Angelika Kasseckert als Referentin beim Landfrauenfrühstück des Bayerischen Bauernverbands
Grübeln schadet und hat nie ein positives Ergebnis

Bis auf den letzten Platz war der Rittersaal beim Landfrauenfrühstück des Bayerischen Bauernverbands besetzt.
Vermischtes
Vohenstrauß
12.01.2017
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Nachdenken schadet nicht. Grübeln dagegen schon. Vor allem Frauen grübeln zu viel. Das meint Angelika Kasseckert. Und sie weiß auch, was dagegen hilft.

(dob) Eines vorweg: Auch Männer grübeln und können einen ruhelosen Geist besitzen. Doch das, glaubt Angelika Kasseckert, sei doch eher untypisch für sie. Meist seien es Frauen, die eher grübeln als nachdenken würden. "Nachdenken ist immer zielführend", sagt die Diplom-Sozialpädagogin (FH), "Grübeln nur negativ und immer abwärtsziehend."

Die Paar- und Familientherapeutin aus Mantel, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, ist Referentin beim Landfrauenfrühstück des Bayerischen Bauernverbands. "Raus aus dem Gedankenkarussell", fordert sie im Titel ihres Vortrags, den sie noch zwei Mal halten wird. Donnerstag in Schlammersdorf, Freitag in Rothenstadt. Zum Auftakt am Mittwoch beim "Schloßwirt" in Altenstadt bei Vohenstrauß bleibt schon mal kein Platz frei. Unter den Zuhörern auch BBV-Geschäftsführer Hans Winter - der einzige Mann im Raum.

Spirale abwärts

Mit dem Bild einer Wendeltreppe - einer Abwärtsspirale - will die Referentin verdeutlichen, was passiert, wenn Gedanken kreisen. "Grübelfragen" seien tendenziell unbeantwortbar, sagt sie. Ihre Großmutter sei eine Grüblerin gewesen, berichtet Angelika Kasseckert. Ihr selbst habe einmal jener Satz geholfen: "Die Hälfte reicht auch." So habe sie es geschafft, sich aus der "negativen Gedankenfalle" zu befreien. Heute wolle sie den Frauen Rüstzeug vermitteln, damit sie erkennen, wenn sie grübeln. Denn: "Grübeln ist eine Vorstufe zur Depression." Kreisende Gedanken wirkten "wie ein Brandbeschleuniger negativer Gefühle". Schnell schaukle sich das Ganze auf und führe zu immer mehr negativen Gedanken.

Grübeleien, die um Vergangenheit und Gegenwart kreisen, zögen depressive Stimmung nach sich. Kasseckert beschreibt einen "Hefekucheneffekt": Das unaufhörliche Kopfzerbrechen münde in Selbstzerfleischung. Anhand eines Fragebogens stellen die Zuhörerinnen fest, ob sie zum Grübeln neigen. Wer sich in der Skala bei "fast immer" oder "immer" einstuft, sei höchst depressiv und müsse sich Hilfe holen, rät die Referentin. "Je früher man aussteigt, umso besser." Heutzutage seien Depressionen salonfähig, man traue sich, darüber zu reden. Keine Lösung sei es, einen Panzer anzulegen und niemand an sich heranzulassen. Allein das Mitteilen des Problems bringe meist schon Erleichterung. Durch den distanzierten Blick eines anderen ergäben sich neue Perspektiven und konkrete Lösungsansätze.

Zwei-Minuten-Test

Wer mit seinem Leben zufrieden ist, grüble weniger und habe somit einen entspannteren und klareren Blick auf die Dinge, versichert die Referentin. Anhand eines Zwei-Minuten-Tests könne man sich selbst prüfen: Man gewährt seinen Gedanken zwei Minuten Zeit, sich weiterzuverfolgen. Anschließend müsse man sich fragen, ob man einer Lösung nähergekommen ist. Wenn nicht, dann sei man bereits beim Grübeln.

Begünstigt werde das Zu-viel-Denken vom "Anspruchsdenken", der "Kultur der Nabelschau", dem "Wertevakuum" oder dem "Rollenverständnis". Frauen neigten bekanntlich mehr zur Opferrolle. Trotzdem: Jeder werde einmal von wiederkehrenden Gedanken und Gefühlen heimgesucht, die eine Eigendynamik entwickeln und Energie rauben. Schuld daran könnten Alkohol- und Drogenprobleme sein, genauso wie eine hormonelle Umstellung nach einer Schwangerschaft oder im Klimakterium, der Biorhythmus, eine Überforderung, wie sie oft mit einem ausgeprägten Multitasking einhergehe, oder psychische Traumata. "Ins Grübeln kann man ganz schnell kommen." Das Gegenrezept: "Werden Sie aktiv, wenn Sie nicht schlafen können, bevor Sie sich unruhig im Bett wälzen." Schon das Befüllen einer Waschmaschine, das Stricken oder Bügeln könnte in der Nacht Abhilfe schaffen, denn damit stiegen die Frauen komplett aus dem vorherigen Kontext aus.

"Wachen Sie über Ihre Gedanken und delegieren Sie ihre Sorgen", rät Kasseckert. Auch das Aufschreiben der Gedanken könne helfen. Vor allem: "Gönnen Sie sich etwas Positives." Und eine Antwort auf die Frage der Fragen gibt es am Ende auch: "Der Sinn des Lebens ist es, das Leben zu leben."

LandfrauentagBeim Landfrauentag am Montag, 30. Januar, ab 13.30 Uhr in der Weidener Max-Reger-Halle spricht der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude über das Thema "Frauen in Zeiten des Umbruchs". Moderiert wird dieser Landfrauentag von Marion Schieder. (dob)


Grübeln ist eine Vorstufe zur Depression.Angelika Kasseckert
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