In der Stützpunktwehr Vohenstrauß brennt es lichterloh
Heiße Brandrede bei der Feuerwehr

Ehrenvorsitzender Erhard Friedrich zieht gehörig vom Leder. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
04.03.2018
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Bei der Stützpunktwehr brennt es lichterloh. Ehrenvorsitzender Erhard Friedrich erhebt schwere Vorwürfe gegen die Führung. Es wird nicht einfach, das Feuer zu löschen.

In der Jahreshauptversammlung der Stützpunktwehr im Gerätehaus rollte eine völlig unerwartete riesige Feuerwalze mit Anschuldigungen und Missbilligungen über den Vorstand hinweg. In der bis dahin intakten und völlig ruhig verlaufenden Versammlung nahm zum Ende Ehrenvorsitzender Erhard Friedrich Stellung zu einem offensichtlich seit längerem schwelenden Brand zwischen der Feuerwehrführung und einigen älteren Kameraden, die sich vorrangig unter dem Dach der Seniorengruppe vereinigen.

Der von Friedrich zusätzlich beantragte Tagesordnungspunkt war zu Beginn von der Versammlung einstimmig genehmigt worden. Der Ärger gegenüber dem Vorstand hatte sich offenbar über Monate, wenn nicht Jahre hinweg aufgestaut.

Friedrich leitete seine 20-minütige, 26-DIN-A-4-Seiten umfassende Brandrede mit sehr lobenden und dankenden Worten für die Vereinsführung ein, um dann gleich loszulegen. Das Wort Kameradschaft habe für einzelne Personen im Vorstand keine Bedeutung, meinte der Redner und warf der amtierenden Feuerwehrführung Arroganz und Respektlosigkeit vor, insbesondere gegenüber verdienstvollen aktiven Kameraden, die Jahrzehnte uneigennützig immer vorbildlich ihren Dienst wahrgenommen hätten oder teils noch wahrnehmen dürften, wenn man sie überhaupt lasse. Bilder von Ehrenmitgliedern, die sich einst an der Wand im Lehrsaal befanden, habe man entfernt.

Er stehe am Rednerpult, um die Verantwortlichen zu ermahnen, ihr unsägliches Handeln zum Nachteil der Kameradschaft zu überdenken und eine Kehrtwende einzuleiten, wenn es nicht eh schon zu spät sei. Geselligkeit sei verpönt. "Missgunst, Neid, Selbstherrlichkeit, Intoleranz und Geiz sowie der persönliche Vorteil stehen bei vielen Verantwortlichen im Vordergrund", bedauerte Friedrich. Fordern und fördern lautete einst das Credo. "Die heutigen Verantwortlichen fordern nur noch und fördern nichts mehr - außer sich selbst", wetterte er weiter. "Wo früher generationenübergreifend harmonisch miteinander gearbeitet wurde, finden heute Grabenkämpfe statt."

Der Ehrenvorsitzende kritisierte, dass immer weniger gesellschaftliche Anlässe stattfinden, Kürzungen von Zuwendungen bei der Teilnahme an Vereinsfesten und Einsparungen bei Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern und Vereinsausflügen vorgenommen würden. "Und das, bei immer höheren Einnahmen und dem entsprechend guten Kassenbestand."

Friedrich ist offenbar wie etliche andere Mitglieder der Meinung, dass trotz der erlangten Gemeinnützigkeit für Zwecke der Geselligkeit pro Mitglied 40 Euro ausbezahlt werden könnten. Lege man dieser Berechnung 200 Vereinsmitglieder zugrunde, wären es jährlich 8000 Euro, die für die Förderung der Kameradschaft zur Verfügung gestellt werden könnten. Dass die Gemeinnützigkeit für den Verein, insbesondere für die Mitglieder nur Nachteile bringe, sei dem Vorstand schon vor 30 Jahren bewusst gewesen, deshalb sei man unter seiner fast 19-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender mit den jeweiligen Kassenwarten stets gegen diese Vereinsform gewesen.

