08.02.2018 - 20:00 Uhr
Vohenstrauß

Dialogorientierte Drogenprävention an der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule gestartet Siebtklässler schon gefährdet

Die Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule geht mit Jugendsozialarbeiterin Nadine Gehlert neue Wege: In Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Weiden, der Caritas-Suchtberatung und der Präventionsstelle "Need no Speed" startet sie eine "Dialogorientierte Drogenprävention".

Agnes Scharnetzky von der regionalen Präventionsstelle "Need No Speed"
von Elisabeth DobmayerProfil

Mit drei Workshops sei man bereits gestartet. Nun stand ein Elterninformationsabend an. Lediglich 10 Eltern und 8 Schüler waren in die Mensa neben den Lehrern gekommen. "Für sehr viele Heranwachsende in Deutschland ist es ein Thema", war sich Agnes Scharnetzky von "Need no Speed" sicher. Vor allem die illegalen Angebote richten sich in ihrer verharmlosenden Aufmachung als Spaß- und Lifestyle-Produkte geradewegs an die internetaffinen Jugendlichen.

Allerdings sei die Spanne zwischen dem Angebot an Minderjährige und denen, die darauf eingehen, glücklicherweise sehr groß. "Die Kompetenz abzulehnen, die Selbstbehauptung und das Gespür für Grenzen, die ist offenbar gegeben." Trotzdem: Rund zehn Prozent der Befragten äußerten sich, illegale Drogen konsumiert zu haben. Tendenziell seien Buben schneller dabei zu konsumieren als Mädchen. Bei den Minderjährigen im Alter von 12 bis 17 Jahren geben 23,5 Prozent an, schon einmal Drogen angeboten bekommen zu haben. 10,2 Prozent dieser Studie sagen: "Ich habe schon Drogen probiert." Prinzipiell geben nur 1,3 Prozent der Jugendlichen bis 17 Jahre an, regelmäßig illegale Drogen zu konsumieren.

Europaweite Studie

Bei den Älteren (18- bis 25-Jährigen) hingegen verändern sich die Zahlen massiv. Immerhin 63,3 Prozent der befragten Erwachsenen geben an, Drogen angeboten bekommen zu haben. Ein Indiz dafür, dass es im Erwachsenenalter ein relativ normales Phänomen ist, sagte die Referentin. 34,8 Prozent haben schon mindestens einmal in ihrem Leben konsumiert. Zwar nannte Scharnetzky diese Zahlen "nicht schön, aber keineswegs beunruhigend", weil der Genuss nicht unbedingt in gescheiterte Lebenswege führe.

In einer europaweiten Studie werde die Differenzierung zwischen Cannabis und anderen illegalen Drogen vorgenommen. Cannabis spielt offenbar bei Jugendlichen eine Sonderrolle. "Kiffen ist für viele noch eher in Ordnung als Chemie", so Scharnetzky. Drogen seien keine Frage der Schulart. Während an den Mittelschulen 32,1 Prozent der Schüler illegale Drogen (ohne Cannabis 18,2 Prozent) konsumierten, seien es an den Gymnasien 25 Prozent und an den Realschulen 26,3 Prozent. Amphetamine, Methamphetamine, Ecstasy, Kokain oder Crack spielen dabei allerdings eine kleine Rolle. Vielmehr würden neue psychoaktive Substanzen wie Kräutermischungen, Badesalze, Raumerfrischer als Legal Highs bevorzugt, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und bei Drogentests nicht anschlagen. Deren Zusammensetzung seien völlig unklar. Sie werden zum Teil in Asien und Fernost produziert und können zu psychologischen Ausnahmezuständen und massiven Kreislaufkollapsen führen. Das Einstiegsalter für Cannabis liegt bei 14,8 Jahren. Deswegen setze die Prävention bereits in den 7. Klassen an.

Steigende Fallzahlen

Präventionsbeamtin Andrea Neumeier und Kripo-Chef Thomas Bauer aus Weiden gingen auf die Fallzahlen der Polizei in der Oberpfalz mit steigender Tendenz ein. Insgesamt wurden im Jahr 2010 2483 Drogendelikte bekannt. 2016 waren es 3771 Fälle. Im Landkreis Neustadt/WN verzeichnete die Polizei 255 (2010) Delikte und 425 (2016), was eine Steigerung um 35,8 Prozent bedeutet. Die Crystal-Feststellungen im Bereich Weiden gab Neumeier mit 462 Fällen (2011) und 265 (2016) an. Ein Großteil dieser Mengen wäre allerdings in den Raum Nürnberg gegangen. In der Oberpfalz wurden im Jahr 2015 über 5 Kilogramm Crystal gegenüber in ganz Bayern mit 13,7 Kilogramm festgestellt. Rektor Alfons Raab vermutete, dass es etwas ruhiger um Crystal werde. Laut Bauer fahren zwar weniger Dealer und Konsumenten über die Grenze, sie bringen jedoch größere Mengen mit als noch vor einigen Jahren.

Vielen wäre es am liebsten, wenn die berüchtigten Asia-Märkte schließen würden. Doch dies sei nur ein Trugschluss. "Deswegen verschwindet das Problem nicht." Konrektor Richard Troglauer wollte wissen, ob es Schwerpunkte für den Crystal-Meth-Konsum in der Region gebe. Überall wo Jugendliche im Freundes- oder Bekanntenkreis zusammenkommen, lauerten Gefahren, meinte der Kripo-Chef. Allerdings senke der Alkoholkonsum die Hemmschwelle, etwas zu probieren. "Nicht jeder der einen Joint raucht, landet bei Crystal", erklärte Scharnetzky.

Nicht jeder, der einen Joint raucht, landet bei Crystal.Agnes Scharnetzky Präventionsstelle "Need no Speed"

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