26.08.2014 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Städtisches Wannen- und Brausebad diente der Volksgesundheit - Vor 25 Jahren abgerissen "Übelriechende Seifen verboten"

85 Jahre lang prägte der rotfarbene Backsteinbau des städtischen Wannen- und Brausebads gleich neben dem Friedhof das Ortsbild der Stadt. Vor genau 25 Jahren fiel das markante Bauwerk dem Bagger zum Opfer.

Jahrzehntelang dominierte der rotbraune Backsteinbau das Ortsbild neben dem Friedhof. Repro: dob
von Elisabeth DobmayerProfil

Weil es in keiner Denkmalliste stand, war das Gebäude sozusagen "Freiwild". Als solches wurde es im August vor 25 Jahren auch zerstört. Der Bauausschuss nahm am Abbruch offenbar ebenso wenig Anstoß wie die Bevölkerung, denn ernsthaft protestierte niemand, wenngleich Heimatkundler von einem erhaltenswerten "architektonischen Zeugnis Vohenstraußer Industriekultur" sprachen.

Kreisheimatpfleger Peter Bantelmann hatte ein Jahr zuvor im Streifzug 5/1988 des Heimatkundlichen Arbeitskreises unter dem Titel "Industriekultur in Vohenstrauß" über die Elektrozentrale und das "Städtische Wannenbad - Geschichte des Industriedenkmals" berichtet. Kurze Zeit später verschwand der markante Backsteinbau sang- und klanglos vor der Bildfläche.

1899 beschloss der Magistrat der Stadt, ein Elektrizitätswerk zu bauen, um die elektrische Beleuchtung in der Ortschaft einzuführen. Den Auftrag erhielt die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) München, die allerdings nach Vertragsabschluss wieder aussteigen wollte. Nach einem Rechtsstreit ging das E-Werk am 12. September 1904 in Betrieb. Eine Dampfmaschine mit 45 PS trieb den Generator an, der 220 Volt Gleichstrom erzeugte. Für den Spitzenbedarf wurde Strom in Batterien gespeichert. Der Bau kostete nicht ganz 70 000 Mark.

Als sich in den Folgejahren abzeichnete, dass das Werk auf Dauer nicht rentabel war, verkaufte es die AEG 1919 an die Naabwerke Weiden. Ein Jahr später wurde das Kraftwerk stillgelegt. 1926 erwarb die Gemeinde Vohenstrauß das Haus und beschloss, dort ein Warmwasserbad einzurichten. Im März 1926 fertigte Baumeister Donat Ach den Plan. Drei Wannen- und drei Brausebäder waren vorgesehen. Am 29. Dezember 1926 ging die Anstalt in Betrieb. Ein Wannenbad 1. Klasse kostete 70 Pfennig, ein allgemeines Wannenbad 50 Pfennig und ein Brausebad 25 Pfennig. Die Monatskarte war für zwei, die Jahreskarte für 20 Reichsmark zu haben. Schüler und Kinder erhielten 50 Prozent Ermäßigung.

Mit "Turnlokal"

Da für die Badeanstalt nicht alle Räume gebraucht wurden, hatte man den leerstehenden Maschinenraum dem Turnverein als "Turnlokal" zur Verfügung gestellt, der ihn bis 1929 als solches nutzte. Danach bekam den Raum die Sanitätskolonne als Garage. Der Betrieb der "Städtischen Badeanstalt" wurde endgültig am 1. September 1980 eingestellt. Zwei Jahre später erwarb Erna Seibert das Gebäude. Die Personalwohnung im Obergeschoss war damals noch bewohnt. Die im Gebäude integrierte Trafostation der OBAG wurde 1987 in ein neues Gebäude verlegt.

Über die Notwendigkeit dieser neuen städtischen Einrichtung wird am 27. Dezember 1926 im Vohenstraußer Anzeiger unter anderem Folgendes berichtet: "Spielt doch die Pflege der Körperreinlichkeit und das öftere Nehmen warmer Bäder für die Gesundheit beziehungsweise zur Bekämpfung der vielerlei Krankheitskeime und Seuchengefahren die wichtigste Rolle .... Besonders aber auch Kriegsteilnehmer werden wohl die Wohltat eines warmen Bades, das sie selbst nur unter den allerschwierigsten Verhältnissen im Felde genießen konnten, immer schwer vermißt haben, umso mehr, als manche noch mit heimgebrachten gesundheitlichen Schäden behaftet sind. Zu den wichtigsten Belangen jeder größeren Gemeinde gehört ja doch wohl die Fürsorge für die Hebung der Volksgesundheit und so stellt zweifellos die geschaffene Badeanstalt ein soziales Bedürfnis dar und wird zum Segen werden für die ganze Bevölkerung ohne Unterschied von Rang und Stand, insbesondere aber für die Kranken."

Aus der Badeordnung: "Dem Badewasser dürfen keine Zusätze beigemischt werden. Ferner ist die Verwendung übelriechender Seifen oder Schmiermittel verboten. Beim Ausspucken ist sich der aufgestellten Spucknäpfe und zum Anziehen der Schuhe des vorhandenen Fußschemels zu bedienen."

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