"Die Gesetze der Abgabenverordnung, auf die sich der heutige Vorstand beruft, hat es schon immer gegeben. Aber wir wussten, wie man damit umgeht. Dass man uns bei der Zustimmung mit der Aussage dazu genötigt hat, wegen der immer höheren Gewinne Steuern zahlen zu müssen, wenn wir nicht gemeinnützig werden, war eine weitere große Lüge zum Nachteil aller Mitglieder", warf der Sprecher der Feuerwehrführung vor. Die erheblichen Steuerberatungskosten seien höher als die Einnahmen von Beiträgen der fördernden Mitglieder. Somit werde nicht die Feuerwehr, sondern der Steuerberater gefördert.

Der gravierendste Vorwurf des Ehrenvorsitzenden: Bei den Zweiflern an der Gemeinnützigkeit solle der Eindruck entstehen, dass deswegen die Ausgaben für das Vereinsleben durch die hohen Anforderungen dieser Wirtschaftsform erheblich eingeschränkt werden müssten. Denn diese schreibe grundsätzlich eine zeitnahe Mittelverwendung und die daraus resultierende Rücklagenbildung vor. Er frage sich nur, wie diese nicht unerheblichen finanziellen Mittel Verwendung finden sollen. Denn die irrige Meinung, die Mittel dafür zu verwenden, um Fahrzeuge und Gerätschaften für die Kommune anzuschaffen, gebe die Vereinssatzung nicht her. Im Paragraf 2 Absatz 1 der Vereinssatzung heißt es: "Zweck des Vereins ist die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Vohenstrauß, insbesondere durch die Werbung und das Stellen von Einsatzkräften."

Friedrich sieht nicht ein, dass der Verein Geld für Fahrzeuge und Gerätschaften oder sonstige Einrichtungen für die Kommune zur Verfügung stellt oder bezuschusst. "Deshalb verstoßen die Verantwortlichen gravierend gegen die Vereinssatzung, Abgabenordnung und Gemeinnützigkeit", war der Redner überzeugt. "Auch wenn schon mal eine höhere Spende an eine andere Institution (Kinderkrebshilfe Oberpfalz Nord, Anmerkung der Redaktion) aller Ehren wert war, hätte sie so nie stattfinden dürfen."

Der vereinseigene Bus war ebenfalls Streitpunkt, denn der dürfe der Stadt nicht für Einsatzfahrten überlassen werden. Hinter der Führerscheinerlangung der Klasse CE witterte Friedrich ebenfalls Vorteilsnahme privilegierter Kameraden. Da diese Führerscheine mit Steuergeldern finanziert würden, obliege den Entscheidungsträgern eine besondere Sorgfaltspflicht.

Im Weiteren unterstellte er der Vereinsführung, dass diese den einst so blühenden Verein mit ihrer völlig verfehlten Vereinsarbeit zunichte gemacht habe. Deshalb legte Friedrich einen Forderungskatalog vor, den der Vorstand zeitnah umsetzen müsste.


Missgunst, Neid, Selbstherrlichkeit, Intoleranz und Geiz sowie der persönliche Vorteil stehen bei vielen Verantwortlichen im Vordergrund.Ehrenvorsitzender Erhard Friedrich



Hitzige DiskussionNach verhaltenem Applaus einer kleinen Gruppe ergriff der sichtlich überrumpelte Vorsitzende Peter Grosser das Wort. Er sei einiges gewohnt und halte auch viel aus, "doch diese Ausführungen schlagen dem Fass den Boden aus". Es bleibe dem Ehrenvorsitzenden überlassen, wie er weiter vorgehe. "Ich bin hier sehr gerne Vorsitzender der größten und ältesten Feuerwehr im Landkreis, und das mit Sicherheit nicht, um mich zu profilieren und einen geldwerten Vorteil zu haben." Im Gegenteil: Man sehe es an der heutigen Veranstaltung. "Du kriegst es immer knüppeldick." Mehr wolle er dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, denn ihm fehlten gerade die Worte.

