12.10.2017 - 20:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Nachtwächter und ihr Revier

Nachtwächter hatten die Aufgabe und Berechtigung, jeden nächtlichen Ruhestörer und Wirtshausschreier ohne Ansehen der Person bis zum nächsten Tag einzusperren. Heimatforscher Karl Ochantel hat zu dem Thema in Vohenstrauß recherchiert.

Als wertvolles Detail zeigt das von Bernhard Weigl aus Mantel aufgespürte Aquarell aus dem 18. Jahrhundert die einstige Herberge der Vohenstraußer Nachtwächter. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

Am 6. August 1906 machte der Nachtwächter gerade seine Runde durch den Schlosshof der Friedrichsburg. "Da, plötzlich kurz nach 1 Uhr Mitternacht ein rasselnder Schlag in der Dauer von etwa zehn Sekunden in einer Stärke und Vehemenz als würden Tausende von Kanonen auf einmal abgefeuert." Dies ist im "Vohenstraußer Anzeiger" zu lesen.

Der Mann wurde durch einen mächtigen Luftdruck zu Boden geworfen. Ein Blitz traf das Schloss. Ein Strahl zuckte durch das Rentamt und brachte dort die Drähte der elektrischen Beleuchtung zum Brennen. Die Zeitung spricht von Glück, dass der Blitz nicht zündete, denn dem Gebälk mit seinen fünf Dachböden wäre mit Wasser nicht beizukommen gewesen.

Wer heute an diesen ausgestorbenen Beruf eines Nachtwächters denkt, dem kommen unweigerlich Gedanken an die poetischen Stundenansagen ins Ohr. Doch wichtiger war der Dienst als Feuerwächter. Die "Dienstes-Instruktion" gab an, an welchen sechs Stationen die Kontrolluhren zu bedienen waren: im Schlosshof am mittleren Turm, beim Postamt an der Bahnhofstraße, beim Koller-Schneider an der Pleysteiner Straße, beim Wongerkasper an der Prager Gasse (heute Griessl), beim Hoffmann an der Pfarrgasse (Schübladl) und am Kommunbrauhaus an der Brauhausgasse.

Den Wächtern war früher eine bestimmte Route vorgeschrieben. Davon ist man abgekommen, denn wenn diese bekannt war, wusste man genau, dass er erst in einer bestimmten Zeit wieder an denselben Platz kommen werde. Diebe hätten auf seine Abwesenheit warten können. Die Einführung des Simultaneums ging gar so weit, dass es von da ab einen katholischen und einen evangelischen Nachtwächter in Vohenstrauß gab. Nach dem Brand 1839 wurde das Wachlokal aus dem abgebrannten Rathaus ins Torwärterhäuschen am Schlosshof der Friedrichsburg eingerichtet.

Von dessen Existenz wissen Geschichtsinteressierte zwar aus Urkunden und Plänen, doch einem Experten aus Mantel gelang 2014 eine Sensation: Bernhard Weigl entdeckte in einer Handschrift aus dem 18. Jahrhundert ein Aquarell der Friedrichsburg, das das Torwärterhäuschen exakt wiedergibt.

Die Nachtwächter waren nebenberuflich tätig und unterstützten auch den Polizeidiener. So war um 1880 der Nachtwächter Georg Wittmann im Hauptberuf Ökonom und Franz Sommer ein Zimmermann. Manchmal kam es vor, dass sie vergaßen, alle Stunden anzusagen. Auch ein nächtlicher Einbruch in die Apotheke im Schlosshof (heute Vereinslokal des OWV) wurde nicht bemerkt.

Vor allem durch Diebesgesindel sahen die Vohenstraußer "die allgemeine Sicherheit in ernstester Weise immer wieder bedroht." Bis nach Innsbruck verbreitete sich die Warnung, dass in der Vohenstraußer Gegend eine Räuberbande, die "Schoumanna", ihr Unwesen treibe. Mit der Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung 1904 entfiel das Anzünden der Laternen. Dadurch sank der Lohn auf 18 Mark monatlich. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten der Soldatenrat und die Grenzwache das Sagen. Erst nach einem 1920 von Stadtrat Hopf eingebrachten Antrag wurde die seit längerer Zeit ruhende Nachtwache wieder eingeführt.

Unter den acht Bewerbern setzten sich Heinrich Geier und Michael Woppmann durch. Der Stundenlohn betrug drei Mark. Aufgehoben wurde die Nachtwache um 1925, weil die Kosten derart in die Höhe gingen, dass "der Aufwand mit dem praktischen Zweck der Einrichtung nicht mehr in Einklang stand".

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