Kooperation von Landwirten und Jägern hält Schwarzkittelschäden in Grenzen
SEK gegen Wildschweine

Die Kreisgruppe Vohenstrauß verfügt mit Christian Ertl, Martin Vogt, Roland Bäumler und Ute Ehebauer (von rechts) sowie erfahrenen Stöberhunden über eine Schnelleingreiftruppe, die schnell und unbürokratisch den Wildschweinen aufs Fell rückt. Bild: gi
Lokales
Vohenstrauß
01.09.2014
22
0

"Die Jäger können jagen, aber sie können die Umweltbedingungen nicht ändern", kritisierte der Vorsitzende der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband, Christian Ertl. Er empörte sich gegen Kritik aus dem Landtag, dass die Waidmänner nicht fähig seien, den Schwarzwildbestand zu regulieren.

In ganz Europa sei die Zahl der Wildschweine massiv angestiegen. Die intensive Landwirtschaft und die Klimaerwärmung böten ideale Bedingungen für die intelligenten Borstentiere.

In seinem Zuständigkeitsbereich sei die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Bauern und Jägern als mehr als gut zu bezeichnen. Mit den rund 350 000 Euro für das Projekt Schwarzwildreduktion habe man sinnvollere Beiträge zur Schwarzwildbejagung leisten können.

Ertl zählte die Leistungen der Jäger auf: In Bayern wurden im vergangenen Jahr rund 66 000 Stück Schwarzwild erlegt. Vor 25 Jahren waren es nur 3000 Stück. Im Bereich seiner Kreisgruppe liege die Zahl der getöteten Wildschweine seit Jahren bei etwa 400 bis 500 Stück. Vor 25 Jahren schoss man hier nur 21 Stück. Die Zahl habe sich in dieser Zeit um das 20-fache erhöht und entspreche voll dem bayernweiten Trend.

Freude erhalten

"Viele Leute wissen gar nicht, welch hohen Aufwand von Zeit und Geld es fordert, in der heutigen Zeit ein Jagdrevier zu pachten", sagte Ertl. Dafür fordern die Jäger kein Lob und keinen Dank, aber statt ständiger Kritik wäre ein Wort des Verständnisses und der Anerkennung ein richtiges Zeichen. "Wenn man den Jägern scheibchenweise die Freude und den Spaß an der Jagd nimmt, braucht man sich nicht wundern, wenn man irgendwann keine Jäger mehr hat."

Schwarzwild gehöre ebenso wie Reh- und Rotwild zur bayerischen Kulturlandschaft. "Die Jäger des Bayerischen Jagdverbandes lassen sich auf keinen Fall zu Schädlingsbekämpfern degradieren." Bei der Jagdausübung müssen Tierschutz und Waidgerechtigkeit unbedingt an oberster Stelle stehen.

Unterstützung forderte er von Staat und Gesellschaft durch eine gebührenfreie Trichinenuntersuchung, die Anlage von Bejagungsschneisen in Maisfeldern und von Wildäckern. Außerdem wünscht er sich vernünftige Wildschadensregelungen und Gebührenfreistellung für die Verkehrssicherungsmaßnahmen bei Drückjagden auf Schwarzwild.

Neben dem nächtlichen Ansitz seien vor allem Mais- und Erntejagden oft von großem Erfolg gekrönt. Hier erkenne man die gute Zusammenarbeit und Absprache zwischen Bauern und Jägern besonders. Die Kreisgruppe Vohenstrauß verfüge für die Maisjagden sogar über eine Art schnelle Eingreiftruppe (SEK) mit erfahrenen Stöberhunden und guten Schützen. "Schnell und unbürokratisch wurde hier so manche erfolgreiche Jagd in die Wege geleitet."

Von den vielerorts geforderten "revierübergreifenden Drückjagden" sei er nicht überzeugt. Dabei stünden Erfolg sowie Aufwand bei Planung und Organisation und Verantwortung für Sicherheit und straßenverkehrsrechtliche Haftung oft in keinem Verhältnis. "Erfolg bringen solche Jagden nur in großen geschlossenen Waldgebieten. Doch dort lehnten die Verantwortlichen die reinen Schwarzwildjagden ohne zeitgleiche Bejagung von Rehwild ab.

Verärgert zeigte sich Ertl auch über die in regelmäßigen Abständen auftauchenden Meldungen über verstrahltes Wildbret. Der Bayerische Jagdverband habe ein flächendeckendes Netz von Radiocäsium-Messstationen an 102 Standorten eingerichtet.

Die Kreisgruppe Vohenstrauß verfügt über eine qualifizierte Messstelle unter Aufsicht und Leitung von Dr. Hubert Reindl in Moosbach. Hier werden Wildschweine gemessen und bei überhöhten Werten ausnahmslos entsorgt. Wildbretgenießer könnten sich jederzeit vom Jäger den Untersuchungsnachweis vorlegen lassen.

Pille für die Wildsau

In den oberen Jäger-Etagen wird schon über eine "Pille für die Sau" gemunkelt. "Aber wer soll kontrollieren, dass die Köder dann wirklich nur von der Wildsau aufgenommen werden?", fragte Ertl.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.