Ludwig Beierl kritisiert Heckenschnitt bei Straßenhäuser
"Rabiat abrasiert"

Ludwig Beierl geht der Rückschnitt der Hecke an dem öffentlichen Feldweg "Hoher Weg" bei Straßenhäuser zu weit. Das Bauhof-Fahrzeug hinterließ bei der Arbeit tiefe Furchen im Graben. Bilder: ck (2)
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Vohenstrauß
23.03.2018
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Der Straßengraben am Feldweg ist ausgeputzt. Außendienstleiter Karl Frey meint dazu, dass die Entwässerung gewährleistet sein muss. Der Pflegeschnitt der Hecke sei erforderlich gewesen, um den Weg gefahrlos befahrbar zu machen.

Der Vohenstraußer Ludwig Beierl ist bekannt dafür, dass er in seiner Heimatstadt oft mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist. Wenn er etwas sieht, das ihm auffällt oder nicht gefällt, tut er dies auch schon mal offen kund. Seine "Denkanstöße" dringen meist bis ins Rathaus vor. Nicht immer trifft er dort auf Zustimmung.

Vohenstrauß/Straßenhäuser. Erst vor wenigen Tagen ging der Naturfreund im Ortsteil Straßenhäuser spazieren. Was er dabei vorfand, bezeichnet er als "Frevel an der Natur". An dem öffentlichen Feldweg "Hoher Weg", der einerseits zur Alten Heeresstraße, andererseits an der Christbaum-Plantage Geithner vorbei zum Neuwirtshauser Weg führt, hat der Bauhof-Trupp die Hecken gestutzt. Für Beierls Geschmack sei die Aktion ohne großen Sachverstand und "sehr rabiat" ausgeführt worden.

"Die ackern da unqualifiziert in der Natur umeinander und reißen mit ihren Maschinen einfach die Äste ab", schimpft Beierl. "Ich möchte echt wissen, wer auf so eine Idee kommt. Der Weg war vorher doch breit genug, um mit sämtlichen Maschinen und Fahrzeugen durchzukommen." Gegen einen mäßigen Rückschnitt der Sträucher und Bäume an den richtigen Stellen sei seiner Meinung nach nichts einzuwenden. Aber hier sei auf auf einer Länge von mehreren Hundert Metern nur einseitig bis auf einer geschätzten Höhe von vier bis fünf Metern alles knallhart "abrasiert" worden.

Lebensraum verloren

Die Hecke diene Wildtieren wie Feldhasen, Fasanen und vielleicht den letzten Rebhühnern als Schutz. Bienen würden die Pflanzen gerne ansteuern. "Damit ist es jetzt für die nächste Zeit aber vorbei", wettert der Pensionär. Sicher würde es Leute geben, denen diese Aktion nicht negativ auffällt, oder es sogar schön finden, wenn mal aufgeräumt werde. "Ich höre das immer wieder, dass das ja alles nachwächst. Aber, liebe Leute, das kann dauern. Und in der Zeit tun mir die Tiere einfach leid, die hier ihren Lebensraum verlieren", bedauert er.

Beierl hat noch mehr zu bemängeln. Auf der einen Seite (Richtung Christbaum-Plantage Geithner) sieht man noch die tiefen Furchen im Graben, die das Bauhof-Fahrzeug hinterlassen hat. In Richtung Alte Heeresstraße hingegen ist der Graben wie neu angelegt. "Ich weiß beim besten Willen nicht, was dieser Graben da soll", wundert er sich.

"Der neue Tag" fragte beim Außendienstleiter der Stadt, Karl Frey, nach. Er erklärt die Arbeiten folgendermaßen: "Wir haben die Hecken und Bäume bis auf Höhe des Straßengrabens freigeschnitten. Der Graben muss frei und die Entwässerung gesichert sein. Die Vogelschutz-Hecke in dem Gebiet ist nicht angerührt worden." Außerdem müsse die Stadt der Verkehrssicherung nachkommen.

Außerhalb der Brutzeit

Ein sauberer Schnitt sei bei solchen Maßnahmen leider nicht immer möglich. Schlehen, Vogelbeeren- und Hagebuttensträucher stechen und könnten deshalb nicht gut mit der Hand zurückgeschnitten werden. Deshalb habe man eine Heckenschere am Unimog montiert. Frey spricht von einem "Pflegeschnitt", einem "ganz normalen" Einsatz. Manche Pflanzen seien einfach ins Alter gekommen: "Irgendwann ist halt mal Schluss." Um die Tierwelt rund um diesen Arbeitseinsatz des Bauhof-Trupps müsse man sich keine Sorgen machen: "Wir haben noch vor dem 1. März geschnitten, also außerhalb der Brutzeit. Bis in einem Vierteljahr, wenn die Blätter rauskommen, ist das wieder verwachsen."

Bauamtsleiter Hans Balk gibt zusätzlich zu bedenken, dass der Weg als "technische Anlage" für landwirtschaftliche Fahrzeuge wie Mähdrescher gefahrlos befahrbar sein müsse. Dies sei zuletzt nicht mehr der Fall gewesen. Man könne es sich als Kommune nicht leisten, wie in einem Privatgarten drei Mal im Jahr nachzuschneiden: "Das würde den finanziellen Rahmen der Stadt sprengen."

Wir haben noch vor dem 1. März geschnitten, also außerhalb der Brutzeit. Bis in einem Vierteljahr, wenn die Blätter rauskommen, ist das wieder verwachsen.Außendienstleiter Karl Frey
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