Parkmoral bei der Post sorgt für Diskussion in der Bürgerversammlung
Keine freie Fahrt

Die Parkmoral einiger Verkehrsteilnehmer bei der Poststelle in Vohenstrauß erregt bei manchen Bürgern Ärger. Bild: dob
Politik
Vohenstrauß
13.10.2017
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Die Parkmoral so mancher Zeitgenossen innerhalb des Stadtkerns wurde in der Bürgerversammlung angeregt diskutiert. Gegen die Unvernunft der Menschen helfen weder Verkehrsausschuss noch Haltverbotstafeln.

Eigentlich will sich Heiner Aichinger bei der Bürgerversammlung nicht zu Wort melden. Aber als Erich Völkl den Schutzstreifen für Radler ins Spiel bringt, "juckte" es ihn, etwas humorvoll die tagtägliche Verkehrssituation am Marktplatz zu schildern.

"Ich versteh das nicht. Das ist jeden Tag ein Ärgernis ohnegleichen". Als ihn Bürgermeister Wutzlhofer fragte, ob sich mit seinen Ausführungen der Verkehrsausschuss befassen sollte, meinte Aichinger flapsig: "Der Verkehrsausschuss ist doch mäeißig".

Das vorher geschilderte Problem mit Parksündern an der Poststelle sieht der Rathauschef ganz und gar nicht. Wenn jemand am Straßenrand kurz anhalte, dann warte man halt kurz und könne dann aber auch gleich wieder weiterfahren.

Schließlich meldete sich Stadtrat und Verkehrsausschussmitglied Heinrich Rewitzer zu Wort. Er gab in seiner Eigenschaft als Verkehrserzieher bei der Weidener Polizei Auskunft über Regeln im Straßenverkehr. Auf Höhe der Poststelle sei die Straße bewusst etwas verengt worden, damit sich der Verkehrsfluss etwas beruhige. Es gebe in Deutschland nirgendwo ein Gesetz, in dem stehe: "Freie Fahrt den Autofahrern".

Das Verhalten bei etwaigen Hindernissen sei in der Straßenverkehrsordnung ebenfalls geregelt. "Auf der Seite wo das Hindernis ist, muss ich stehen bleiben, bis kein Gegenverkehr mehr kommt." Außerdem schob Rewitzer nach: "Wenn auf Höhe der Post ein Auto parkt, kann man jederzeit noch vorbeifahren. Ich komme auch vorbei." Lediglich bei einem Lastwagen könnte es eng werden.

Es könne nicht sein, dass man alle Verkehrshindernisse wegräume, nur damit Fahrzeuge bequem freie Fahrt hätten, erklärte Rewitzer. Klar sei auch, dass bei einem Haltverbotsschild, wie es Aichinger zuvor auf Höhe der Poststelle forderte, keiner anhalten dürfe. "Da darf dann auch ein Mann seine gehbehinderte Ehefrau nicht aussteigen lassen", schob Wutzlhofer dazwischen. Im Verkehrsausschuss gebe es demokratische Entscheidungen und wenn die gefallen sind, dann habe man die zu akzeptieren, machte Rewitzer deutlich.

"Mir tut der Verkehrsausschuss leid, auf den diese Probleme dann immer abgeschoben werden", merkte Aichinger an. Rettungsfahrzeuge hätten dort bisher keine Probleme, denn mit Martinshorn und Blaulicht funktioniere es bisher, wusste Wutzlhofer. Die Probleme könnten weder der Verkehrsausschuss noch die Verantwortlichen im Rathaus klären, brachte es Peter Hegenbarth auf den Punkt: "Es gibt zu viele unvernünftige Menschen, die diese Situationen ausnutzen. Ich glaube nicht, dass wir durch Verkehrszeichen oder Haltverbote die Situation lösen können."


In der Bürgerversammlung meldete sich auch Heiner Aichinger zu Wort. Seine Gedanken zur Parkmoral einiger Bürger am Marktplatz hat er mit einem Augenzwinkern auch schriftlich festgehalten: "Kürzlich wurde mir klar, dass unser Herrgott doch ein 11. Gebot vergessen haben muss: 'Du sollst nicht falsch parken wider deinen Nächsten.'

Dabei meine ich nicht diejenigen, die fest daran glauben, dass die Begrenzungs-Markierung der Parklücke genau mittig unter dem Fahrersitz verlaufen müsse. Nein, es geht um die, welche (meistens vormittags) den Mangel an einer Leberkäs-Semmel für einen solch körperlichen Notfall halten, dass sie - am Marktplatz 'bergwärts' unterwegs - auf Höhe des alten Kriegerdenkmals mittels Einschalten der Warnblinkanlage und fluchtartigem Verlassen des Gefährts diesem Zustand Abhilfe zuteilwerden lassen müssen.

Jeder weitere Meter würde den drohenden Schwächeanfall nicht mehr verhindern können. Dieses Phänomen reicht inzwischen vom Moped bis zum Holzlaster. Wusste gar nicht, dass Brotzeitholen unter 'Be- und Entladen' fällt. Meist gleichzeitig fällt einer Frau in einem 'talwärts' fahrenden Pkw ein, man könnte für nachmittags zwei Sahneschnittchen mitnehmen. Der folgsame Partner am Steuer setzt den Blinker und bleibt in zweiter Reihe abrupt stehen und auch sitzen, obwohl keine 15 Meter weiter auf dem Parksteifen drei Plätze frei wären. Auf dem dann längeren Weg zurück zum Wagen könnte ja eventuell die Sahne sauer werden.

Diesen Umstand nutzt geschickt einer der zahlreichen Paketdienste, um Gleiches zu tun. Schließlich nehmen diese ja inzwischen dieselben Ausnahmen der Straßenverkehrsordnung in Anspruch wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Fehlt nur noch, dass der nachfolgende Schulbus-Fahrer ob seines Tobsuchtsanfalls notärztliche Versorgung nötig hat.

Bis Papst Franziskus über meinen Antrag für ein 11. Gebot entschieden hat, zünde ich in der Stadtkirche für Verkehrsteilnehmer eine Kerze an. Mein Auto lasse ich derweilen in der Pfarrgasse auf Höhe 'Langsattler' stehen. Der Krankenwagen oder ein Lastwagen können ja auch obenrum fahren, oder?"

Wenn auf Höhe der Post ein Auto parkt, kann man jederzeit noch vorbeifahren. Ich komme auch vorbei.Stadtrat Heinrich Rewitzer
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