28.08.2014 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Hobbyimker Anton Wurzer gibt die verzweifelte Suche nach Blühflächen jedoch nicht auf Lebensraum für Bienen schwindet

Bienen sind nicht nur durch Varroa-Milben oder Amerikanische Faulbrut bedroht, für die fleißigen kleinen Insekten gibt es auch immer weniger Lebensraum. Anton Wurzer ist seit drei Jahren Hobbyimker. Genauso lange sucht er in und um Vohenstrauß auch schon nach geeigneten Blühflächen.

Dieses Areal an der Autobahn-Anschlussstelle Vohenstrauß Ost findet Anton Wurzer ideal als Blühfläche für Bienen. Die Autobahndirektion Nordbayern hat seinen Vorschlag allerdings abgelehnt. Bild: hfz
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Areale gäbe es im Stadtgebiet genügend, unter anderem am Bahnhof oder in der Nähe zweier Lebensmitteldiscounter. Zuletzt hatte Wurzer wegen eines Bereichs an der Anschlussstelle Vohenstrauß-Ost sogar bei der Autobahndirektion Nordbayern angefragt. "Man stößt aber überall nur auf taube Ohren", ist er verzweifelt.

Auch von der Landesbehörde in Nürnberg kam schließlich eine Absage. "Auf den ersten Blick erscheinen die Grünflächen in Anschlussstellen als Lebensräume auch für Insekten gut geeignet. Die isolierte Lage zwischen vielbefahrenen Straßen stellt jedoch einen Nachteil dar, der gegenüber den Vorteilen zum Beispiel besonders ,insektenfreundlichen' Gestaltung dieser Bereiche weitaus überwiegt. Diese Blühflächen würden zum Beispiel Insekten von außen anlocken. Eine große Zahl der dieser Insekten würde beim Überfliegen beziehungsweise Überqueren der Straßen dem Verkehr zum Opfer fallen."

Artenschutz-Gründe

Das Nahrungsangebot an Insekten würde außerdem Vögel oder Kleinsäger anlocken, denen ebenfalls der Verkehrstod drohe. "Aus Gründen des Artenschutzes sehen wir daher die entsprechende Aufwertung dieser Grünbereiche als sehr kritisch. Auch das Artenschutzrecht verbietet es uns, das Tötungsrisiko für geschützte Arten zu erhöhen", hieß es in einer E-Mail an Wurzer weiter. Er kann die Argumentation sogar nachvollziehen, auch wenn sie an der Problematik an sich nichts ändert.

In seinem Garten hat der Vohenstraußer zwei Völker, auf dem Fahrenberg fünf. "Eins ist eingegangen, das war heuer ganz extrem, der milde Winter hat der Varroa-Milbe Vorschub gegeben." Ein Grund ist, dass das Bienenjahr später als sonst begonnen hat, erst im Juli statt im Juni. Den Schädling, der diesmal für sein fatales Werk einen Monat länger Zeit hatte, kann ein Imker nämlich erst bekämpfen, "nachdem der Honig ausgeleert ist".

Ein weiteres Problem ist der zunehmende Einsatz von Pestiziden auf den Feldern. "Für Imker wären kleine Grünflächen ideal. Wiesen mit verschiedenen Kräutern gibt es ja fast keine mehr", weiß Wurzer. Und genau solche Wiesen wären aber für die Artenvielfalt enorm wichtig. Dort könnten neben Bienen auch noch viele andere Insekten leben und Futter finden.

"Tiere verlieren immer mehr Lebensraum und erobern sich stattdessen städtische Gebiete." Aktuelles Beispiel: der Elch in Dresden. Kommunale Flächen könnten für Wurzer daher eine Lösung sein. Denn in vielen aufgeräumten Gärten blüht auch schon nichts mehr.

Von den sogenannten "Blühenden Rahmen", den Blumen-Randstreifen um Maisfelder, hält der Hobbyimker nicht viel. "Sonnenblumen sind für Bienen nicht so interessant. Das ist eine optisch schöne Augenwischerei, aber von der Optik allein können die Insekten nicht leben. Sie brauchen schon ein bisschen Substanz."

Verwirrte Bienen

Überhaupt Maisfelder: Dort muss nicht einmal Gentechnik zum Einsatz kommen, um den Immen zu schaden. Hybrid-Mais und der Einsatz von Spritzmitteln, deren Konzentration sich innerhalb der Grenzwerte bewegen, reichen schon, um die Bienen zu verwirren. Sie finden dann nicht mehr nach Hause. "Das kann man aber noch nicht beweisen", sagt Wurzer.

Ein weiteres Problem ist auch, dass es immer weniger Imker und Vereine gibt. Wurzer ist bei den Waldthurnern Mitglied. Aber je mehr sich engagieren würden, desto besser könnten sie argumentieren und die Behörden vielleicht doch noch überzeugen.

Für seine kleinen Schützlinge bleibt er aber weiter auf der Suche nach Lebensraum. Einen Erfolg kann er jetzt immerhin verbuchen: In der Nähe des Pumpenhäuschens bei Kössing darf er hinter einer Buschreihe einen Freistand aufstellen. "Die Kössinger wären froh, wenn es wieder Bienen im Ort gäbe." Und als nächstes Objekt hat Wurzer ein Grundstück in Böhmischbruck am Waldesrand im Visier. In der Nähe gibt es allerdings ein Maisfeld. . .

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