11.06.2017 - 16:52 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Grandiose Serenaden-Vorstellung der Bierfizlrocker im Stadtpark Kartenspielen in der Hölle

Man nehme einen gelernten Zimmerer aus Unterlind, einen Betriebswirt und einen Diplom-Toningenieur aus Windischeschenbach sowie einen Lehrer aus Neustadt/WN, gebe ihnen Instrumente zur Hand und nenne sie "Bierfilzlrocker". Was dabei herauskommt, ist beim Serenadenabend zu beobachten.

Ein Quirl ist als Allrounder überall einzusetzen. Sogar bei der Musik im Stadtpark, wie Dominik Herzner, Daniel Rudrich, Felix Kopp und Michael Maier als "Bierfizlrocker" bewiesen. Bild: dob
von Elisabeth DobmayerProfil

(dob) Die Band besteht aus vier Charmebolzen mit flotten Sprüchen, die man einfach gerne haben muss und die erfrischend aufspielen und von Zeit zu Zeit komische Grimassen schneiden. So viele Gäste wie nie zuvor strömten bei einem lauen Samstagabend in den Generationenpark und bevölkerten die Wiese und den Kulturhügel. Und das obwohl eine Viertelstunde vor Beginn noch kein einziger Gast in Sicht war und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer leicht nervös wurde.

Immerhin traten die "Bierfilzlrocker" gegen eine starke Konkurrenz mit der Gruppe "Powerkryner" auf dem Heimatfest Waldthurn an, meinte der Bürgermeister. Doch wer Dominik Herzner, Daniel Rudrich, Michael Maier und den in der Region sowieso bekannten Felix Kopp einmal erlebt hat, kommt immer wieder gerne.

Alter macht sich bemerkbar

Zusammen ist das Quartett knapp 100 Jahre alt und darum ist es kein Wunder, dass bei seinem neuen Programm hauptsächlich über das Alter philosophiert wird. Bei traumhaftem Wetter müsse er doch eine tragische Feststellung machen, sagte Herzner: "Langsam wer'n ma old." Er könne sich nichts mehr merken, vergesse wo er den Schlüssel liegen habe und auch mit den Namen habe er so seine Schwierigkeiten. Außerdem schmerze der Rücken.

Kein Wunder, "wenn es steil auf die 30 zugeht". Konnte man früher noch drei Tage lang feiern und brauchte nur einen Tag Schlaf, sei es heute umgekehrt. Auf die musikalische Schippe nahmen die Burschen auf ihre ganz eigene, charmante Weise auch den Kundenansturm bei Aldi, wenn am Montag die Zeitung mit dem Superangebot in der Werbung kommt: "Wir wollen den Thermomix, das allererste Stück." Da stünden die Kunden Schlange, da "wird dir angst und bange", hieß es darin. Ein Kaufhauskrieg, der um 9 Uhr früh schon in einer Riesenschlägerei ausartet.

Kopp wagte zwischenzeitlich einen großen Schritt ins Erwachsenenleben und zog in eine eigene Wohnung, verriet Herzner. Ab sofort heiße es selber einkaufen, Wäsche waschen, kochen und bügeln: "Mei Waschmaschin frisst Socken, die Socken samt den Dreck." Ganz fertig mache einem die Technik und wenn dann nur mehr fünfeinhalb Paar Socken in einer Art Puppenkleidung aus der Waschmaschine kommen oder bunt verfärbt, sei der Frust perfekt. Darum stiegen die Jungs auf ein Waschbrett um und schrubben ihre Socken nun darauf oder gehen halt ab sofort barfuß.

Zumindest die Männer dürften folgenden Satz gerne vernommen haben: "Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne." Pure Romantik verströmte der Hit "Candellight Biesln", bei dem sogar eine Kerze angezündet wurde.

Derzeit befinden sich die jungen Männer in einer Phase, in der Steuererklärungen und Berufsunfähigkeitsrenten zum Alltag werden. Natürlich brauche man zum Älterwerden auch ein "anständiges Madl". Wenn es aber nicht aus der Oberpfalz komme, gebe es Verständigungsschwierigkeiten mit der "Valerie". Daneben gab es für die Besucher Unterricht in Sachen Schmusen. "Vohenstrauß, wir wollen, dass ihr viel Liebe spürt", versprühten die Musiker Sex-Appeal, als sie das Publikum aufforderten, die linke Hand auf den Oberschenkel des Nachbarn zu legen.

Quirl zum Musikmachen

Im Übrigen haben Frauen einen positiven Einfluss auf die Männer. Zumindest das weibliche Geschlecht unter den Gästen stimmte dieser Feststellung sofort vorbehaltlos zu. Das Kind im Manne kam beim "Mixri Lou" durch, als das Quartett zeigte, zu was man einen Quirl alles brauchen kann. "Foahr doch", beschrieb die Atmosphäre Montag früh um 7 auf der A 93, wenn ein "Natzer" vor einem fährt. "Da steigt das Aggressionspotential steil an."

Noch einen Nachteil gebe es beim Älterwerden: Je älter man werde, umso mehr Deppen lerne man kennen. "Knockin on Heaven's Door" wurde dafür wunderbar umgetextet und alle stimmten mit ein. Irgendwann reiche es und man klopfe nackend an die Himmelstür. Doch Petrus verwehrte die Tür: "Nackend kummst in unserm Club dou herom niat eina."

Spontan werde der Entschluss gefasst, splitterfasernackt an das Höllentor zu klopfen. Denn da sei es sowieso wärmer und man könne Kartenspielen. Bei der Bayernhymne "Gott mit dir, du Land der Bayern" nach "Sweet Home Alabama" konnten die Besucher sogar aufstehen und ihre Hand auf das Herz legen, forderten die Burschen auf. Denn eigentlich wollten sie mit diesem letzten Lied aufhören. Doch lautstarke Zugaberufe der über 200 Besucher lockten noch das "Oje, wie kumm i ham" heraus, bevor der grandiose Sommerabend endgültig endete.

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