29.05.2013 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Ehemaliges Weißes Brauhaus hat eine bewegte Geschichte hinter sich - Seit 2007 "d'Eisenbahn" Auf Zoigl-Zug aufgesprungen

Bei Weizen aus Vohenstrauß fällt einem zunächst wohl automatisch der Name Behringer ein. Doch der taucht erst 1898 auf. Die Wurzeln reichen aber viel weiter zurück. Denn das 1707 gebaute Weiße Brauhaus war die erste Weißbierbrauerei in der Pfalzgrafenstadt. Heute ist in dem Gebäude an der Bahnhofstraße die Zoiglwirtschaft "d'Eisenbahn" untergebracht.

Das Weiße Brauhaus ist - abgesehen von der Friedrichsburg - das älteste Gebäude in Vohenstrauß. Vor allem die Rückseite, von der Straße aus nicht einsehbar, ist wegen ihres Fachwerks einzigartig. Bild: tss
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Braunes Bier durfte bereits Anfang des 17. Jahrhunderts gebraut werden, 1842 gab es noch 181 Brauberechtigte, schrieb Heiner Aichinger in seinem Aufsatz "Braunes und weißes Bier in Vohenstrauß - Baudenkmäler der Stadt" in Band 17 der "Streifzüge" des Heimatkundlichen Arbeitskreises aus dem Jahr 1996. "Schade, dass dem Vohenstraußer Braunbier nicht die gleiche Renaissance widerfuhr wie dem Windischeschenbacher Zoigl", bedauerte der Autor damals.

Mit großem Erfolg

Da konnte er ja nicht wissen, dass Vohenstrauß 11 Jahre später doch noch auf den Zoigl-Zug aufspringen würde. Denn seit Ende März 2007 betreiben Jürgen Schittenhelm und seine Ehefrau Annett im früheren Weißen Brauhaus die Stube. Mit großem Erfolg, weiß Ahnen- und Heimatforscher Dr. Volker Wappmann. Die Schittenhelms scheinen auch die Ersten zu sein, die nach einem jahrzehntelangen Pächter-Chaos "das Problem ,Eisenbahn' wieder in den Griff bekommen haben".

Das Weiße Brauhaus ist - abgesehen von der Friedrichsburg - das älteste Gebäude in Vohenstrauß. Vor allem die Rückseite, von der Straße aus nicht einsehbar, ist für Wappmann wegen des Fachwerks einzigartig in der Stadt. 1707 wurde das Haus gebaut, 1794 gehörte es dem Brauereibesitzer Johann Martin Landgraf. Vom Stadtbrand 1839 blieb das Gebäude zwar verschont, nicht aber von Höhen und Tiefen.
Von Anfang an bis in die 1940er Jahre wurde dort Weißbier gebraut, was früher ganz und gar nicht selbstverständlich war. Denn dass Weizen einmal zu schade zum Trinken war, ist heute kaum mehr vorstellbar. Vor über 300 Jahren wurde er in der Oberpfalz in weit geringeren Mengen angebaut als Gerste oder Roggen und sollte als Brotgetreide für bessere Kreise dienen. Weißbier war also etwas Besonderes und kein Alltagsgetränk für einfache Bürger.

Als 1886 die Eisenbahn nach Vohenstrauß kam, wurde das Gebäude in den Gasthof "Zur Eisenbahn" umbenannt. Im Volksmund hieß es aber weiterhin "Brauhaus-Wolf". 1899 ist ilaut Band 17 der "Streifzüge" der Gastwirt und Braumeister Heinrich Wolfgang Mühlhofer als Inhaber aufgelistet.

Um 1921 folgte Brauereibesitzer Wolfgang Mühlhofer, der darin noch etwas mehr als 20 Jahre lang als Letzter Weißbier produzierte. In den 50er Jahren kaufte die damalige Brauerei Balk aus Kleinschwand das Gebäude, informiert Wappmann.

In den folgenden Jahren gab es dann sehr viele Pächter, darunter auch den Vorsitzenden des Raupen- und Baggervereins, Michael Hummer. "Er stellte immer einen eigenen Maibaum auf", erinnert sich der Heimatforscher.

Früher Pizzeria

Auch eine Pizzeria war einmal an der Bahnhofstraße 18 untergebracht. Heute gehört das Anwesen dem Apotheker Martin Wolf. Die eigentliche Brauerei stand früher dort, wo sich jetzt das Ärztehaus befindet.

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