10.04.2018 - 21:34 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Franco A. beim Schützenverein "Doppelagent" in Vohenstrauß

Der Bundeswehr-Offizier, der sich als syrischer Flüchtling ausgibt: Anfang 2017 schlägt diese Nachricht ein. Jetzt zeigt sich: Die nördliche Oberpfalz spielt im Leben des rechtsradikalen "Doppelagenten" eine Rolle.

Ein Bild vom "Range Day" im Schützenhaus in Vohenstrauß. Am 15. Oktober 2016 trafen sich hier Waffennarren auf Einladung der German Rifle Association. Darunter soll sich auch Franco A. befunden haben. Bild: Dobmayer
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Fall hat nicht nur in Deutschland für Aufsehen gesorgt, nun bekommt der Skandal um den mutmaßlich rechtsradikalen Bundeswehr Offizier Franco A. eine Oberpfälzer Dimension: Der Soldat hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil er sich eine Identität als syrischer Flüchtling zugelegt hatte. Nun wird bekannt, dass er sich mehrfach in der Oberpfalz aufhielt - und zwar nachdem er sich in einer Gießener Erstaufnahmeeinrichtung als Flüchtling aus Syrien hatte registrieren lassen. Besonders pikant: Franco A. war Gast im Vohenstraußer Schützenverein, trainierte auf den Schießständen und nahm an einem "Range Day" teil, einer Art Messe, bei der Waffenhersteller ihre Produkte präsentierten und die Teilnehmer diese testen durften.

Anfang 2017 war Franco A. auf dem Flughafen in Wien festgenommen worden. Er hatte dort in einer Toilette eine Pistole versteckt. Die Waffe war entdeckt, das Versteck überwacht worden. Als A. die Waffe Tage später holen wollte, nahm die Polizei den damals 27-Jährigen fest. Bei der Überprüfung deckten die Beamten sein Doppelleben auf. Seine biometrischen Daten passten zum vermeintlichen Syrer, der im Dezember 2015 in Deutschland Asyl beantragt hatte. Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft übernahmen die Ermittlung. Der gebürtige Offenbacher steht seither im Verdacht, schwere Straftaten geplant zu haben. Motiviert durch seinen Ausländerhass habe er Anschläge verüben und diese dann seinem zweiten Ich, dem syrischen Flüchtling, anlasten wollen. Belege für eine rechtsradikale Gesinnung fanden sich bei den Ermittlungen immer wieder.

Das Video zeigt allgemeine Eindrücke vom Range Day in Vohenstrauß. Personen, die im Video zu sehen sind, sind Besucher und stehen nicht im Zusammenhang mit dem "Fall Franco A.".

Übung am Schießstand

Diese Ermittlungen führten das BKA auch in den Nordosten der Oberpfalz. Konkret geht es um mindestens zwei Besuche bei der Schützengesellschaft 1565 Vohenstrauß. Im Juli 2016 nutzte Franco A. deren Schießstand zum Üben. Im Oktober 2016 nahm er dann am "Range Day" der "German Rifle Association" teil. Dies ist die deutsche Entsprechung der "National Rifle Association", die sich in Amerika gegen Beschränkungen beim Waffenbesitz stark macht.

"Spiegel-Online" berichtete, dass Zeugen den Mann in Vohenstrauß "im Sommer 2016 mit einem G3-Schnellfeuergewehr mit aufmontiertem Zielfernrohr und zwei Pistolen verschiedener Hersteller" gesehen haben sollen. "Die Ermittler konnten zudem nachvollziehen, dass Franco A. versuchte, sich unregistrierte Waffen zu beschaffen", schreibt das Online-Magazin weiter. Außerdem soll A. im Waffengeschäft des SG-1565-Schützenmeisters Rainer Hengstl Zubehör gekauft haben, für das keine Besitzkarte notwendig ist. Als Begründung für seine Besuche habe er angegeben, er sei auf der Durchreise auf dem Weg zu seiner Freundin in Berlin. Tatsächlich war A. als Soldat im französischen Elsass stationiert, als Flüchtling sollte er in einer Unterkunft in Oberbayern leben, war dort aber wohl fast nie.

Wieso A. tatsächlich in der Oberpfalz auftauchte, darüber gibt es keine Informationen. Das BKA verweist auf die Bundesanwaltschaft, diese auf eine dürre Pressemitteilung vom Dezember 2017 ohne jeden Bezug zu Besuchen in Vohenstrauß. Schützenmeister Hengstl gibt auf Nachfrage an, dass ihm das BKA die Auflage erteilt habe, sich bis zu einem Prozess nicht öffentlicht zu äußern. Eine gewisse Rolle muss Vohenstrauß in den Ermittlungen gespielt haben. Das BKA durchsuchte mindestens eine Immobilie in der Region, befragte die Mitglieder des Vereins, die sich am selben Tag wie A. in die Schützenliste am Schießstand eingetragen hatten. Einer dieser Zeugen erklärt gegenüber Oberpfalz-Medien, dass A. an diesem Abend nicht aufgefallen sei. Ein anderer Zeuge erklärt, das Publikum bei der Veranstaltung im Oktober sei zwar sehr martialisch und für Außenstehende vielleicht sogar verstörend aufgetreten. Offen Rechtsradikale seien beim "Range Day" aber nicht aufgefallen.

Haftbefehl aufgehoben

Welche Rolle Vohenstrauß in Francos Plänen tatsächlich spielte, könnte ein Prozess erklären. Ob es den geben wird, ist aber nicht klar. Zwar scheint an seiner rechtsradikaler Gesinnung kein Zweifel zu bestehen, andererseits bereitet es den Ermittlern Schwierigkeiten, ihm konkrete Anschlagspläne nachzuweisen. Auch deshalb hob der Bundesgerichtshof Ende Oktober 2017 den Haftbefehl auf. Derzeit prüft das Oberlandesgericht Frankfurt die Anklageschrift. Über ein Verfahren soll laut einer Gerichtssprecherin demnächst entschieden werden.

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