Als Dienstvorgesetzter der Aktiven wolle oder könne er sich nur mit zwei Dingen in die Vereinsangelegenheiten einmischen, sagte ein ebenso sichtlich bestürzter Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und bezog damit Stellung zu der Anschuldigung, er habe vorab Gespräche wegen angeblichen Fehlverhaltens einzelner aktiver Feuerwehrleute geführt. "Ich habe noch nie jemanden ins Rathaus vorgeladen, um ihn zurechtzuweisen." Es gab lediglich eine Aussprache, weil er als Stadtoberhaupt wissen wollte, warum es zwischen Jüngeren und Älteren Differenzen gebe.

In dem soeben gehörten Bericht des Ehrenvorsitzenden sei viel und oftmals der Begriff Respektlosigkeit genannt worden. Als Vereinsmitglied stelle er fest: "Dieser Vortrag als zusätzlicher Punkt der Tagesordnung war der Gipfel der Respektlosigkeit."

Jugendwart Thomas Beierl ergriff ebenfalls erregt das Wort und teilte mit, dass ihn am meisten ärgere, dass er von Eltern seiner Schützlinge angesprochen werde, "wie manche Herren im Wirtshaus über uns herziehen". Das sei eine Frechheit. "Ihr traut euch nicht einmal, uns euren Ärger ins Gesicht zu sagen."

Kläglich scheiterten die Vermittlungsversuche des ehemaligen Stadtkommandanten Günter Sommer, der die Kontrahenten zu einem klärenden Gespräch aufforderte. "Es gibt Probleme, und darüber muss geredet werden." Respekt fehle auf beiden Seiten. Wutzlhofer wollte wissen, warum dann nicht vorher gesprochen worden sei. "In Dienstversammlungen macht keiner seinen Mund auf", kam Carsten Schaller in Rage. Er lasse sich jedenfalls für seine Person, als die er im Vorstand und im Verwaltungsrat tätig sei, nicht vorwerfen, dass er aus eigenem Interesse den Verein führe. "Es ist traurig, was hier ausgeführt wurde. Ich bin stolz, ein Feuerwehrmann zu sein." Ihm tue das unheimlich weh. "Diese Personen, die an diesem Schreiben beteiligt waren, sollen sich schämen."

Wer diese Ausführungen objektiv betrachtet verfolgt habe, dem sei völlig klar, dass einzelne Personen aus diesem Kreis mit der Führung Probleme hätten, stellte Christoph Schmid fest. "Dass bei der Feuerwehr nicht jeder tun und lassen kann, was er will, das sollte jedem klar sein. Da gibt es Verantwortliche, und da gelten bestimmte Regeln. Wenn es nur das einzige Problem ist, dass man auf einem Fest nur fünf Euro Zuschuss aus der Vereinskasse bekommt und sich davon nur ein Seidl Bier kaufen kann und man meint, es müssten 20 Euro sein, dann meine Herren ist mir das nicht klar, warum ich bei der Feuerwehr bin. Wir sind dafür da, Hilfe zu gewährleisten und uns nicht auf Kosten des Vereins auf irgendeinem Fest die Birne zuzudröhnen." Zuschüsse für Festbeteiligungen seien nicht gekürzt worden, stellte Kassier Anton Schwägerl klar. Nach wie vor gebe es fünf Euro für jeden Teilnehmer bei einem Festbesuch.

"Das ist viel zu wenig, da bekomme ich kein Bier mehr", warf Friedrich ein. Wenn die Kritiker auf ein Fest mitgehen würden, dann wüssten sie, dass im vergangenen Jahr beschlossen worden sei, dass die erste Mass von Haus aus frei sei und es zusätzlich fünf Euro gebe. Steuerlich habe man sich im Hinblick auf die 150-Jahr-Feier im Jahr 2015 abgesichert.

Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier sah auf beiden Seiten Enttäuschungen. Deshalb riet er, die Diskussion zu beenden und die Differenzen in aller Ruhe zu klären. Alles andere würde die Feuerwehr nur noch mehr beschädigen. (dob)






Diese Personen, die an diesem Schreiben beteiligt waren, sollen sich schämen. Das ist ein unglaublicher Vorgang.Vorstands- und Verwaltungsratsmitglied Carsten Schaller
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