Pasinger Madrigalchor um Corinna Rösel-Tabken begeistert Zuhörer in katholischer ...
Gänsehaut und atemlose Stille

Lokales
Vohenstrauß
23.04.2013
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Der volle Klang der Stimmen erfüllte das Gotteshaus und hallte von den Wänden wider, die Akustik erzeugte mitunter Gänsehaut. Ein Erlebnis der besonderen Art war der Auftritt des Pasinger Madrigalchors am Sonntag in der katholischen Stadtpfarrkirche unter Leitung von Corinna Rösel-Tabken, die ihrer alten Heimat einen Besuch abstattete.

Ein Madrigal ist eine weltliche, mehrstimmige Vokalmusik in Muttersprache, vormals nur in der Kunstform Latein, und repräsentiert eine wichtige musikalische Gesangsform der Renaissance und des Frühbarocks. Schon der Auftritt war ungewöhnlich. Die Chormitglieder schritten von hinten in die Kirche, verteilten sich links und rechts der Bänke und warteten auf ihren Einsatz.

Renaissance-Madrigal

Vom Altarraum aus dirigierte Rösel-Tabken die langgezogenen Vokale des Eröffnungsstücks aus Obertönen und ruhiger Improvisation. Mit dem Renaissance-Madrigal "Sing we and chant it" ("Lassen Sie uns singen und uns am Gesang erfreuen") von Thomas Morley begrüßte die Chorleiterin das Publikum, nachdem das Ensemble im Altarraum Aufstellung genommen hatte.

In der Renaissance wurde die Liebe nicht nur heimlich ausgekostet, sondern auch öffentlich besungen. "Il bianco e dolce cigno" Der weiße und liebliche Schwan - von Komponist Jacob Arcadelt handelte von Liebe, vom im Sterben singenden und ungetrösteten Schwan, im Vergleich mit dem Liebenden, der gern den Tod in Kauf nehmen würde, wäre er nicht schrecklicher als die "kleinen Tode" der Liebe. Die Harmonien Gesualdos, Fürst von Venosa, waren seiner Zeit voraus und inspirieren bis heute Komponisten. Von ihm stammen die Stücke "Luci serene" und "Dolcissima mia vita"
Immer vorher durch Rösel-Tabken mit ruhigen, schwelgenden Worten angekündigt, wechselte der musikalische Ausdruck des Chors mit den Komponisten. Eine kurze Einführung über die jeweilige Person und sein Werk komplettierte die Darbietungen. Von Claude Debussy, dem Impressionisten in der Musik, war das Stück "Dieu, qu'il a fait!" ("Gott! Schön hast Du mein Lieb gemacht"), gefolgt von Camille Saint-Saens' Werk "Calme des nuits" ("Stille der Nacht"), der als Verfechter französischer Musik galt.

Das Repertoire des Chors umfasste aber nicht nur Renaissance-Stücke sondern auch vieles aus der neueren Zeit. Ein noch lebender Komponist ist Arvo Pärt aus Estland. Er stellt den Dur-Dreiklang in den Mittelpunkt seiner Klangwelt. Dabei genügen ihm minimalistische Mittel, um selbst einer Tonleiter Leben einzuhauchen. Sein Werk "Solfeggio" besteht einzig aus einer Tonleiter, die sich langsam mir "Do-re-mi.." durch den Chor bewegte.

Drei spirituelle Werke sprachen für sich, das Publikum ließ sie entspannt auf sich wirken. Das deutsche "Hebe Deine Augen auf " von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gefolgt von Jean Bergers lebhaften "Alleluja! aus dem Brazilian Psalm in englisch und schließlich dem getragenen "O magnum mysterium" von Morten Lauridsen. Die Stimmen des Chors drangen durch die atemlose Stille in der Stadtpfarrkirche.

Mehr Temperament

Um das klangliche Erlebnis etwas aufzulockern folgten zum Schluss zwei lateinamerikanische Stücke mit etwas mehr Temperament. "Vasija de barro" von Benitez Gomez, in dem sogar der Takt geklatscht wurde, und "Madre del Maiz" von Héctor Bisso. Kaum war der letzte Ton verklungen, brandete langanhaltender Applaus auf, das Publikum war begeistert. Als Zugabe sang der Chor schließlich noch "Smile" von Charley Chaplin in ganz eigener Fassung.

Der Konzertgenuss war bei freiem Eintritt zu erleben. Spenden waren willkommen. 20 Prozent davon erhält der Kindergarten Don Bosco.
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