30.08.2014 - 00:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Flurdenkmäler: "Plastik-Herrgotte" an Dorfkreuzen und eine Rarität in Neumühle Am Jesus blättert der Lack ab

Josef Eger aus Neumühle hat seinen eigenen Schutzpatron. Das geschnitzte Relief des heiligen Wendelin aus zwei Teilen ist mindestens 100 Jahre alt, schätzt er. Das Stück ist eine Rarität, die man nur noch selten sieht. "Leider ist nicht bekannt, wer ihn gemacht hat."

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Vor etwa 40 Jahren wurde der Wendelin restauriert, erinnert sich Eger. Momentan steht das Holzbild bei ihm im Flur. Der 79-Jährige überlegt aber, ob er es wieder ans Haus oder an den Stall hängen soll.

Stark mitgenommen

Denn bereits früher befand sich das Wendelin-Kunstwerk an der Scheune. Daneben hing ein Wegkreuz mit Holzkruzifix, das zwischen 1850 und 1870 entstanden sein dürfte, weiß Marterlforscher Rudolf Großmann. Heute steht das südliche Dorfkreuz von Neumühle vor dem Haus mit der Nummer 1. Die Jesusfigur ist mittlerweile aus Plastik und sieht schon stark mitgenommen aus. Der Kunststoff-Korpus ist stark verwittert, die Farbe teilweise abgeblättert. Eine Sanierung wäre dringend nötig, meint Großmann.

Bereits 1936 hatte es Ambros Ach restauriert. 1967 ließ es der damalige Kreisbaumeister Donat Ach das Kruzifix im Zuge der Flurbereinigung abermals überarbeiten und an den jetzigen Platz versetzen. Bei dieser Maßnahme verschwand die Mutter-Gottes-Figur. Dieses Kreuz war durch Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass es jetzt ersetzt werden musste.

Am 9. Mai 1999 segnete der damalige Pfarrer Franz Winklmann das neue Dorfkreuz von Neumühle, gefertigt wurde es von Andreas Kopp und Franz Roth. Die Blecharbeiten übernahm Otto Riedlbauer. Die Stadt beschaffte den Christus-Corpus durch eine Spende des Stadtrats und Haushaltsmittel.

Zwei Jahre zuvor hatte die Fraktion der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG) im Gremium noch für ziemlichen Unmut gesorgt. Jeder Stadtrat sollte vom Sitzungsgeld 20 Mark für die Jesusfigur hergeben. Martin Gleixner hatte damals sogar in einer Stadtratssitzung extra eine Schachtel mitgebracht, die dann aber doch nicht herumgereicht wurde. Das wäre den übrigen Fraktionen dann wohl doch etwas zu weit gegangen. Eine Sammlung gab es schließlich erst nach der Sitzung. . .

Unheil abhalten

"In früheren Zeiten dienten Holzkreuze als Ersatz für Dorfkapellen. Sie sollten Hagel, Wind und Wetter, aber auch Unheil abhalten. Es galt auch als Selbstverständlichkeit, ein Kreuz als Zeichen des Glaubens zu errichten", informiert Großmann. Daher steht im Norden der Neumühle beim Haus Nummer 2 ein weiteres Exemplar. Es gehört Josef Bauer und ist etwa 170 Jahre alt. Wegen des fortgeschrittenen Zerfalls des Holzes war eine Renovierung der Christusfigur nicht mehr möglich. Deshalb wurde sie 2006 abgenommen und 2007 durch einen neuen Herrgott, ebenfalls aus Kunststoff, ersetzt. Dessen Zustand ist noch nicht ganz so schlecht wie beim Nachbarkreuz.

"Beide Feldkreuze stehen seltsamerweise noch unter Denkmalschutz. Dies ist aufgrund des Alters der ,Plastik-Herrgotte' absoluter Unsinn. Nicht einmal zehn Jahre alte Fabrikerzeugnisse aus Kunststoff sind nun einmal nicht denkmalwürdig", schimpft Großmann.

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