Heimatkundlicher Arbeitskreis Vohenstrauß feiert Jubiläum
Seit 40 Jahren auf Spurensuche

Diese Aufnahme stammt von der ersten "Streifzüge"-Vorstellung am 18. Juli 1986 im kleinen Rathaussaal. Ernst Eichl (vorne, Mitte) war damals Bürgermeister. Oberamtsrat Johann Frischholz und Otto Würschinger (vorne, von links) waren die Triebfedern dieses Erstlingswerks. Peter Staniczek (rechts) und Heiner Aichinger (hinten, links) sind heute an vorderster Front des Heimatkundlichen Arbeitskreises anzutreffen. Repro: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
14.02.2018
195
0
 
Ohne die "Streifzüge" des Heimatkundlichen Arbeitskreises wären viele Geschichten aus früheren Zeiten schon längst vergessen. Bild: dob

"Vohenstrauß im Wandel der Zeiten" von 1978 ist die erste zusammenhängende Chronik der Großgemeinde. Der Herausgeber des Werks feiert heuer aber nicht nur dieses Jubiläum.

Die Erstnennung der Stadt jährte sich 1978 zum 600. Mal. Der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) veröffentlichte daher die Chronik als seine erste Publikation. Im Zeichen dieses kommunalen Jubiläums wurde der HAK am 14. Februar 1978 gegründet. Somit blickt die Gemeinschaft auf 40 erfolgreiche Jahre zurück.

Um das erste 188-seitige Heft verdienten sich insbesondere der ehemalige HAK-Leiter Otto Würschinger und der damalige Oberamtsrat Johann Frischholz viele Lorbeeren. In der Folgezeit erschien unter der Leitung Würschingers der Bildband "Vohenstrauß in alten Ansichten", und man trug zum Gelingen der Wanderausstellung "Wittelsbach und Bayern" vom Haus der Bayerischen Geschichte bei. Außerdem beteiligten sich die Heimatforscher an der Erstellung eines heimatkundlichen Diavortrags für die Stadt.

Neue Konzeption

Die Sorge galt der Sammlung und Archivierung von alten Schriften, Dokumenten und geschichtlichen Beiträgen. Otto Würschinger leitete insgesamt 34 Sitzungen und 2 Museumsfahrten. Am 29. Januar 1986 schloss sich der HAK dem Volksbildungswerk an, dessen Vorsitzender damals Otto Ries war, der sich über die Bereicherung des Arbeitsprogramms seines Vereins riesig freute. Als neuer Leiter des HAK im Volksbildungswerk stellte sich Lehrer Peter Staniczek zur Verfügung. Bereits in der ersten Sitzung unter der neuen Führung wurde am 12. März 1986 die neue Konzeption vorgestellt.

Im Vordergrund standen die heimatliche Forschung, Kurzvorträge zur Unterrichtung des Arbeitskreises sowie die Erweiterung des heimatkundlichen Wissens durch Referate und Exkursionen. Das Hauptziel lag in der Herausgabe von periodisch erscheinenden Vohenstraußer Heimatheften. Würschinger hatte bis dahin unermüdlich für den HAK gearbeitet. Bereits im ersten "Streifzüge"-Band widmeten sich die Heimatforscher dem Vohenstraußer Wahrzeichen unter dem Titel "400 Jahre Friedrichsburg". Im Herbst 1986 erschien der zweite "Streifzug", in dem es über "100 Jahre Lokalbahn Neustadt-Vohenstrauß" ging. Zu diesem Jubiläum aus dem Bereich der Industrie- und Technikgeschichte steuerte der heutige HAK-Vorsitzende Heiner Aichinger allerhand Wissenswertes bei. Der Bau der Eisenbahn war mit entscheidend für den Wiederaufstieg der regionalen Wirtschaft.

"Im Jubiläumsjahr besteht die Gefahr, dass die Region eisenbahnpolitisch degradiert wird", meinte Staniczek damals. "Nachdem bereits 1975 der Personenverkehr ab Floß eingestellt wurde, soll gegen den geharnischten Protest der betroffenen Bevölkerung nun auch die Personenbeförderung auf dem letzten Stück der Lokalbahn zwischen Neustadt und Floß eingestellt werden." Noch ist der Güterverkehr nicht gefährdet - die Unterschutzstellung der Station Vohenstrauß als "technikgeschichtliches Denkmal" eine Vision, hieß es in diesem Band der "Streifzüge".

Schmuckes Museum

"Eine Landschaft verändert ihr Gesicht: Bahndamme als Rad- und Wanderwege - dafür eine Autobahn durch das Pfreimdtal? Merkwürdig, dass ausgerechnet die Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße alte Verbindungen wieder belebt, wenn auch die herrschaftlichen Beziehungen zwischen Vohenstrauß, Amberg, Sulzbach und Heidelberg entlang einer Bundesstraße 14 oder Autobahn A 6 nur noch historische Bedeutung haben." Bald wurde auch die Ortspolizei Vohenstrauß in einem "Streifzug" thematisiert. Am 4. Juli 1989 lud die Stadt den HAK zum Richtfest des neuen Heimatmuseums in den ehemaligen Ackerbürgerhäusern an der Sophienstraße 9 und 11 ein. Bis dahin war es im dritten Stock des Rathauses auf einer rund 112 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche seit langem unzureichend und sehr beengt untergebracht gewesen.

Räumliche Grenzen

Sowohl Präsentation als auch Repräsentation gegenüber litten darunter. "Versteckt, schwer zugänglich, wenig geeignet für Leihgaben, räumlich an seinen Grenzen angelangt, ist es in seiner jetzigen Form weder für Feriengäste noch Besuchergruppen attraktiv genug", beschrieb Johann Frischholz die Situation. Dank der Städtebauförderung wurden die ins Auge gefassten Ackerbürgerhäuser renoviert und entsprechend für ein Heimatmuseum konzipiert, obwohl zuvor monatelang heiß diskutiert wurde. Der Stadtrat beschloss jedoch dann mehrheitlich, die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Am 9. Mai 1989 begannen die Arbeiten. Die Ausstellungsfläche betrug über 300 Quadratmeter und damit das Dreifache des vorherigen Domizils im Rathaus. Mittlerweile sind 40 Jahre vergangen. Auf das kleine Jubiläum wollen die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen im Herbst tiefer eingehen. Gleichzeitig steht die Herausgabe des 40. "Streifzüge"-Bands an. Darum bittet das Redaktionsteam bereits um reichliche "Anfütterung", möglichst bis zum 1. September. "Die Autoren sollten keine Scheu haben, denn die Vielfalt macht den Reiz des Inhalts aus", sagt Aichinger.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.