30.06.2017 - 16:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

500 Jahre Reformation "Ich bin ein Hussit"

Der tschechische Reformator Jan Hus wird am 6. Juli 1415 in Konstanz verbrannt. Etwas über 100 Jahre später baut Martin Luther dessen Theologie aus. Dr. Volker Wappmann kennt weitere Parallelen der beiden Männer, deren Wirken auch in der Region um den Fahrenberg und Vohenstrauß Spuren hinterlässt.

Ein altes Ölgemälde in der Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg spricht den Hussiten die Schuld an der Ermordung von zwei Mönchen zu. Texte auf der Rückseite des Bilds lassen aber auch den Schluss zu, dass Calvinisten die Tat begangen haben, weiß Dr. Volker Wappmann. Archivbild: fjo
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Fahrenberg/Vohenstrauß. Auf dem Scheiterhaufen muss Hus gerufen haben: "Heute bratet ihr eine Gans, aber in 100 Jahren werdet ihr einen Schwan singen hören, den könnt ihr nicht vernichten." Auf Tschechisch bedeutet Gans husa, Luther wurde danach bis etwa ins 19. Jahrhundert oft zusammen mit einem Schwan abgebildet, informiert Wappmann. Außerdem soll der deutsche Reformator gesagt haben: "Ich bin ein Hussit."

1415 war Hus auf der Goldenen Straße über Bärnau, Weiden, Hirschau und Sulzbach nach Konstanz gereist, um seine Lehre zu verbreiten. Ihm war zugesichert worden, dass er auch wieder nach Hause darf. Allerdings wurde er dann gefangengenommen und hingerichtet. Wappmann hat hier eine weitere Parallele zu Luther entdeckt: Der Kaiser hatte ihn 1521 nach Worms geladen, damit er seine Thesen widerruft. Auch Luther war freies Geleit in Aussicht gestellt worden, auf der Rückreise ließ Kurfürst Friedrich der Weise ihn jedoch entführen. Dies geschah einerseits, um Luthers Sicherheit zu garantieren, andererseits um ihn kurzzeitig von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Sogar das Gerücht von Luthers Tod grassierte.

Die Hinrichtung von Hus wollten die Tschechen jedenfalls nicht hinnehmen. Es gab eine hussitische Gruppe, die in die Oberpfalz einfiel, um zu plündern und zu morden. Allerdings waren auch friedfertige Hussiten mit missionarischen Ansätzen unterwegs. Aus ihnen gingen die Böhmischen Brüder hervor, die es heute noch gibt. Sie wollten die Lehre von Hus in die Oberpfalz bringen.

Unter anderem überzeugten sie den katholischen Priester Ulrich Grünsleder aus Vohenstrauß. Aber auch er wurde 1419 in Regensburg verbrannt, was den Zorn der Tschechen weiter anschürte. "In diesem Zusammenhang entstand auch die Darstellung der getöteten Mönche in der Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg links neben dem Altar", weiß Wappmann. Allerdings könnten auch Calvinisten die Tat begangen haben. Auf der Rückseite des Gemäldes befinden sich zwei Schriften, die beide Versionen zulassen.

Hus' Lehre war schon sehr protestantisch geprägt. Einer der Missionare war Prokop der Große, der die vier Prager Artikel von 1420 in der Oberpfalz verbreitete. Darin ging es um "die freie Verbreitung des Wortes Gottes, den Laienkelch, also die Austeilung des Abendmahls unter beiderlei Gestalt, die Armut des Klerus und die konsequente Bestrafung aller Todsünden im Klerus", erklärt Wappmann. In der Region war dies teilweise erfolgreich. 1412 brannte Vohenstrauß ab, danach kamen viele Böhmen und ließen sich dort nieder. Während des Luthertums gab es in der Oberpfalz dann aber keine Hussiten mehr. Im Friedhof der ehemaligen Kreisstadt ist auf dem Bamler-Grabstein (nach dem großen Eingang geradeaus links), ein Kelch abgebildet, kein Kreuz. "Das könnte eventuell ein Verweis auf die hussitische Tradition mit dem Kelch sein", meint der Vohenstraußer Theologe.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp