Suchen alles zu beachten ist.

Momentan sprießen die Speisepilze. Auch die 88-jährige Maria Putzer aus Kleinschwand hatte großes Schwammerlglück. Sie fand neun kerngesunde Rotkappen und einen Steinpilz. Zum Transport musste ihre Jacke herhalten. Einen Teil hatte sie sich als Mittagessen zubereitet, der andere Teil landete im Kühlschrank. Bild: es
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Wie war bisher die Pilzsaison?

In der ersten Augusthälfte war es sehr mäßig, weil es zu trocken war. Ab Mitte des Monats kam dann der Regen und die meisten Speisepilze begannen stark zu sprießen. Die Pilzsaison ist jetzt voll im Gange.

Welche Pilze sind momentan am häufigsten zu finden?

Es gibt eine große Vielfalt an Steinpilzen, Maronen und Pfifferlingen - das sind die klassischen Pilze, die die meisten kennen.

Was raten Sie unerfahrenen Pilzsammlern?

Man sollte nur Pilze nehmen, die man kennt, außerdem keine schimmligen oder zu alte Pilze. Die Schwammerl auch niemals in Plastiktüten oder Eimern sammeln, sondern in einem luftdurchlässigen Korb. Wer Pilze nicht kennt oder sie kennenlernen möchte, kann einfach zu mir kommen, mich anrufen oder eine E-Mail schicken, Telefon 09651/916075 oder stefan-hartwig[at]svtp.de[dot] Man darf Pilze übrigens nur für den Eigenbedarf sammeln, sie dürfen nicht verkauft werden. Dazu ist eine amtliche Lizenz nötig, die aber bei Sorten, die unter das Bundesartenschutzgesetz fallen, nicht gilt.

Wie oft kann oder sollte man Pilze essen?

Der Gesetzgeber sagt: Wegen der radioaktiven Belastung ein Mal pro Woche nicht mehr als 250 Gramm Frischpilze. Ich sage: Wenn Pilzsaison ist, kann man auch mehr essen.

Warum?

Die radioaktive Belastung ist im Vohenstraußer Raum weit unter dem Grenzwert. Weiter südlich, Richtung Landkreis Schwandorf, wird es etwas schlimmer. Aber auch dort sind die Pilze noch unter dem Grenzwert. Pfifferlinge und Steinpilze sind wenig belastet, Maronen etwas mehr.

Wie schmecken Pilze am besten?

Ich blanchiere sie. Wenn man sie aufheben will, kann man sie trocknen oder einfrieren. Außer Pfifferlinge, die werden dann bitter. Der Steinpilz entwickelt die meisten Aromen, wenn er getrocknet wird. Man kann Pilze aber auch in einen Sud einlegen, wie Essiggurken.

Am Samstag, 6. September, leiten Sie in Moosbach wieder eine Pilz-Exkursion. Wie läuft das ab?

Wir treffen uns um 10 Uhr am Rathaus, dann geht es in ein Waldstück. In eineinhalb Stunden gebe ich einen Gesamtüberblick, was es alles im Wald gibt. Ich erkläre die Pilze natürlich, und dann können die Teilnehmer sie sammeln. In den vergangenen Jahren waren unter den rund 30 Leuten auch immer mehr Einheimische, das Interesse an Pilzen ist also da. Anmeldung ist in der Moosbacher Gäste-Information, Telefon 0965/6920217, möglich.

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