Der evangelische Stadtpfarrer Peter Peischl verlässt Vohenstrauß
Peischl geht nach Wasserburg

Die Blicke von Pfarrer Peter Peischl gehen Richtung Oberbayern. Nach über zwölf Jahren verabschiedet er sich aus Vohenstrauß. Bild: dob
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Vohenstrauß
28.12.2016
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Diese Botschaft war an Heiligabend alles andere als weihnachtlich und schlug bei vielen Gläubigen in der evangelischen Kirchengemeinde mächtig ein: Stadtpfarrer Peter Peischl verlässt schon bald Vohenstrauß.

Für die meisten Kirchenbesucher war diese Nachricht eine große Überraschung. Niemand hatte mit dieser Entscheidung gerechnet, die der Seelsorger mit seiner Ehefrau Gabi in den vergangenen Monaten traf. Das Ehepaar verabschiedet sich in wenigen Wochen in Richtung Oberbayern.

In Wasserburg am Inn im Dekanat Rosenheim tritt Peter Peischl ab 1. April eine halbe theologisch-pädagogische Stelle an. Außerdem kümmert er sich dort um die Notfallseelsorge, die ihm ein Herzensanliegen ist. Dabei handelt es sich um eine Projektstelle die auf drei Jahre befristet ist, erklärt der Pfarrer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Wir machen uns auf in eine neue Welt", versichert er.

Eigentlich schien es so, als bliebe das Ehepaar bis zum Pensionsalter. "Es würde mich bis an mein Lebensende reuen, das nicht ausprobiert zu haben", meint Peischl mit der besonderen Konstellation dieser neuen Stelle, die ihn vom Verwaltungskram befreit und vor allem mit der Kombination der Notfallseelsorge reizt.

Schon auf Wohnungssuche

Am Freitag fiel die Entscheidung. Deswegen bot es sich an, die Kirchengemeinde an Heiligabend zu informieren. Da er noch jede Menge Urlaubstage hat, folgt im Februar die Verabschiedung. Dann macht sich das Ehepaar in Richtung Wasserburg am Inn auf. Sie sind dort bereit auf der Suche nach einer Bleibe, denn nachdem er keine Pfarrei übernehme, können sie unabhängig von einem Pfarrhaus wohnen.

Am 2. Juni 2004 hatte Peischl die Nachfolge des Stadtpfarrers Hermann Bock angetreten, der in Ruhestand gegangen war. Mit allen Rechten und Pflichten wurde die evangelische Kirchengemeinde mit 1800 Seelen an den vierfachen Familienvater übertragen, der aus Schwarzenbach an der Saale kam. Mit ihm zogen Ehefrau Gabi Senger-Peischl sowie die Kinder Anselm, Marei, Tabea und Vreni ins Pfarrhaus ein.

Da die Kinder nun alle flügge sind, steht beim Umzug gleichzeitig die Reduzierung des Haushalts auf zwei Personen an. Vor allem die Stützpunktwehr verliert einen treuen Kameraden und Wegbegleiter, der immer zur Stelle war, auch wenn ein Feuerwehrler nach einem psychisch emotionalen Einsatz einmal selbst Hilfe brauchte. Peischl kennt die Strukturen der Hilfsnetzwerke ganz genau. Bei den meisten Einsätzen blieb er aber ein ganz normaler Feuerwehrmann, der sich auch nicht scheute, den Besen zum Saubermachen der Straßen in die Hand zu nehmen und mit den anderen anzupacken. An seinem neuen Einsatzort werde er sich wieder in ähnlicher Weise einbringen, erklärt Peischl.

In den zurückliegenden Jahren war der Pfarrer viel als Baumeister unterwegs. Der evangelischen Kindergarten und Hort wurde mit dem Hilfsverein zu einem oberpfalzweit anerkannten Projekt zum Haus für Kinder Gottfried Sperl ausgebaut, dem ebenso Wohnungen für Alleinerziehende angegliedert wurden. Ebenso leierte er die Sanierung der wertvollen Kirchenfenster in der Stadtkirche an und trieb mit der Simultankirchenverwaltung den Orgelneubau in der Altenstädter Kirche voran.

Gerngesehener Gast war Peischl genauso bei interreligiösen Zusammenkünften in der Region. Der gebürtige Münchner (Jahrgang 1959) studierte nach dem Abitur 1979 evangelische Theologie in Neuendettelsau, Hamburg und Tübingen. 1985 trat er seine erste Vikariatsstelle in Würzburg an, bevor er 17 Jahre die Pfarrstelle in Schwarzenbach an der Saale betreute. Am 6. Mai 1989 schloss Peischl mit seiner Ehefrau Gabi den Bund der Ehe.

Wehmütige Note

Der Mitarbeiter-Dankabend in der evangelischen Kirchengemeinde am Freitag, 13. Januar, bekommt somit eine ganz wehmütige Note aufgedrückt, denn das Abschiednehmen wird peu à peu beginnen. Nach zwölf Jahren wird das Ehepaar im Februar das Licht im Pfarrhaus ausknipsen. Zumindest für die Zeit der Vakanz wird der altehrwürdige Bau an der Pfarrgasse dann verwaist bleiben.

Suche nach Nachfolger"Auf der einen Seite bedauere ich natürlich diesen Schritt, auf der anderen hat Pfarrer Peischl eine Stelle gefunden, die seinen besonderen Begabungen super entspricht", erklärt Dekan Wenrich Slenczka. Zudem sei ein Wechsel nach über zwölf Jahren vollkommen normal. Dies biete auch der Kirchengemeinde neue Chancen.

Wer Nachfolger des Stadtpfarrers wird, steht noch nicht fest. "Die Stelle muss erst ausgeschrieben und im Amtsblatt der Landeskirche veröffentlicht werden." Dann müsse man sehen, wie viele Leute sich bewerben. "Da wage ich keine Prognose. Je schneller es geht, desto besser natürlich." Dekan Slenczka weist darauf hin, dass nach dem Auszug von Peischl, erst einmal das Pfarrhaus saniert werden müsse. Dies sei bei einem Wechsel vorgeschrieben.

Wer die Verwaltung der Kirchengemeinde während der Vakanz übernimmt, sei noch nicht entschieden. "Wir führen aber schon Gespräche", versichert Slenczka. (rti)


Es würde mich bis an mein Lebensende reuen, das nicht ausprobiert zu haben.Stadtpfarrer Peter Peischl
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